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Albstadt

Taekwondo ist ein Privileg: Beim ASV Ebingen hat die Kampfkunst eine lange Tradition

31.05.2019

von Jennifer Dillmann

Taekwondo ist ein Privileg: Beim ASV Ebingen hat die Kampfkunst eine lange Tradition

© Jennifer Dillmann

Die Taekwondoka des ASV Ebingen; Seit 1972 wird die asiatische Kampfkunst auf der Alb unterrichtet.

Der ZAK stellt in den kommenden Monaten die unterschiedlichsten Kampfkünste, die im Zollernalbkreis von Vereinen angeboten werden, vor. Den Auftakt machen die Taekwondoka des ASV Ebingen.

Sportliche und geistige Disziplin untermauert von einem Ehrenkodex? Brutalität gepaart mit Draufgängertum? Die einen lieben Kampfsport, die anderen verachten ihn. Kampfsport in all seinen Facetten ist in Deutschland ein gleichermaßen kontroverses wie zunehmend beliebtes Thema.

Wir stelle unterschiedlichste Kampfkünste vor

In den kommenden Monaten stellt der ZOLLERN-ALB-KURIER die unterschiedlichsten Kampfkünste im Zollernalbkreis vor. Den Auftakt machen die Taekwondoka des ASV Ebingen.

Der eigene Körper wurde zur Waffe

Es war einmal ein Korea, das in drei Teile gespalten war. Das kleinste Volk lebte friedlich. Es hatte keine Waffen, sondern nutzte den eigenen Körper. Die zwei größeren Völker beschlossen, das kleinste anzugreifen. Dieses erfuhr von dem Angriff und bereitete sich zur Selbstverteidigung vor. Sie legten all ihr Vertrauen in ihren Körper und nannten sich Varanenkrieger.

Kampfkunst auf der Alb

Soweit die Legende, die die Kinder in ihrer ersten Taekwondostunde über ihre Vorläufer erfahren. „Tatsächlich stammt das Taekwondo aus Korea als ursprüngliche Selbstverteidigung“, erklärt Vanessa Singer, Leiterin der Taekwondo-Abteilung des ASV.

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Impressionen aus dem Training der Taekwondo-Abteilung des ASV Ebingen.

© Jennifer Dillmann

Impressionen aus dem Training der Taekwondo-Abteilung des ASV Ebingen.

© Jennifer Dillmann

Impressionen aus dem Training der Taekwondo-Abteilung des ASV Ebingen.

© Jennifer Dillmann

Impressionen aus dem Training der Taekwondo-Abteilung des ASV Ebingen.

© Jennifer Dillmann

Impressionen aus dem Training der Taekwondo-Abteilung des ASV Ebingen.

© Jennifer Dillmann

„Auch die Varanenkämpfer tauchen offiziell auf. Sie kämpften die ursprüngliche Militärform des Varando, um sich neben den Großmächten behaupten zu können.“ Im Jahr 1972 erreichte die asiatische Kampfkunst mit Ebingen die schwäbische Alb.

Taekwondo heißt übersetzt Fuß-Faust-Kopf

Der Begriff Taekwondo lässt sich auf gegliedert mit Fuß (Tae) - Faust (Kwon) - Kopf (Do) übersetzen. Treffend formuliert Trainerin Chariklia Iosifidou: „Taekwondo ist für alle, die bereit sind, etwas für ihren Körper und ihren Geist zu tun.“

Die Kämpfer sind höflich und sauber

Im ASV wird das „Do“ mit der H-Regelung erfüllt, die sich aus Hilfsbereitschaft, Höflichkeit und Hygiene zusammensetzt. „Zu den grundlegenden Verhaltensregeln gehören das Verbeugen vor dem Eintritt in die Halle und voreinander“, führt Singer aus, „Aufgrund des Körperkontakts beim Training sollte man sauber und gepflegt erscheinen.“

Aus Streichen anderen gegenüber wurde Respekt

All diese Verhaltensregeln dienen dazu, den Sportlern Respekt beizubringen. Iosifidou bekennt: „Ich habe früher Streiche gespielt, in denen ich alte Menschen tatsächlich habe hinfallen lassen. Durch Taekwondo habe ich Respekt gegenüber Mitmenschen gelernt. Inzwischen helfe ich ihnen, ihre Pflanzen zu gießen.“

Chariklia Iosifidou trainiert seit 16 Jahren

Iosifidou trainiert seit über 16 Jahren und ist seit sechs Jahren als Trainerin aktiv. Zur Kampfdisziplin ist sie durch die damalige Taekwondo AG in Onstmettingen gekommen. Momentan absolviert die 28-Jährige ihr Referendariat in Ebingen.

