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Balingen

Video statt Wortmeldung: Ideen für Balinger Stadtentwicklung gibt‘s jetzt im Internet zu sehen

28.07.2020

Von Nicole Leukhardt

Video statt Wortmeldung: Ideen für Balinger Stadtentwicklung gibt‘s jetzt im Internet zu sehen

© Georg Wilkens

Balingen aus der Vogelperspektive: Per Mausklick können Balinger künftig die geplante Entwicklung einzelner Quartiere verfolgen.

Wie soll sich Balingen weiterentwickeln, welches Quartier wird sich zur Gartenschau aber auch darüber hinaus verändern? Die Balinger haben seit wenigen Tagen die Möglichkeit, sich Videos zu den einzelnen Ideen der Verwaltung auf balingen.de anzusehen. Den Gemeinderäten wurde das neue Konzept am Dienstagabend noch einmal vorgestellt. Auch die Zukunft des Schlachthofs war ein Thema am Rande.

Die Corona-Pandemie hat sich wie ein Beschleuniger auf die Digitalisierungsbemühungen allerorten ausgewirkt. So entstand aufgrund der Covid-19-Situation für die Bürger ein neues, digitales Beteiligungsformat zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept (kurz ISEK). Die ursprünglich geplante öffentliche Informationsveranstaltung wird nicht stattfinden.

„Seit dem 15. Juli sind über die Homepage Videos abrufbar, in denen unter anderem die einzelnen Schwerpunkte anhand von Plänen anschaulich erläutert und erklärt werden“, ging aus der Vorlage hervor, mit der sich die Gemeinderäte am Dienstagabend befassten.

Die Entwicklung der einzelnen Balinger Quartiere ist nun also per Mausklick erlebbar. „Einige haben sich die Videos bereits angesehen“, freute sich Oberbürgermeister Helmut Reitemann in der Sitzung.

Wie sieht Balingen in der nächsten Dekade aus?

Und das nicht nur bis zur Gartenschau, die zunächst eine Zäsur für die innerstädtische Entwicklung bedeutet. „Das integrierte Stadtentwicklungskonzept Balingen 2035 ist ein räumlich-strategisches Handlungskonzept für die Kernstadt, das die Bedingungen, Ziele und Maßnahmen der künftigen Stadtentwicklung für den Zeitraum von etwa 15 bis 20 Jahren aufzeigt“, heißt es.

Dieses sei notwendig, wenn die Stadt städtebauliche Förderung beantrage. Eine, die mit dem ISEK-Prozess bestens vertraut ist, ist Gudrun Neubauer vom beauftragen Büro Pesch Partner Architekten und Stadtplaner aus Stuttgart. Das Büro hat den Prozess für die Kernstadt seit 2017 begleitet.

Die Fachleute freuen sich über den Rücklauf

Denn ISEK ist in Balingen kein neues Schlagwort, es wurden bereits mehrere umfangreiche Beteiligungsverfahren durchgeführt. „Es sind 2400 Postkarten zurückgekommen“, freute sich Gudrun Neubauer. Das Gesamtergebnis der Auswertung füllt vier Bände und füllte auch die Ratssitzung am Dienstag, bei der das Werk der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Im September 2020 soll das ISEK durch den Gemeinderat verabschiedet werden.

Neun Entwicklungsschwerpunkte und 14 Zukunftsprojekte haben sich herauskristallisiert. In Band eins, dem sogenannten „Stadtcheck“, gehen die Fachleute auf Anlass und Ziele des ISEK Balingen 2035 ein und analysieren Balingen in städtebaulicher Hinsicht. Die Bestandsaufnahme zeigt den Istzustand der Kernstadt. Zukunftsgerichteter ist der zweite Band, der sich den acht gesamtstädtischen Zielen widmet und aus ihnen 14 räumliche Zukunftsprojekte ableitet.

ISEK geht noch von Schlachthofschließung aus...

Ein modernes Fachärztezentrum in der räumlichen Nähe zum Bahnhof ist dort ebenso auf der Wunschliste zu finden wie naturnahe Erlebnisräume oder das Bestreben, die Nahversorgungssituation in der Innenstadt zu verbessern. Und während Landwirte und Schlachthofbetreiber gemeinsam noch um die Weiterführung der Einrichtung ringen, scheint der ISEK-Prozess an diesem Standort bereits andere Pläne definiert zu haben. So ist die Rede vom „Innovationsstandort Hindenburgstraße“, der „Entwicklungschancen für die Ansiedlung neuer Unternehmen auf dem Gelände des 2022 stillgelegten Schlachthofs“ biete. „Moderne, junge Branchen“, sah Gudrun Neubauer in ihrem Vortrag dort angesiedelt.

Nur ein Gelände von vielen

„Der Schlachthof ist nur ein Aspekt“, relativierte Bauderzernent Michael Wagner die Aussagen des Konzepts auf Rückfrage einiger Räte zum derzeit viel diskutierten Schachthof. In der Ecke Hindenburgstraße gebe es schließlich auch das Gelände des ehemaligen Boschdienstes und der oberhalb liegende Parkplatz, für die man neue Ideen entwickeln könne.

Der dritte Band, das „Handlungsprogramm Kernstadt“ fokussiert sich auf die neun Entwicklungsschwerpunkte und stellt das Handlungsprogramm mit den hier formulierten Zukunftsprojekten und Maßnahmen vor, so zum Beispiel die Entwicklung des Bahnhofsareals zum Mobilitätsknotenpunkt oder die Neugestaltung der Stadteingänge. Band vier schließlich dokumentiert die unterschiedlichen Beteiligungsformate, bei denen Bürgern aktiv ihre Ideen und Anregungen einbringen konnten.

Kein dogmatisches Muss

Und eben jene Bürgerbeteiligung und vor allem auch die auf das Balinger Bedürfnis zugeschnittene Umsetzung des Konzepts brannte den Räten unter den Nägeln. Dr. Ingrid Helber (FDP), der inhaltliche Fehler zu historischen Angaben in dem umfangreichen Schriftstück ein Dorn im Auge waren, mahnte, sich nicht zu dogmatisch an den Leitfaden zu halten, da sich die Stadt sonst einschränke, zumal ihm „die Substanz fehlt“. Auch Ulrich Teufel (SPD) betonte, dass ISEK nur eine Anregung sein könne, „wir machen Teile davon verbindlich oder eben nicht“.

Mit einer Gegenstimme wurde beschlossen, den Entwurf auf der Homepage der Stadt zu veröffentlichen.

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