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Hechingen

Das Hechinger Landesmuseum widmet sich Georg Elser und seinem missglückten Hitler-Attentat

15.01.2020

von Matthias Badura

Das Hechinger Landesmuseum widmet sich Georg Elser und seinem missglückten Hitler-Attentat

© Matthias Badura

Die Ermittler der Gestapo bezeichneten Elsers Bombe wegen ihrer Komplexität und Präzision als „Höllenmaschine“. Bei dem Nachbau, der im Hohenzollerischen Landesmuseum zu sehen ist, handelt es sich um ein Requisit aus dem Film „Elser – Er hätte die Welt verändert“.

Eine Bombe gegen den Krieg – 55 Millionen Tote hätte das Tun Georg Elsers womöglich verhindern können. Doch er scheiterte. Eine Ausstellung im Hohenzollerischen Landesmuseum berichtet darüber.

Die Lehre, die wir heute aus der Tat Georg Elsers ziehen können, ist nicht die, Gewalt anzuwenden, sondern, dass wir uns selber über Recht und Unrecht Gedanken machen – sagte Joachim Ziller bei der Eröffnung der Ausstellung im Hohenzollerischen Landesmuseum. Elser habe sich Gedanken gemacht, er habe bereits 1938 erkannt, dass das Hitler-Regime entschlossen war, einen Krieg zu beginnen. Wobei er sich wohl nicht vorstellen konnte, dass dieser Krieg 55 Millionen Menschenleben kosten würde. Doch Elser beschloss zu handeln, den Krieg zu verhindern, indem er den Diktator liquidierte.

Rede vor den „Blutzeugen“

Wie Ziller, Mitglied des Georg-Elser-Arbeitskreises in Heidenheim sowie Leiter des Hauptamts und der Volkshochschule Königsbronn, weiter ausführte, plante Elser seine Tat ein Jahr lang, baute eine Zeitbombe von höchster Präzision und versteckte sie im Bürgerbräukeller, wissend, dass Adolf Hitler hier, einem Partei-Ritual folgend, am 8. November 1939 vor den „Blutzeugen“ des Hitler-Putsches vom 9. November 1921 eine Rede halten würde.

Das Hechinger Landesmuseum widmet sich Georg Elser und seinem missglückten Hitler-Attentat

© Matthias Badura

Viele Besucher kamen zur Ausstellungseröffnung "Georg Elser" ins Hohenzollerische Landesmuseum.

Nächtelang hatte er sich dafür in der Bierhalle verborgen gehalten, hatte eine Säule ausgehölt und seine Bombe darin platziert. Ausnahmsweise verließ der Diktator die Versammlung jedoch früher als gewohnt, die Bombe explodierte 13 Minuten zu spät, riss acht Menschen in den Tod. Elser wurde geschnappt, bis 1945 als Sonderhäftling gefangen gehalten und wenige Tage vor Kriegsbeginn im KZ Dachau umgebracht. Zum Schauprozess, den Hitler ihm zugedacht hatte, kam es nicht mehr.

Bereit, das eigene Leben zu riskieren

Ziller bezeichnete den Schreiner als einen „mutigen und weitsichtigen Mann“. Seine Tat zeige – auf beschämende Weise – dass man als Bürger sehr wohl wissen konnte, was im Dritten Reich vor sich ging und wohin der Kurs der Nazis steuerte. Doch die Mehrheit habe weggeschaut, behauptete nach Kriegsende, man habe nichts von alldem gewusst, habe ja als Einzelner auch nichts unternehmen können. Elser, der ,einfache Mann aus dem Volk‘ konnte es. Er war bereit, dafür das eigene Leben zu riskieren.

Belastetes Andenken

Eben das, führte Ziller aus, habe die Würdigung des Einzelgängers lange Zeit erschwert. Hinzu kam das ausgerechnet von dem Theologen Martin Niemöller, selber Regimegegner und KZ-Häftling, verbreitete Gerücht, Elser sei Mitglied der SS gewesen. Auch in Königsbronn habe man sich lange Zeit mit Elser schwer getan, so wusste Ziller aus eigenem Erleben. In den Verhören nach der Tat wurden Bekannte und Nachbarn von der Gestapo schikaniert und drangsaliert. Das lastete auf seinem Andenken.

Lichtgestalt des Widerstands

Erst langsam setzte sich die Ansicht durch, dass Elser eine Lichtgestalt des Widerstands war, weil er anders als etwa die Offiziere und Adligen um Claus Graf von Stauffenberg frühzeitig handelte und er allein auf sich gestellt war. Dass das Attentat fehlschlug und acht Menschen getötet wurden, so Ziller, habe Elser Zeit seines restlichen Lebens nicht verkraftet.

Trump und Erdogan lassen grüßen

Nochmals rief der Referent auf, sich über Politik und Gesellschaft selbst kritische Gedanken zu machen. „Ich erinnere an Trump und Erdogan. Es muss einem zu denken geben, wenn solche Leute Hass und Lügen verbreiten und ihnen die Hälfte der Bevölkerung hinterherläuft. Elser ließ sich nicht von der allgegenwärtigen Propaganda beeinflussen!“

Respekt vor der Zivilcourage

Ähnlichen Respekt vor der Zivilcourage des Schreiners hatten zuvor David Hendel, der Leiter des Hohenzollerischen Landesmuseums, und Bürgermeister Philipp Hahn in ihrer Begrüßung bezeugt. Beide hofften, dass der Ausstellung Erfolg beschieden sein möge. Die Hoffnung dürfte berechtigt sein. Schon zur Eröffnung am Dienstagabend konnte das Foyer des Museums die Besucher, rund 100, gerade noch fassen.

Viele Gegenstände aus Elsers Leben zu sehen

Der vollständige Titel der Dokumentation im Hechinger Landesmuseum am Schlossplatz lautet: „,Ich habe den Krieg verhindern wollen‘ – Georg Elser und das Attentat vom 8. November 1938“.Zu sehen sind nicht nur Bild- und Schriftdokumente, sondern auch Gegenstände aus dem persönlichen Besitz Elsers, Dinge, die ihm gehörten und an denen er womöglich hing: eine von ihm gebaute Uhr und eine Schmuckschatulle mit Intarsien, Teile seines Schreinerwerkzeugs sowie seine Zither. In einer Dauerschleife werden außerdem Szenen aus dem 2015 produzierten Lindenhof-Stückes „Allein gegen Hitler“ gezeigt.

Dauer und Vorträge

Die Ausstellung ist bis zum 1. März im Landesmuseum zu sehen. Öffnungszeiten sind mittwochs bis sonntags von 14 bis 17 Uhr. Sonderführungen kann man unter Telefon 07471 940188 vereinbaren. Einen ersten Vortrag über Georg Elser wird Josef Seibold von der Elser-Gedenkstätte Königsbronn am 26. Januar um 19 Uhr in der Alten Synagoge Hechingen halten. Einen Originalnachbau der Bombe, die Hitler vernichten sollte, wird Rudolf Hangs, Neffe Johann Georg Elsers, am 11. Februar um 19 Uhr im Landesmuseum zeigen.

Preisgekrönter Streifen

Das Burgtheater Hechingen zeigt – passend zur Ausstellung im Landesmuseum – den preisgekrönten Spielfilm „Elser – Er hätte die Welt verändert“. Spielzeiten sind am kommenden Sonntag um 17.45 Uhr und am Mittwoch, 22. Januar, um 20 Uhr.

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