Offener durch den Sport

Auch die Albstädterin Singer hat durch das Taekwondo eine Entwicklung durchgemacht. Nachdem sie mit typischen Mädchensportarten aufgewachsen ist, war der Kampfsport eine komplett neue Welt. „Früher war ich zurückhaltender und schüchtern. Durch das Taekwondo bin ich offener geworden.“

Wer den Weg geht, darf Reife und Wachstum erfahren

Die zwei Frauen sind sich einig: „Taekwondo ist ein Privileg. Wer das nicht zu schätzen weiß, wird nicht unterrichtet.“ Wer sich auf den Weg aber einlässt, darf Reife und Wachstum erfahren. „Du musst dich selbst immer wieder an deine Grenzen bringen. Das ist der einzige Weg, über den du besser werden kannst“, so Singer.

Der weiße Stoff symbolisiert die koreanische Kultur

Als Bindeglied zwischen Geist und Körper dient der Trainingsanzug. Der weiße Stoff hüllt die Kämpfenden in die Traditionen der koreanischen Kultur. Das Training ist ganzheitlich.

Begonnen wird mit der Aufstellung, in der die Trainingsgemeinschaft in Dreierreihen über den höchsten bis zum niedrigsten Gurt aufgestellt ist. Daraufhin folgt das Aufwärmen. Der Hauptteil setzt sich aus zwei der fünf Taekwondo-Disziplinen zusammen. Dabei wird einer Ausdauereinheit, eine Einheit mit Kraft und Technik gegenübergestellt.

Manche Übungen können zum Zittern vor Schmerz führen

Intensiv ist die Extremdehnung bis hin zum Zittern vor Schmerz, bevor sie sich zum Schluss wieder in der Aufstellung einfinden. Taekwondo setzt seinen Schwerpunkt in die Kicks, wodurch Beweglichkeit von Vorteil ist. Die Fäuste sind Nebensache.

Fünf Säulen mit Bedeutung

Getragen wird die Kampfkunst von den fünf Säulen: Poomsae (Formenlauf), Kyorugi (Wettkampf), Il-Bo-Taryeon (1-Schritt-Kampf), Hosinsul (Selbstverteidigung) und Kyok-Pa (Pratzen/Bruchtest). Poomsae und Kyorugi werden in Wettkämpfen praktiziert. Kyorugi ist seit dem Jahr 2000 eine olympische Disziplin. Jede der Säulen trägt ihren Teil dazu bei, um einen formvollendeten Krieger hervorzubringen.

Die Ästhetik spielt eine tragende Rolle

Poomsae ist der Formenlauf gegen vier unsichtbare Gegner. Die Techniken werden von Grund auf aufgebaut – vom Weißgurt mit banalen Techniken bis zur Meisterform des höchsten Schwarzgurts – und stehen in Verbindung zur buddhistischen Lehre. Die Bewertung ist abhängig von der Ästhetik, sauberen Ausführung, der Endpunktspannung sowie der Präzision.

Der Sport ist nichts für zimperliche Gemüter

Kyorugi ist als Vollkontakt-Wettkampf nichts für zimperliche Gemüter. Die Kämpfenden tragen mittlerweile elektronische Westen und Helme, die die Punkte zählen. Damit werden Punkterichter eingespart. Gewonnen hat nach zwei mal zwei Minuten, wer mindestens zwanzig Punkte mehr erreicht oder bei seinem Gegenüber ein K.O. bewirkt hat.

Frauen sind meist rücksichtsvoller als Männer

Dabei seien Frauen meistens rücksichtsvoller als Männer, so die Erfahrung von Singer und Iosifidou. „Wenn eine Frau klar überlegen ist, wird sie ihrer Gegnerin nicht die Nase brechen, sondern ihr Gelegenheit bieten, Erfahrungen zu sammeln“, berichten sie, „Männer zielen eher auf ein K.O.“

Der ASV gibt Tipps für den Ernstfall auf der Straße

Der 1-Schritt-Kampf „Il-Bo-Taryeon“ beinhaltet Präzisionsübungen, die die Beherrschung des Körpers fordern. Hosinsul, also die Selbstverteidigung, ist in Prüfungen auf gleichgestellte Gegner ausgelegt. In Kursen gibt der ASV für Ernstfälle auf der Straße zusätzliche Tipps, wie beispielsweise nach Hilfe zu rufen.

Die Mitglieder lernen, mit dem Schmerz umzugehen

Kyok-Pa bezeichnet den eindrucksvollen Bruchtest, bei dem die Kampfkünstler Bretter mit der Hand brechen. Je nach Alter hat das Fichtenholz eine Stärke von 1,5 bis 2,5 Zentimetern. Taekwondo zeigt sich als fordernder Kampfsport. „Schläge einzustecken tut weh“, erläutert Singer, „Man kann aber lernen, mit Schmerz umzugehen, denn er ist sehr subjektiv. Wer Schmerz nicht kennt, kann sich nicht sinnvoll verteidigen.“

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