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Balingen

Nach Raubüberfall in Balingen: Ermittler prüfen Zusammenhang mit weiteren Taten

03.05.2019

Von Pascal Tonnemacher, Von Benno Schlagenhauf

Nach Raubüberfall in Balingen: Ermittler prüfen Zusammenhang mit weiteren Taten

© Pascal Tonnemacher

Ein Schild in der Schalterhalle weist Kunden am Freitag darauf hin, dass die Geschäftsstelle wegen kriminaltechnischer Untersuchungen geschlossen ist. Nur der SB-Bereich steht den Kunden zur Verfügung.

Nachdem die Polizei am Donnerstagmittag einen Tatverdächtigen nach dem Raubüberfall auf die Balinger Sparkasse festgenommen hat, prüft nun die Staatsanwaltschaft einen Zusammenhang mit weiteren Raubüberfällen in Freiburg, Villingen-Schwenningen, Rastatt und zuletzt Waldkirch.

Ist der mutmaßliche Bankräuber von Balingen auch für weitere, zum Teil viele Jahre zurückliegende Überfälle in ganz Baden-Württemberg verantwortlich? „Es spricht manches dafür“, sagt Jens Gruhl, Leitender Oberstaatsanwalt in Hechingen.

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27. Februar 2009: Ein Unbekannter betritt die Deutsche Bank in Freiburg mit einem Koffer, in dem sich eine Bombe befinden soll. Er hinterlässt eine Geldforderung nach 600.000 Euro und verlässt das Gebäude. Der Koffer stellt sich als harmlos heraus.

9. Dezember 2009: Mit Bombenattrappen erpresst ein Unbekannter in der Commerzbank in Villingen mehr als 100.000 Euro.

Dezember 2010: Bei Aktenzeichen XY wird erstmals im Fernsehen nach dem Mann gefahndet, der die Geldinstitute in Freiburg und Villingen erpresst haben soll.

Juni 2011: Auch in der Sat1-Sendung Ermittlungsakte wird die Fahndung nach dem Unbekannten verbreitet.

18. Oktober 2012: Ein unbekannter Mann erbeutet in der Volksbank in Rastatt „eine erhebliche Summe.“ Er hatte zuvor mit dem Zünden einer Bombe gedroht.

Januar 2013: Nochmals wird bei Aktenzeichen XY nach dem Bankräuber gefahndet.

August 2017: Die RTL2-Sendung Ungeklärte Fälle – Deine Hilfe zählt verbreitet die Fahndung nach dem Unbekannten ebenfalls.

11. April 2019: Ein Unbekannter versucht die Sparkasse in Waldkirch zu überfallen und entkommt ohne Beute.

Die Staatsanwaltschaft Hechingen prüft den Zusammenhang, sagt Gruhl. „Es gibt Anhaltspunkte dafür, also die Möglichkeit besteht.“

Spuren oder Geständnis sollen Zusammenhang zu weiteren Überfällen beweisen

Einen Tag nach der Tat könne er einen eindeutigen Zusammenhang zu Taten in Freiburg, Villingen, Rastatt und Waldkirch aber noch nicht bestätigen.

Die Ermittler benötigen demnach übereinstimmende DNA-Spuren auch von den weiteren Tatorten oder ein Geständnis des 80-jährigen Mannes aus Süddeutschland, der in Fahndungsaufrufen bislang immer als zwischen 40 und 60 Jahre alt, zirka 1,85 Meter groß sowie mit Anzug, Perücke und Sonnenbrille gekleidet beschrieben wurde.

Ermittler stellen 2012 bereits Zusammenhang fest

Auffällig sind sowohl das ähnliche Aussehen des Tatverdächtigen, der in Balingen festgenommen wurde, und des mutmaßlichen Täters in den weiteren Fällen, als auch die ähnliche Herangehensweise bei den jeweiligen Taten. Einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Taten in Freiburg, Villingen und Rastatt hatten Ermittler bereits 2012 hergestellt.

Wie Zeugen berichten, sollen Bankmitarbeiter den Tatverdächtigen in der Balinger Sparkassenhauptstelle anhand eines Warnhinweises erkannt haben, den die Polizei unter anderem nach dem Überfall in Waldkirch an Banken verteilt hatte.

