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Balingen

Palmer beim Unternehmertreff in Balingen: Was man von Tübingen lernen kann

17.05.2019

Von Jasmin Alber

Palmer beim Unternehmertreff in Balingen: Was man von Tübingen lernen kann

© Jasmin Alber

Gastredner Boris Palmer (Zweiter von rechts) stellte sich mit (von links) Balingens Oberbürgermeister Helmut Reitemann, Dr. Ulrich Köppen und Christine Wolf (beide BVMW) – flankiert von Ralf und Thomas Ströbele, Geschäftsführer der Firma Your IT – zum Gruppenbild auf.

Rund um das Thema Digitalisierung drehte sich der Unternehmertreff, der am Donnerstagabend in Engstlatt stattgefunden hat. Rund 50 Gäste waren dabei und diskutierten kontrovers mit Gastredner Boris Palmer.

Die Firma Your IT ist Anfang April von Hechingen ins Engstlatter Gewerbegebiet Grund gezogen. Noch kurz vor dem offiziellen Eröffnungswochenende mit einem Tag der offenen Tür am heutigen Samstag fand dort am Donnerstagabend der Unternehmertreff auf Initiative des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) statt. Mit einem besonderen Gast in den neuen Räumen des Systemhauses: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer sprach über das Thema Digitalisierung.

Digitalisierung bedeutet mehr als Breitbandanschluss

Hinter dem Begriff Digitalisierung steht nicht allein der Datenanschluss, beispielsweise mit einer guten Breitbandinfrastruktur, sondern viel mehr. Mit dieser Feststellung begann der Gastredner – der übrigens stilecht mit der Bahn angereist ist – seinen kurzen Vortrag.

Bissige Anspielung gegen Zollernstadt

Einen Seitenhieb gegen Hechingen konnte er sich nicht verkneifen: Obwohl wirtschaftlich seines Wissens „nicht extrem gut aufgestellt“, habe man dem wachsenden Mittelständler Your IT keine passenden Grundstücke angeboten, sodass das Unternehmen nach Balingen umgezogen ist.

Daran anknüpfend berichtete das Tübinger Stadtoberhaupt darüber, was in seiner Stadt gemacht wurde, um Unternehmen zu halten. Aber auch, was man aus negativen Vorfällen gelernt hat. Denn auch in der Universitätsstadt wollte einst eine Firma ansiedeln, „die wir dann bis nach Rottenburg vertrieben haben“.

Digitaler Fortschritt in öffentlicher Verwaltung läuft zäh

Kritisch äußerte er sich in der anschließenden Fragerunde – hier ging es zwischendurch auch um Verkehrs- und Immobilienthemen – darüber, dass die „digitale Revolution in der öffentlichen Verwaltung noch in weiter Ferne ist“. Beispielhaft nannte er, dass es aufgrund gesetzlicher Vorschriften noch immer nicht möglich sei, einen Kita-Platz digital anzumelden.

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Christine Wolf, Beauftragte des Bundesverband mittelständische Wirtschaft, begrüßte die Gäste des Unternehmertreffs.

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In seinem Impulsvortrag gab Thomas Ströbele, Geschäftsführer der Firma Your IT, EInblicke, wie Digitalisierung im eigenen Systemhaus aussieht.

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Gemeinsam mit seinem Bruder und Mit-Geschäftsführer Ralf Ströbele erläuterte er den Projektablauf im Systemhaus.

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Boris Palmer sprach er zum, dann mit dem Publikum über das Thema Digitalisierung – noch noch vieles mehr.

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Ein positiver erster Schritt sei aber die Bürger-App, ein Pilotprojekt der Bürgerbeteiligung in Tübingen. „Ich finde, wir müssen moderner werden und in den Köpfen ein paar Schalter umlegen“, lautete sein Fazit, ehe er wieder zum Engstlatter Bahnhof musste, um seinen Zug gen Tübingen zu erreichen.

Wie sieht Digitalisierung in der Regionalstadtbahn aus?

Apropos Zug: Eine Zuhörerin fasste nach, wie es denn mit der Digitalisierung in der Regionalstadtbahn aussehen werde. Er wisse, dass nicht einmal ein Telefonat auf der Bahnstrecke Tübingen-Stuttgart möglich sei. Eine Lösung dafür zu finden, seien allerdings Landes- bzw. Bundesthemen, so Palmer.

Finanzierung: Nur mit Fördermitteln!

Ein spannendes Thema für den Mittelstand bei der Digitalisierung ist die Frage: Wie finanzieren wir das? Wie wichtig hierbei Fördermittel sind, zeigte sich im Impulsvortrag von Thomas Ströbele, Geschäftsführer der Firma Your IT. Sie nicht zu nutzen bedeute, sie zu verschenken. Viele Mittelständler wissen aber seiner Erfahrung zufolge nicht, dass es für die verschiedensten Digitalisierungsprojekte Förderungen gibt. Hier setzt die Arbeit des Systemhauses an. Sie beraten die Kunden hinsichtlich der Möglichkeiten und sind für mehrere Programme akkreditiert.

Auf Nachfrage aus dem Publikum informierte er, dass Unternehmer mit rund 25.000 Euro Förderung für ein Digitalisierungsprojekt rechnen können. Anhand der umgesetzten Projekte im eigenen Haus gab er den rund 50 Gästen des Unternehmertreffs anschauliche Einblicke in Praxisbeispiele.

Weitere Projekte auf Basis der passenden Infrastruktur umsetzen

Einer der Gründe, wieso sich das Unternehmen für den Standort im Gewerbegebiet Grund entschieden habe, sei der Zugang zum Glasfasernetz gewesen, betonte Ströbele. Eine gute Anbindung daran reiche aber nicht zur Digitalisierung. Viele weitere Projekte müssten auf Basis der Infrastruktur umgesetzt werden.

Balingens Oberbürgermeister Helmut Reitemann brachte es, anknüpfend an Palmers Aussage, auf den Punkt: „Mit Glasfaser allein kann man nicht digitalisieren, aber ohne ist alles nichts.“ Er begrüßte abschließend das Unternehmen in Balingen und überreichte ein Präsent der Stadt.

Erstes Amt mit Digitalisierungsamt

Wie gut es in der Landkreisverwaltung in Sachen Digitalisierung steht, darüber informierte Karl Wolf, Dezernent beim Landratsamt. Als erste kommunale Einrichtung habe man vor einigen Monaten ein Digitalisierungsamt eingeführt. Gemeinsam mit einem regionalen Partner, der sich im Übrigen in der europaweiten Ausschreibung gegen die Mitbewerber durchgesetzt habe, werde sichergestellt, dass die Wertschöpfung – also das Geld – in der Region bleibt.

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