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Zollernalbkreis

Nur gelassen bleiben: So trotzen die Zollernälbler der Hitze und den Hundstagen

25.06.2019

Von Gudrun Stoll, Von Holger Much, Von Pascal Tonnemacher

Nur gelassen bleiben: So trotzen die Zollernälbler der Hitze und den Hundstagen

© Gudrun Stoll

Abkühlung ist an solchen Tagen der reinste Labsal.

Noch ist der Höhepunkt nicht erreicht, auf der Zollernalb wird es am Mittwoch nochmals einen Kittel wärmer. Für Abhilfe sorgen Wasser, Eis und die Entdeckung der Langsamkeit.

Unter dem strahlend blauem Himmel ist die Eisdiele Venedig in Balingen bis auf den letzten Platz belegt. Das muss doch für das Servicpersonal bestimmt purer Stress sein, oder? Nein, sie mache den Beruf aus Leidenschaft, erzählt Bahar Koabex. Auch im Café Vivaldi nebenan freut man sich über das gute Wetter und die zahlreiche Kundschaft: Stress sei es, wenn man bei schlechtem Wetter nichts zu tun habe, erklärt Marco da Ros.

Die Klassiker bleiben erste Sahne

Bei schlechtem Wetter mache er mehr Kuchen als Eis, erklärt er. „Zwei Tage kann man Eis aufheben, dann muss es leider weggeworfen werden.“ Aus zahlreichen Sorten können die Kunden in den beiden Eisdielen aussuchen, am beliebtesten sind die Klassiker Vanille und Schokolade.

Cornelius Stehle kennt seine grünen oder blühenden Schützlinge bestens. Seit 19 Jahren arbeitet er beim Betriebsamt Albstadt und ist im Sommer mit seinen Kollegen auch dafür verantwortlich, durstige Blümchen und Bäume zu versorgen.

„Wir sind im Schnitt jeden zweiten Tag zum Gießen unterwegs“ erzählt er.

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Auch in der neuen Tailfinger Stadtmitte ist Wasser ein tragendes Element - nicht nur während der Hundstage.

© Holger Much

Die Gestaltung der öffentlichen Flächen wie auf dem Bürgerturmplatz in Ebingen punktet mit den Wasserfontänen vor allem auch an heißen Sommertagen.

© Gudrun Stoll

Bahar Koabex ist Eisverkäuferin aus Passion und liebt die Sommertage, an denen sich die Eisdiele Venedig in Balingen mit vielen Gästen füllt.

© Tim Welte

Cornelius Stehle pflegt das städtische Grün in Albstadt.

© Holger Much

Hans-Jürgen Haase sucht Abkühlung im Naturfreibad in Tailfingen.

© Holger Much

Nur manche frisch gepflanzten Bäume, die noch nicht richtig angewachsen sind, bekommen in sehr heißen, trockenen Perioden auch täglich Wasser.

Das kleine, wendige Schmalspurfahrzeug der Stadt ist mit einem Wassertank ausgestattet. Dort passen rund 1200 Liter hinein. Mit dieser großen mobilen Gießkanne auf Rädern kommt man dank eines langen Schlauches auch an weiter entfernte Pflanzungen.

Pflanzen verkraften warme Tage

So kann Cornelius Stehle beispielsweise am Rand des Kreisels am Ebinger Tunnelausgang parken und dennoch problemlos die Blumen in der Kreiselmitte gießen. Das mobile Grün hat Vorrang. Gemeint sind Pflanzen in Töpfen und Pflanzkübeln. Sie müssen mit der begrenzten Erde im Topf auskommen und müssen daher besonders gut gewässert werden.

Natürlich soll das städtische Grün keinen Durst leiden. So problematisch wie im vergangenen Jahr, als die Hitze und vor allem die Trockenheit den Pflanzen schlimm zusetzte, ist es laut Roland Allgaier aber in diesem Jahr nicht. Es hat regelmäßig genügend geregnet, so dass die paar warmen Tage den Pflanzen nicht viel ausmachen sollten.

Schwimmen hält fit und jung

Doch nicht nur Primeln und Straßenbäumen tut Wasser gut: Zahlreiche Albstädter suchen bei dramatisch steigendem Thermometer aber auch gerne selbst Erfrischung im kühlen Nass.

