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Balingen

Helfen, egal wie: Das Frommerner Sozialkaufhaus Domiziel setzt auf Unterstützung der Bürger

11.05.2020

Von Lea Irion

Helfen, egal wie: Das Frommerner Sozialkaufhaus Domiziel setzt auf Unterstützung der Bürger

© Privat

Oli Scheel, Soraya Abdulhamid, Peter Blechmann, Nathalie Hahn, Gunild Weinbuch, Anne Wahl sowie Heinz Weinbuch (von links) sind für das Sozialkaufhaus Domiziel tätig. Das Foto entstand im Januar 2020.

„Die Menschen, die eigentlich ohnehin am allermeisten Hilfe brauchen, haben es gerade am allerschwersten“, sagt Nathalie Hahn, Vorstandsmitglied des Frommerner Sozialkaufhauses. In diesen Tagen ist die Einrichtung mehr denn je auf Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen.

Für Menschen, die schon vor der Corona-Krise wenig Geld und Ressourcen zum Leben hatten, ist die derzeitige Situation verheerend. Es fallen Termine bei Behörden weg, Tafelladenausweise können nicht beantragt werden und diejenigen, die schon zuvor mit Sprachbarrieren zu kämpfen hatten, schotten sich ungewollt immer weiter vom sozialen Miteinander ab.

Das erleben Nathalie Hahn und Peter Blechmann, Vorstandsduo des Frommerner Sozialkaufhauses, in diesen Tagen sehr intensiv. Seit knapp einer Woche stehen die Dienste der gemeinnützigen Einrichtung unter strengen Auflagen wieder zur Verfügung – jedoch nicht, und das betonen Hahn und Blechmann, zu den gewohnten Öffnungszeiten.

Kontakt per Telefon oder Mail

„Die regulären Öffnungstage sind erst einmal ausgesetzt“, sagt Peter Blechmann im telefonischen Gespräch mit dem ZOLLERN-ALB-KURIER. Man arbeite auf Terminabstimmung. Das heißt, wer Möbel spenden möchte, kann sich per Mail oder telefonisch bei den Verantwortlichen des Sozialkaufhauses melden und den weiteren Vorgang abklären. Wer Bedarf hat, geht denselben Weg.

Der Hintergrund ist klar – man will sowohl die Mitarbeiter, als auch die Bedürftigen und die Spender vor einer möglichen Infektion schützen. Viele derjenigen, die auf das Sozialkaufhaus angewiesen sind, haben jedoch noch nicht mitbekommen, dass die regulären Öffnungszeiten bis auf Weiteres keine Gültigkeit haben.

Das liegt laut Nathalie Hahn unter anderem daran, dass ihre Kunden oft keinen Zugang zu Kanälen wie dem Internet oder einer Tageszeitung haben, über die entsprechende Informationen an die Bevölkerung vermittelt werden. „Normalerweise hängen wir die Infos auch bei der Tafel aus, was sich aber derzeit logischerweise schwierig gestaltet“, so Hahn.

Wer ist eigentlich Kunde?

Gleichzeitig stellt diese Situationen einen Punkt dar, in dem sich Hahn und Blechmann derzeit Hilfe erhoffen. Der Vorstand setzt auf Freunde und Angehörige von Kunden des Sozialkaufhauses. „Vielleicht ist es ja der Nachbar oder jemand anderes, der diesen Menschen deutlich sagen kann, unter welchen Bedingungen das Sozialkaufhaus derzeit geöffnet hat“, sagt Blechmann.

Aber wer kann sich eigentlich als Kunde registrieren? „Im Prinzip sind das alle, die Leistungen vom Jobcenter erhalten“, erklärt Hahn. Dazu zählen auch Aufstockungsleistungen. Die erhält beispielsweise jemand, der in Kurzarbeit ist und finanzielle Hilfe benötigt.

Auch einen Tafelladenausweis benötigen potenzielle Kunden nicht zwingend, denn derzeit ist es aufgrund der aktuellen Lage ohnehin nicht möglich, einen zu beantragen. Es reicht ein gültiger Wohngeld- oder Jobcenterbescheid, möglich ist auch ein entsprechender Bescheid zum Kindergeldzuschlag.

Möbel- und Geldspenden helfen

Wichtig ist dem Vorstandsduo auch, dass Spender die vorgegebenen Hygienemaßnahmen einhalten. Die Mitarbeiter holen Möbel nämlich nicht mehr aus dem Haus, sondern vor dem Haus oder in der Garage ab. Maximal zwei Leute erscheinen dann zum vereinbarten Abholtermin – ganz ohne Kundenkontakt.

Anders wollen Hahn und Blechmann Möbelspenden nicht abwickeln, man hoffe auf Verständnis der Bürger. „Wer sich nicht an die Vorgaben halten möchte, muss seine Einrichtungsgegenstände eben anderweitig versorgen“, kommentiert Hahn. Nicht jeder Spender habe bislang Einsicht gezeigt; Möbelhäuser hätten ja schließlich auch geöffnet, hieß es beispielsweise in einem Gespräch. „Wir sind einfach nicht mit einem Industriebetrieb vergleichbar“, fügt Hahn an.

Man arbeite zu einem großen Teil auf Ehrenamtsbasis. „Es sind alle da und alle arbeiten mit entsprechendem Schutz“, sagt Hahn. Viele der Ehrenamtlichen seien jedoch schon älter und fallen somit in die Risikogruppe der Lungenkrankheit Covid-19. Es gelte schlichtweg, jeden Einzelnen bestmöglich zu schützen – „Und wenn es einen trifft, können wir den Laden auch gleich wieder schließen“, so Blechmann.

Größerer Unterstützungsbedarf

Neben Möbelspenden ist dem Sozialkaufhaus auch mit Geldspenden sehr geholfen, denn im April verzeichnete die Einrichtung keine Einnahmen. In Kurzarbeit wurde niemand geschickt, Kündigungen gab es auch keine – die Gehälter werden anteilig vom Sozialkaufhaus weitergezahlt. Zu solchen Kosten kommt noch die Miete dazu, „denn auch unsere Vermieterin kann nichts für die derzeitige Situation“, sagt Hahn.

Viele Schicksale derjenigen, die Kunden des Sozialkaufhauses sind, berühren das Vorstandsduo. Es habe beispielsweise Flüchtlinge gegeben, die vor der Pandemie eine Arbeit gefunden hatten, diese nun jedoch wieder unfreiwillig beenden mussten, weil das Unternehmen pleite ging.

„Bedürftige leiden am meisten“

„Wir kriegen sehr deutlich mit, dass gerade die Bedürftigen am meisten an der aktuellen Situation leiden“, erzählt Hahn. Da sei ein sehr viel größerer Unterstützungsbedarf nötig, der im Moment gar nicht abgedeckt werden könne. „Die Menschen, die eigentlich ohnehin am allermeisten Hilfe brauchen, haben es gerade am allerschwersten.“

Wer Spenden möchte oder Bedürftige vermitteln will, erreicht die Mitarbeiter des Sozialkaufhauses telefonisch unter 01626924860 oder unter der Mail info@domiziel-zollernalb. Bei telefonischem Kontakt bittet Nathalie Hahn um Angabe der Nummer, sofern nur die Mobilbox erreicht werden kann. Alle weiteren Informationen können der Website domiziel-zollernalb.de entnommen werden.

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