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Zollernalbkreis

Bomberjacke mit Symbolen des Ku-Klux-Klan: Kreisrat Stefan Buck distanziert sich von Posting

09.06.2020

Von Pascal Tonnemacher

Bomberjacke mit Symbolen des Ku-Klux-Klan: Kreisrat Stefan Buck distanziert sich von Posting

© Screenshot Facebook

Ein Teil des Fotos, das Stefan Buck auf Facebook gepostet hat: Jacke mit seiner Bestickung und dem Ku-Klux-Klan-Aufnäher.

Kreisrat Stefan Buck (KBV) hat Fotos selbst designter Kleidungsstücke auf Facebook verbreitet, darunter eine Jacke mit Symbolen des Ku-Klux-Klan (KKK). Im Gespräch mit dem ZOLLERN-ALB-KURIER distanziert er sich von der rechtsextremen Organisation, sagt aber auch, dass es keinen deutschen Ableger gebe. Regierung und Ermittlungsbehörden widersprechen, was zuletzt Razzien und auch die Mitgliedschaft eines aus dem Zollernalbkreis stammenden Polizisten in einer KKK-Gruppe in Schwäbisch Hall vor einigen Jahren gezeigt hatten.

Stefan Buck geht unter die Designer. Der Kreisrat und Inhaber einer Auto- und Motorradwerkstatt arbeitet derzeit an einer kleineren Kollektion mit verschiedenen Kleidungsstücken wie Damenunterwäsche („Porno-Collection“), Schildmützen oder Mund-Nasen-Masken („Corona-Collection“).

Bestickt sind sie mit dem Schriftzug „Doc-Harlem Projekt Sars-Cov2 Collection by Stefan Buck“ und einem Stern.

Aufnäher sorgt für Verwunderung

Ein besonderes „Extra‘“ weist eine Bomberjacke auf, die der 44-Jährige an einem Samstagabend kürzlich öffentlich auf Facebook gezeigt und auch mit seinem persönlichen Profil weiterverbreitet hatte: ein Aufnäher mit dem Schriftzug „Ku Klux Klan Section Germany“ und dem nicht verbotenen Erkennungszeichen der rechtsextremen und rassistischen Organisation, dem brennenden Feuerkreuz.

Als er darauf aufmerksam gemacht wird, löscht er das Foto, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein Selbstporträt, auf dem der Aufnäher im Ansatz noch zu sehen ist, bleibt online. Screenshots liegen der Redaktion vor.

Keine Unterstützung für den Klan

Der KKK-Kreisrat will er deswegen aber nicht sein. „Weder bin ich Mitglied, noch Sympathisant einer solchen Gruppierung, in welcher Art auch immer“, sagt Buck.

Von der „Alternative für Deutschland“ hatte er sich wie berichtet nach den internen Machtkämpfen rund um den Rechtsruck in der Partei getrennt – „weil ich mich mit dem Gebaren dieser Partei nicht identifizieren kann und möchte“.

Nur konservativ und bürgerlich

Seither sitzt der Parteilose als Fraktionsvorsitzender der Konservativ-Bürgerlichen Vereinigung (KBV) zusammen mit zwei Ex-AfD-Kollegen in dem Kreisgremium.

„Meine politische Einstellung ist weder links oder rechts und auch nicht liberal“, sagt Buck. „Einfach konservativ und bürgerlich.“ Das Landratsamt prüft die Sache intern, heißt es auf Anfrage.

Es ist nicht das erste Mal, dass Buck in ein „Fettnäpfchen“ tritt. Im Februar dieses Jahres wollte er, letztlich erfolglos, ein anderes Amt erreichen: das des (ehrenamtlichen) Bürgermeisters in Zimmern unter der Burg.

Dort war er im Vorfeld bei der Kandidatenvorstellung mit dem „schlecht gewählten Begriff“ Stalking aufgefallen, als er beschreiben wollte, dass er als Bürgermeister mit Nachdruck für Fördermittel für die kleine Gemeinde sorgen wolle.

Foto sei nicht gut gewählt

Also wieder nur ein harmloser Fauxpas, kurz nicht aufgepasst? Das Foto von dem Prototypen sei nicht sonderlich gut gewählt gewesen, sagt Buck. „Bei der Bestellung war das Logo nicht zu sehen“, fügt er hinzu.

„Ich dachte, es handelt sich dabei wie auf dem Ärmel zu sehen ist, um eine Alpha.“ Damit sind die beliebten Bomberjacken der Marke Alpha Industries gemeint.

Dem Lieferanten aus Tschechien, von dem er sich gute, aber günstige Bomberjacken erhofft hatte, hat er eigenen Angaben zufolge anschließend abgesagt.

