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Balingen

Weg vom Wegwerfprodukt: Bei der Fairen Woche steht in Balingen das Thema Kleidung im Fokus

06.09.2019

Von Lydia Wania-Dreher

Weg vom Wegwerfprodukt: Bei der Fairen Woche steht in Balingen das Thema Kleidung im Fokus

© Lydia Wania-Dreher

Cornelia Horn und Bernhard Schädle-Horn vom Balinger Weltladen zeigen das Aktionsschaufenster zu Fairen Woche.

Seit mehreren Jahren beteiligt sich Balingen an der Fairen Woche. Die Aktion steht 2019 bundesweit unter dem Motto Geschlechtergerechtigkeit. Die Steuerungsgruppe Fairtrade Stadt greift dazu das Thema Kleidung heraus.

Im Durchschnitt kaufen wir 60 Kleidungsstücke im Jahr. Diese tragen wir genau vier Mal. Zahlen einer Greenpace-Studie, die erschrecken. T-Shirt, Pullover und Co. werden immer mehr zu Wegwerfprodukten.

Diese sogenannte Fast Fashion hat weitreichende Folgen. Auf diese möchte die Steuerungsgruppe der Fairtrade Stadt Balingen zwischen dem 13. und 27. September im Rahmen der Fairen Woche besonders aufmerksam machen.

Die Situation in Balingen

„Das Thema ist noch aktueller, seit es in Balingen einen Kik gibt“, sagt Cornelia Horn von der Steuerungsgruppe. Sie traut sich dieses heikle Thema beim Namen zu nennen. Ihr und ihrem Mann Bernhard Schädle-Horn, der sich ebenfalls im Weltladen engagiert, ist bewusst, dass der große Konzern MEC METRO-ECE Centermanagement, der das City-Center betreut, Gewinnmaximierung verfolgt. Daher andere Interessen hat und natürlich die Räume an jeden vermieten kann, den er will.

„Ich finde aber, dass man als Faire-Trade-Stadt mehr tun könnte“, sagt Schädle-Horn. Er hätte sich in Sachen Kik ein Statement von der Stadtverwaltung gewünscht.

Bei Kleidung besteht noch Nachholbedarf

Seit über sieben Jahren trägt Balingen den Titel Faire-Trade-Stadt. In dieser Zeit hat sich viel getan. Aber gerade in Sachen fair gehandelter Kleidung besteht in Balingen noch Nachholbedarf.

„In anderen Faire-Trade-Städten ist zum Beispiel auch die Berufskleidung oder auch die Kleidung der Feuerwehr fair gehandelt“, weiß Cornelia Horn. Fairer Handel sei mehr als Kaffee und Schokolade.

Die Ehrenamtlichen wünschen sich auch, dass das Thema fair gehandelte Kleidung mehr von den Balinger Einzelhändlern aufgegriffen wird und wenigstens einige Teile ins Sortiment aufgenommen werden.

„Viele Kunden beklagen sich bei uns, dass es in Balingen schwierig ist, fair gehandelte Kleidung zu bekommen“, sagt Bernhard Schädle-Horn. Der Weltladen könne dieses Sortiment nicht abdecken. Viel mehr Lager- und Verkaufsfläche wäre nötig.

Informationen rund um das Thema

Dennoch nehmen sich die Ehrenamtlichen des Weltladens immer wieder dem Thema an und wollen dafür sensibilisieren. So gibt es immer wieder Aktionsstände mit fair gehandelter Kleidung. Zuletzt von Comazo, zur Fairen Woche mit der Marke 3Freunde.

Zudem gibt es im Balinger Weltladen in der Neue Straße 39 im Aktionszeitraum zahlreiche Informationen rund um das Thema fair gehandelte Kleidung. So kann man zum Beispiel in einem Handbuch schauen, welche Marke, wie fair ist und was die einzelnen Siegel bedeuten.

Außerdem wollen die Verantwortlichen daran erinnern, dass man viel reparieren oder neu verwenden kann. Sie verschenken daher während der Fairen Woche kleine Nähsets.

Die Arbeitsbedingungen der Näherinnen

„Die wahren Kosten für unsere Kleidung zahlen andere“, sagt Cornelia Horn. Das sind zum einen die Näherinnen in Fernost – der Frauenanteil liegt bei 85 Prozent. Sie arbeiten meist für einen Hungerlohn unter katastrophalen Bedingungen. Bei Krankheit oder Schwangerschaft werden sie oft einfach entlassen.

Würde man ihnen das Doppelte zahlen, wäre eine Hose bei uns nur um etwa zwei Euro teurer, schätzt Schädle-Horn. Für die Konsumenten in Deutschland kaum spürbar, für die Näherinnen in Bangladesch gravierend.

Doch nicht nur die Herstellung von Kleidung sollte kritisch betrachtet werden, sondern auch das was passiert nach ihrem kurzen Zwischenstopp in unserem Kleiderschrank.

Es tut sich was

„In Afrika wird der Markt mit unseren alten Kleidern überschwemmt“, weiß Schädle-Horn. Sie würden ballenweise für kleines Geld auf dem Markt verkauft werden. Die heimische Textilwirtschaft hat dagegen keine Chance.

Trotz all dieser Fakten sind die Ehrenamtlichen zuversichtlich. In den vergangenen Jahren habe sich einiges in Sachen fair gehandelter Kleidung getan und auch Jüngere würden sich immer mehr mit dem Thema auseinandersetzen.

Veranstaltungen zur Fairen Woche

Am Montag, 16. September, und am Mittwoch, 18. September, wird jeweils um 19 Uhr der Film „the true cost – der Preis der Mode“ im Bali Kino gezeigt. Er zeigt eindrucksvoll, welchen Weg Kleidung macht, bevor sie ins Geschäft kommt.

Am Mittwoch wird Miriam Hitzelberger vom Dachverband entwicklungspolitischer Aktionsgruppen Baden-Württemberg nach dem Film aktuelle Informationen zur Situation in Bangladesch geben und Fragen beantworten.

Am Samstag, 21. September, gibt es im Bioladen b2 faire Kleidung zu kaufen. Um 13.30 Uhr findet dort eine Faire Fashion Show vom Kaufhaus Schramm in Jungingen statt.

Zwischen dem 13. und 29. September wird außerdem in der Balinger Zehntscheuer die Ausstellung „Bangladesch FairStehen“ mit Bildern des Fotograf Christof Krackhardt gezeigt. Dazu gibt es ein vielfältiges Begleitprogramm mit Führungen, einer Diskussionsrunde und einem Konzert.

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