So auch Hans-Jürgen Haase. Wenn er nicht mit seinem Motorrad durch die herrliche Alblandschaft fährt, besucht er regelmäßig das Naturfreibad Tailfingen: „Man muss ja etwas für die Gesundheit tun“, erzählt er lachend. Das idyllisch gelegene Bad am Ortsende Richtung Onstmettingen sei hierfür gerade richtig, sagt er, und stürzt sich erneut in die Fluten, um eine weitere Bahn zu ziehen.

Uhren gehen heute anders

Hitzefrei an den Schulen, das müsste doch ab 25 Grad selbstverständlich sein? Doch die Uhren gehen in heutiger Zeit anders als in jenen Tagen, in denen Lehrer ihre Schüler nach der dritten oder vierten Schulstunde einfach nach Hause schicken konnten. Es gibt heutzutage Halbtagesschulen, Ganztagesschulen, Förderklassen und Betreuungszeiten von unterschiedlichem Zuschnitt. Eltern müssen sich auf diese Angebote der Schulen verlassen können, informiert Bärbel Göttling-Lebherz, Geschäftsführende Schulleiterin der Albstädter Schulen und Leiterin der Schalksburgschule in Ebingen.

Das heißt im Klartext: Ein Schulleiter kann die Kinder nicht einfach nach Hause schicken, wenn morgens um 11 Uhr die Temperaturen in Dimensionen klettern, die Freizeit und Freibad verheißen. Doch die Lehrer, ergänzt Göttling-Lebherz, können Unterricht, Lehrstoff und das Betreuungsprogramm anpassen. Die Schalksburgschule jedenfalls plant keine hitzefreien Tage ein.

Schwelle liegt ungefähr bei 30 Grad im Schatten

Wie Edith Liebhäuser, Schulleiterin der Sichelschule Balingen informiert, habe es am Dienstag keine hitzefrei gegeben. Diese Entscheidung hätten auch die Kollegen getroffen, mit denen sie Kontakt hatte. Ob der Unterricht ausfalle, werde eher am Mittwoch ein Thema sein.

Gängig seien 30 Grad im Schatten als Schwelle, es komme aber auch auf das Gebäude an. Die Entscheidung werde gegen 11 Uhr getroffen.

Übrigens: In der Oberstufe der Gymnasien und den beruflichen Schulen sind Hundstage kein Grund, um hitzefrei zu geben, ergänzt Schulamtsleiter Gernot Schultheiß den Reigen an Informationen aus dem Schulleben.

Mit Sprudelkisten gut versorgt

Auf die Heißwetterperiode haben sich die Zollernälber eingestellt: Die Kunden hätten vorgesorgt und zwei bis drei Kisten mehr Sprudel auf Vorrat eingekauft als üblich, informiert Harun Turgut vom Albstädter Getränkefachmark Mebold. Gerne getrunken wird an solch heißen Tagen vor allem Mineralwasser.

Krankenkassen, die Dienststelle der Malteser in Albstadt und Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha haben Tipps veröffentlicht, wie die Bürger im Südwesten und auf der Alb gesund durch die heißen Tage kommen.

Ausreichend Essen und Trinken und luftige Kleidung zählen zu den Basics, ebenso Sonnenschutz für die empfindliche Haut und der Verzicht auf körperliche Anstrengung in der Gluthitze des Nachmittags. Dass man Senioren, Kinder und auch Haustiere nicht im Auto warten lässt, versteht sich von selbst.

Dampfzug bleibt im Schuppen

Die Eisenbahnfreunde Zollernbahn wollten am Sonntag, 30. Juni, zum 150. Jubiläum der Zollernbahnstrecke Tübingen-Hechingen Dampfzugfahrten anbieten, haben das Event allerdings abgesagt, um Brandgefahr durch Funkenflug gar nicht aufkommen zu lassen. Diese Vorsicht sollte auch beim Grillen im Garten selbstverständlich sein. Und mit offenem Feuer im Wald zu hantieren, geht gleich gar nicht.

Balinger Firmenlauf findet statt

Für den Balinger Firmenlauf, der am Donnerstag, 27. Juni stattfinden wird, laufen die Vorbereitungen unverdrossen weiter. Das Event werde vor allen Dingen vorab nicht abgesagt, heißt es auf Anfrage.

Eine solche Entscheidung würde man, wenn überhaupt, beim Start fällen, sofern zum Beispiel ein schweres Gewitter im Anzug wäre. Die Organisatoren appellieren an die Läufer, genug zu trinken und wenn notwendig, bei der Hitze einen Gang zurückzuschalten.

Außerdem versuchen sie, entlang der Strecke mehrere Getränkeversorgungsstände einzurichten. Das Rote Kreuz stockt zudem seine Helfer auf.

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