Albstadt

Albstädter Doppelmord: Angeklagter wollte ursprünglich noch weitere Morde begehen

21.09.2023

Von Holger Much

Albstädter Doppelmord: Angeklagter wollte ursprünglich noch weitere Morde begehen

© Holger Much

Der Angeklagte wurde von Justizbeamten mit Fußfesseln in den Gerichtsaal geführt.

Mord in zwei Fällen in Tateinheit mit Geiselnahme, so lautet die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen einen 53-jährigen Mann, der im Dezember 2022 zuerst eine junge Frau und kurz darauf einen jungen Mann getötet haben soll. Der Angeklagte räumt die ihm zur Last gelegten Taten ein.

Am Donnerstag begann vor der großen Strafkammer des Landgerichts Hechingen der Prozess um den Albstädter Doppelmord. Die Staatsanwaltschaft wirft dem heute 53-jährigen Mann Mord in zwei Fällen in Tateinheit mit Geiselnahme vor. Die Familie des getöteten jungen Mannes tritt als Nebenkläger auf.

Am 18. Dezember 2022 soll, so die Anklage, der damals 52-Jährige seine 20-jährige Nichte in deren Wohnung in Ebingen erwürgt haben. Nur drei Tage später, so die Anklage, soll er auf dem Ebinger Ziegelplatz einen 23-jährigen jungen Mann, einen Freund der jungen Frau, erschossen zu haben.

Anwalt liest Stellungnahme vor

Der Angeklagte räumte am Donnerstag in der Sitzung alle ihm zur Last gelegten Taten ohne Wenn und Aber ein. Das heißt, sein Anwalt verlas eine kurze Stellungnahme, in der der Angeklagte formulierte, er müsse und werde sich für „seine schrecklichen Taten verantworten“ und entschuldigen. Er empfinde Trauer und Scham und wisse, Worte könnten nichts wieder gut machen.

Er habe zwei Leben ausgelöscht, zwei Familien Schmerz und Leid zugeführt, übernehme dafür die volle Verantwortung. Seine Motive seien „inakzeptabel und falsch“ gewesen. Auch habe er sich von dem Vorhaben verbschiedet, wenn möglich weitere Personen umzubringen. Das hatte er zunächst nämlich vorgehabt.

Angeklagter will zurück in Zelle

Ansonsten wollte er nichts sagen, auch nicht zu seinen persönlichen Verhältnissen.

Stattdessen verlangte der Angeklagte, nicht an der Verhandlung teilnehmen zu müssen und zurück in seine Zelle zu dürfen. Das, so belehrte ihn der Richter, sei nicht möglich.

Der medizinische Sachverständige, der sich in der Untersuchungshaft mit ihm unterhalten hatte, berichtete dann kurz, dass er, aufgewachsen in Italien, dort bereits mit 16 Jahren wegen Diebstahl siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis gemusst habe, später dann „wegen einer alten Sache“ noch mal ein Jahr. Knapp zehn Jahre habe er bereits im Gefängnis verbracht, erzählte der Angeklagte dem Sachverständigen.

Überzeugt, bestohlen worden zu sein

Bereits im November soll der Angeklagte, so führt die Staatsanwaltschaft aus, für sich zum Schluss gekommen sein, dass seine Nichte, mit der er in einem Gebäude lebte, ihn zusammen mit mehreren Personen ihres Freundeskreises bestohlen hätte. Um sich für diesen vermeintlichen Diebstahl zu rächen, so die Staatsanwaltschaft, habe er beschlossen, seine Nichte und alle ihre Freunde, die er als mitverantwortlich sah, zu töten.

Albstädter Doppelmord: Angeklagter wollte ursprünglich noch weitere Morde begehen

© Holger Much

Vor der großen Strafkammer des Landgerichts Hechingen muss sich seit Donnerstag ein 53-jähriger Mann verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord in zwei Fällen vor.

Die Staatsanwaltschaft legt daher heimtückische und niedere Beweggründe für die Tat zugrunde: Rache. Frühmorgens, so zeichnet die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift die Tat nach, habe er mit einem Schlüssel die Wohnung seiner Nichte betreten und sie dort beim Nachhause-Kommen mit gezogener Pistole, einer Walther PPK, überrascht.

An Händen und Füßen gefesselt

Er fesselte sie an Hand- und Fußgelenken mit dem Ziel, von ihr die Aussage zu erzwingen, dass sie ihn bestohlen habe, heißt es in der Anklage. Nachdem sie diese Anschuldigungen nach mehreren Stunden, stets gefesselt, nicht zugegeben hatte, habe der Angeklagte laut Anklageschrift beschlossen, sie zu töten.

Er würgte die junge Frau in ihrer Dusche mit einem Kabelbinder, bis sie schließlich erstickte und starb. Auch wenn er, wie er einräumte, immer wieder Kokain oder Cannabis konsumiert habe, habe er zum Tatzeitpunkt nicht unter dem Einfluss von Drogen gestanden.

Leiche zur Abschreckung

Später dann habe er die Leiche, so berichtete ein Zeuge, in seiner eigenen Dusche mit einem „stabilen Fleischermesser“ und einem „stabilen Dolch“ zerteilt und „nicht allzu tief“, weil dazu die Zeit fehlte, im Garten vergraben.

Den Leichnam habe er ihren Freunden als „Mahnmal zur Abschreckung“ präsentieren wollen. Nachdem diese aber nicht, wie von ihm erwartet, auftauchten, und der Angeklagte am Vormittag des 21. Dezembers einen Anruf von der Polizei aufgrund der nun als vermisst geltenden jungen Frau bekam, entschied er sich, nun unter Zeitdruck, auf den Ziegelplatz zu gehen und dort den 23-jährigen Freund seiner Nichte unter einem Vorwand auf die Straße zu locken.

Viermal auf den jungen Mann geschossen

Nach einem kurzen Gespräch habe der Angeklagte seine Pistole gezogen, um ihm aus nächster Nähe zweimal in den Oberkörper zu schießen. Als der schwer Verletzte noch flüchten konnte, setzte der Angeklagte ihm, laut Anklage, nach, schoss erneut und schoss ihm dann ein viertes Mal in den Rücken und ging danach offenbar direkt nach Hause.

Dort warteten bereits Polizeibeamte auf den Angeklagten, der sich widerstandslos festnehmen ließ und darauf aufmerksam machte, dass er bewaffnet sei. Seit dem 22. Dezember 2022 sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft.

Zahlreiche Polizeibeamte vernommen

Am Donnerstag wurden bereits sieben Zeugen, allesamt Polizeibeamte, vernommen. Dabei wurden mit zahlreichen Lichtbildern auch die Wohnungen des Angeklagten sowie der jungen Frau gezeigt sowie dargestellt, wie in aufwändiger Detailarbeit sowie mit der „Luminol-Methode“ zahlreiche Blutspuren in beiden Wohnungen gefunden werden konnten. Zudem wurden Messer, Putzutensilien, zerschnittene Kabelbinder und Klebeband mit anhaftenden Haaren gefunden.

Am Freitag, 22. September, beginnt der zweite Verhandlungstag vor dem Landgericht in Hechingen um 9 Uhr. Insgesamt sind acht Verhandlungstage angesetzt.

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