„Es gibt keinen deutschen Ableger“

Der Ku-Klux-Klan ist Buck natürlich ein Begriff, wie er sagt. „Da ich bis heute der Meinung bin, dass es keinen deutschen Ableger gibt, habe ich mir bei der Angelegenheit nicht wirklich etwas gedacht“, sagt der Kreisrat.

Das mit der KKK-Existenz in Deutschland sehen Bundesregierung und Verfassungsschutz anders, wenn auch eine „Section Germany“ keine Gruppe ist, die der Bundesregierung offiziell bekannt ist.

Wenige aktive Grüppchen bekannt

2018 hatte die Bundesregierung Informationen zu vier anders benannten aktiven KKK-Gruppierungen – mit sehr geringer Mitgliederzahl und ohne nennenswerte Organisationsstrukturen.

Es erscheint also unwahrscheinlich, dass der Aufnäher der „Section Germany“ zu einer offiziellen, tatsächlich existierenden Gruppierung gehört. Diese sind zudem problemlos und günstig im einschlägigen Internet-Versandhandel zu bestellen.

Polizist aus der Region in KKK-Gruppe

Der Fall Buck, wenn auch mutmaßlich harmloser, ist nicht der erste Fall, bei dem der Ku-Klux-Klan im Zollernalbkreis zum Thema wird.

Ende 2001 waren Timo H. und Jörg W. von der Böblinger Bereitschaftspolizei im Ku-Klux-Klan in Schwäbisch Hall aufgenommen worden, berichtete die SÜDWEST PRESSE zuletzt im September 2015.

H. stammt aus dem Zollernalbkreis, und hat nach Informationen unserer Zeitung die Praktika im Rahmen seiner Polizeiausbildung in Balingen absolviert.

Auf fremdenfeindliche Äußerungen eingeschworen

Die beiden hätten in Ritualen ihre Mitgliedschaft mit Blut besiegelt. Als dies aufgeflogen war, erklärten beide, sie hätten keine Ahnung von der fremdenfeindlichen Ausrichtung gehabt. Dennoch schworen sie auf fremdenfeindliche Äußerungen.

Bei der Polizei kamen sie dafür mit einer Rüge davon, schrieb die SÜDWEST PRESSE. „Offenbar wollte man nicht, dass die KKK-Affäre bekannt wird“, sagte der Vorsitzende des baden-württembergischen NSU-Untersuchungsausschuss Wolfgang Drexler (SPD), vor dem Timo H. im Juli 2015 aussagen musste.

Die „Stuttgarter Zeitung“ berichtete ebenfalls, so seien die „Antworten des Timo H. vor dem Gremium erkennbar taktisch motiviert: nur nichts preisgeben, was auf eine rechtsradikale Einstellung schließen ließe“.

Einen tatsächlichen Zusammenhang zwischen NSU-Morden, dem KKK und Timo H. erkannten Ermittler nicht.

40 mutmaßliche KKK-Mitglieder

Am 16. Januar 2019 gab es zudem eine bundesweite Großrazzia bei 40 Mitgliedern des mutmaßlich gewaltbereiten Netzwerks der „National Social Knights of the Ku-Klux-Klan Deutschland“ – auch in Baden-Württemberg. Die Ermittler fanden mehr als 100 Waffen. Das teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit.

Diese Gruppe einte eine rechtsextreme Gesinnung, die sich unter anderem in einer Glorifizierung des Nationalsozialismus äußere, so die Staatsanwaltschaft Stuttgart. Die Rekrutierung der Mitglieder erfolge unter anderem über das Internet. Die Kommunikation habe hauptsächlich über soziale Medien stattgefunden.

Was der Verfassungsschutz zum Klan sagt

Die Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern rechnen Ku-Klux-Klan-Strukturen dem Rechtsextremismus zu, sagt ein Pressesprecher auf Anfrage. Aktivitäten von KKK-Gruppierungen, auch im Internet, seien daher für die Arbeit des Verfassungsschutzes von großer Relevanz.

„Sie werden aufmerksam verfolgt“, sagt der Behördensprecher. Regionale Organisationsstrukturen existieren laut Bundesregierung in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Spätestens seit 1980ern in Deutschland

Der Ku-Klux-Klan ist einer der ältesten rassistischen Bewegungen der Welt. In Deutschland entstanden laut Bundesregierung erste Ableger Anfang der 1980er Jahre.

Als Grundkonsens verfolgen sämtliche KKK-Gruppierungen laut Bundesregierung das Ziel des Erhalts der „christlich-abendländischen Kultur und Werte“ in Verbindung mit dem Erhalt, der Förderung und der Fortentwicklung der „weißen Rasse“.

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