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Neufra

Vanesa Conzelmann kämpft für ihren behinderten Sohn Marc und gegen die Einsamkeit

15.03.2020

von Sebastian Korinth

Vanesa Conzelmann kämpft für ihren behinderten Sohn Marc und gegen die Einsamkeit

© Sebastian Korinth

Seit der Geburt ihres Sohnes Marc steht Vanesa Conzelmann dem Jungen rund um die Uhr zur Seite. „Ihn ins Heim zu geben, das kam für mich nie in Frage“, sagt sie. Dass Mutter und Sohn inzwischen kaum noch vor die Tür kommen, belastet sie allerdings sehr.

Für Marc und Vanesa Conzelmann wäre ein behindertengerechtes Fahrzeug weit mehr als nur ein Transportmittel. Doch das kostet viel Geld. Rund 50.000 Euro müsste die alleinerziehende Mutter aufbringen. Ihren Lebensmut lässt sie sich von all dem jedoch nicht nehmen.

Sich auf andere zu verlassen – das hat Vanesa Conzelmann nahezu aufgegeben. Den Kampf dafür, ihrem behinderten Sohn Marc ein gutes Leben zu ermöglichen, hat sie längst selbst in die Hand genommen. Und erneut hat sich die 47-Jährige ein hohes Ziel gesteckt: 50000 Euro für ein spezielles Fahrzeug will sie sammeln. Denn der Kampf für ihren Sohn ist mittlerweile auch zu einem Kampf gegen die drohende Einsamkeit geworden.

Der Schock kam viereinhalb Monate später

Als Marc am 13. Juli 2000 in Ebingen das Licht der Welt erblickt, freuen sich die stolzen Eltern über ein kerngesundes Baby. Der Schock kommt viereinhalb Monate später, als sich herausstellt, dass das Kind schwer mehrfach behindert ist. „Wir vermuten einen Impfschaden als Ursache, können das aber nicht nachweisen“, sagt der Haigerlocher Rechtsanwalt Michael Ashcroft, der Vanesa Conzelmann heute unterstützt – und vielen Menschen in der Region als Präsident des Chorverbands Zollernalb bekannt ist.

„Ihn ins Heim zu geben, das kam für mich nie in Frage“

Behinderung hin oder her: Für Marcs Mutter ist nach der Diagnose sofort klar, dass sie ihrem Sohn zur Seite stehen wird. „Ihn ins Heim zu geben, das kam für mich nie in Frage“, sagt sie. „Für mich war klar: Wir bleiben zusammen – egal, was passiert.“ Aber nicht für alle in der Familie ist das so klar. In den Jahren nach Marcs Geburt wenden sich immer mehr Angehörige von Mutter und Sohn ab, irgendwann auch Marcs Vater. „Für viele in der Familie hat ein behindertes Kind nicht in das perfekte Bild gepasst, das sie nach außen hin darstellen wollten“, sagt Vanesa Conzelmann.

Die Mutter kümmert sich rund um die Uhr um ihren Sohn

Ihren Lebensmut lässt sie sich von all dem nicht nehmen. Zusammen mit Marc zieht sie nach Bisingen. Rund um die Uhr kümmert sie sich um ihren Sohn, der auf eine ständige Betreuung angewiesen ist. Sich zu Hause ihrem Schicksal zu ergeben – für Vanesa Conzelmann ausgeschlossen. „Wir waren so gut wie jedes Wochenende unterwegs, sind mal an den Bodensee gefahren, mal nach Stuttgart“, sagt sie.

Gelegentlichen Ausflüge sind unmöglich geworden

2018 ziehen Mutter und Sohn in eine behindertengerechte Wohnung in Neufra. Diese bietet genug Platz für alles, worauf Marc Conzelmann angewiesen ist: von Pflegebett und Rollstuhl über Therapietisch und Duschstuhl bis hin zu Relaxmatratze und Stehständer. Doch die gelegentlichen Ausflüge, die sind inzwischen zu einem Ding der Unmöglichkeit geworden.

Marc muss häufig liegend transportiert werden

„Früher konnte ich Marc einfach auf der Rückbank die Windeln wechseln“, sagt Vanesa Conzelmann. Doch inzwischen hat sie es mit einem erwachsenen Mann zu tun, dessen Betreuung auch körperlich zu einer Riesen-Herausforderung geworden ist. „Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich, die nötigen Geräte sind mit gewachsen und Frau Conzelmann wird auch nicht jünger“, sagt Michael Ashcroft. Um Marc mitnehmen zu können, sei Vanesa Conzelmanns alter VW Caddy zu klein. „Marc muss häufig liegend transportiert werden, man muss im Fahrzeug zum Beispiel Essen zubereiten und füttern können.“

Das Landratsamt habe die Übernahme der Kosten erst einmal abgelehnt

Deshalb benötigt Vanesa Conzelmann ein entsprechendes Fahrzeug. Kostenpunkt: 50.000 Euro. Das Landratsamt habe die Übernahme dieser Kosten erst einmal abgelehnt, sagt Michael Ashcroft. Ob es dabei bleibt, entscheide das Landessozialgericht. „Das können und wollen wir aber nicht abwarten. Wir wollten selbst aktiv werden.“ Unter anderem schrieb Ashcroft deshalb bundesweit rund 600 Stiftungen an. Mit Erfolg: Verschiedene Spender haben mittlerweile eine Gesamtsumme von rund 22500 Euro zugesagt. „Bestellen können wir das Fahrzeug aber erst, wenn die Finanzierung gesichert ist“, sagt Ashcroft.

Nur das Nötigste kann noch erledigt werden

Vanesa Conzelmann hofft, dass es bis dahin nicht mehr lange dauert. Denn mit Marc im Rollstuhl könne sie zwar noch das Nötigste erledigen – viel mehr aber auch nicht. Darunter, sagt die 47-Jährige, leide sie genauso wie ihr Sohn. „Wenn man dazu gezwungen ist, fast den ganzen Tag zu Hause in der Wohnung zu verbringen, dann macht das etwas mit einem.“ Etwas, dem die eigentlich so lebensfrohe Frau gerne entgegenwirken würde. „Die Menschen im Landkreis Sigmaringen sind offen und aufgeschlossen. Ich würde mich wirklich darüber freuen, endlich wieder richtig Kontakte knüpfen zu können“, sagt Conzelmann.

Spenden werden über den Verein „Das Zahnrad“ gesammelt

Spenden für das neue Fahrzeug sammeln Michael Ashcroft und Vanesa Conzelmann über den gemeinnützigen Verein „Das Zahnrad“ mit Sitz in Haigerloch. Dieser unterstützt und begleitet pflegende Angehörige und stellt entsprechende Spendenquittungen aus.

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