Albstadt/Altenstadt/Memmingen

Nach Doppelmord an Ehepaar in Altenstadt: 32-Jähriger aus Pfeffingen mitangeklagt

29.11.2023

von Schwäbische Zeitung, Thomas Werz

Nach Doppelmord an Ehepaar in Altenstadt: 32-Jähriger aus Pfeffingen mitangeklagt

© Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Im April wurde in diesem Haus in Altenstadt ein 70-Jähriger und seine 55-jährige Frau ermordet. Nun wurde Mordanklage gegen den 38-jährigen Sohn und dessen Frau erhoben. Ein Albstädter soll Beihilfe geleistet haben.

Im April wurde ein Ehepaar in Altenstadt (Bayern) ermordet. Kurze Zeit später führte eine Spur die Ermittler nach Pfeffingen. Anschließend wurden drei Tatverdächtige vorläufig festgenommen. Nun sind der Sohn des Ermordeten und dessen Frau wegen des gemeinschaftlichen heimtückischen Mordes aus Habgier angeklagt. Ein 32-Jähriger aus Pfeffingen soll Beihilfe geleistet haben.

Die Staatsanwaltschaft Memmingen hat Anklage gegen einen 38-Jährigen und dessen 33-jährige Ehefrau aus Altenstadt sowie gegen einen 32-Jährigen aus Albstadt-Pfeffingen am Schwurgericht des Landgerichts Memmingen erhoben. Die Anklage gegen das Ehepaar lautet gemeinschaftliche heimtückischer Mord aus Habgier. Dem Albstädter wird vorgeworfen, hierzu Beihilfe geleistet zu haben. Das Ehepaar soll in der Nacht zum 22. April den 70-jährigen Vater des 38-jährigen Mannes und dessen 55-jährige Frau, die Inhaberin eines Laupheimer Spielwarengeschäfts, getötet haben.

Sohn soll Vater erstickt und dessen Frau mit Stichen getötet haben

In der Nacht soll das angeklagte Ehepaar in das Wohnhaus des 70-jährigen Mannes und der 55-jährigen Frau in der Mühlbachstraße in Altenstadt eingedrungen sein. Beide befanden sich zu diesem Zeitpunkt im Bett und rechneten daher nicht mit einem Angriff und seien wehrlos gewesen, heißt es in der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Memmingen.

Dies sei durch den Sohn und dessen Ehefrau ausgenutzt worden, um den Vater zu ersticken und dessen Ehefrau durch eine mittlere zweistellige Zahl an Messerstichen zu töten. Anschließend versuchten die beiden Angeschuldigten, das Geschehen wie einen erweiterten Suizid, begangen durch den 70-jährigen Mann, aussehen zu lassen, so die Staatsanwaltschaft Memmingen.

Albstädter sollte für Alibi sorgen

Der 32-jährige Albstädter, wohl ein enger Freund des 38-jährigen Angeschuldigten, habe es für möglich gehalten, dass das Ehepaar getötet werde und dies gebilligt. Er sollte dem angeschuldigten Ehepaar ein Alibi verschaffen, indem er sie im Tatzeitraum zu sich nach Albstadt einlud, wo sie sich in der Tatnacht zunächst auch tatsächlich befanden. Zudem soll er den beiden sein Auto zur Verfügung gestellt haben, sodass der 38-Jährige und dessen Ehefrau von Albstadt nach Altenstadt und zurück fahren konnten.

Nach Doppelmord an Ehepaar in Altenstadt: 32-Jähriger aus Pfeffingen mitangeklagt

© Michael Würz

Rückblick: Im Mai fuhr ein Abschleppwagen mit dem von der Polizei beschlagnahmten am Ort der Festnahme los.

Bereits Anfang Mai führte eine Spur die Ermittler nach Pfeffingen (wir berichteten). Damals wurden Anwohner in einem Pfeffinger Wohngebiet befragt, ob ihnen am 21. oder 22. April verdächtige Personen oder Fahrzeuge aufgefallen sind oder generell nachts unterwegs waren. Insbesondere, ob ihnen Fahrzeuge mit Neu-Ulmer Kennzeichen (NU) aufgefallen sind. Zudem interessierte sich die Kripo dafür, ob die Grundstücke der Anwohner videoüberwacht sind, oder ob es Dashcam-Aufnahmen aus Fahrzeugen gibt.

Wenig später wurde der 32-Jährige als einer von drei Tatverdächtigen vorläufig festgenommen und in U-Haft gesteckt. Ermittler durchsuchten insgesamt zwei Wohnobjekte in Altenstadt und Pfeffingen, um Spuren zu sichern. Bereits damals kam Streit um Vermögen und Vermögenswerte als Motiv in Frage. Der Einsatz in Pfeffingen hatte auch deshalb Aufmerksamkeit erregt, weil die Polizei das mutmaßliche Fahrzeug des Tatverdächtigen noch vor Ort beschlagnahmen ließ.

Staatsanwaltschaft geht von Habgier als Motiv aus

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Tat aus Habgier begangen wurde. Die Angeschuldigten hätten einerseits verhindern wollen, dass der 70-Jährige die Schenkung eines Hauses an seinen Sohn rückgängig macht. Zudem wollten sich beide Angeschuldigte am Erbe der Getöteten bereichern, heißt es.

Das Landgericht Memmingen hat nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens und die Zulassung der Anklage zur Hauptverhandlung zu entscheiden. Die Staatsanwaltschaft weist ausdrücklich darauf hin, dass bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung für sämtliche Angeschuldigte die Unschuldsvermutung gilt.

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