Mutmaßlicher Täter sitzt in U-Haft

Anschließend soll er über einen Vorwand zur Filialleitung gelangt sein und mit dieser in den Tresorraum, bevor die Polizei ihn schlussendlich überwältigen konnte. Details zum Tathergang wollte die Staatsanwaltschaft nicht kommentieren.

Wie die Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilt, ist der mutmaßliche Täter in U-Haft. Das Amtsgericht Hechingen hat dem Haftantrag der Staatsanwaltschaft Hechingen am Freitag stattgegeben und den Haftbefehl in Vollzug gesetzt. Der 80-Jährige wurde in eine Justizvollzugsanstalt gebracht.

Die Hechinger Staatsanwaltschaft ermittelt – trotz der möglichen Verbindungen unter anderem nach Freiburg und Rastatt – zusammen mit der Kriminalpolizeidirektion Rottweil federführend in diesem Fall.

Kleines Familiendrama am Rande des Überfalls

Am Rande des Überfalls am Donnerstag spielte sich ein auch kleines Familiendrama mit glücklichem Ausgang ab.

Ein Familienvater war in der Friedrichstraße unterwegs, seine Frau und ein Kleinkind saßen derweil im dort geparkten Auto fest. Eine Polizistin rannte schließlich zum Wagen und brachte Mutter und Kind in Sicherheit.

Absperrung der Innenstadt wird für Polizei zum Problem

Ein nicht zu unterschätzendes Problem für die Polizei war das weiträumige Absperren des Tatorts. Denn die Balinger Sparkassenzentrale liegt eben auch zentral, wenige Hundert Meter entfernt vom Revier der Polizei und dem Kriminalkommissariat.

Und so galt es, bis zur Sprengung des vermeintlichen Bombenkoffers, der sich als harmlos herausstellen sollte, sämtliche Straßen, aber eben auch die zahlreichen Gässchen und Lücken zwischen den Wohnhäusern, die von der Friedrichstraße, der Bahnhofstraße, der Paulinenstraße und der Wilhelmstraße abgehen, zu sichern.

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Polizeibeamte setzen den festgenommenen Tatverdächtigen in ein Auto.

© Pascal Tonnemacher

Nach dem Raubüberfall sperrte die Polizei den Tatort weiträumig ab.

© Pascal Tonnemacher

Die Polizei ist mit vielen Einsatzfahrzeugen am Donnerstag vor Ort.

© Pascal Tonnemacher

Experten des LKA sind am Donnerstag zur Sprengung des Koffers vor Ort.

© Klaus Irion

„Wie viele dieser Lücken gibt es denn noch“, fragte eine verständlicherweise angespannte Polizeibeamtin ihre Kollegin, die in der Bahnhofstraße Position bezogen hatte. Gegen 17.30 Uhr war der Außeneinsatz dann beendet, die massiven Sperrungen in der Balinger Innenstadt konnten wieder aufgehoben werden, die Läden und Gaststätten ihre Türen wieder öffnen.

Kundenbereich in Hauptstelle bleibt vorerst geschlossen

Geschlossen blieb selbstverständlich noch der Kundenbereich der Sparkasse. Und das war auch am Freitagvormittag – mit Ausnahme des SB-Bereichs – der Fall.

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Ein Schild in der Schalterhalle weist Kunden darauf hin, dass die Geschäftsstelle am Freitag bis auf den SB-Bereich geschlossen ist.

© Pascal Tonnemacher

Ein Plakat im SB-Bereich informiert Kunden, dass die Kundentresore erst am Montag wieder zugänglich sind.

© Pascal Tonnemacher

Die Polizei sicherte dort am Freitag weitere Spuren. Und das nicht nur im Schalterraum, sondern offensichtlich auch im Bereich der privaten Schließfächer. Auch dort soll der Tatverdächtige, wie ein Zeuge des Vorfalls dem ZAK berichtete, unterwegs gewesen sein. Deshalb bleibt auch der Kundentresor bis Montag geschlossen. Bank-Mitarbeiter wurden nach dem Überfall psychologisch betreut.

Die Sparkasse verweist für den Freitag auf ihre Stellen in Frommern, Geislingen sowie in der Stettiner Straße in Balingen.

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