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Obernheim

Nach dem Abriss der alten Textilfabrik widmet sich Obernheim dem schnellen Internet

04.06.2019

Von Volker Schweizer

Nach dem Abriss der alten Textilfabrik widmet sich Obernheim dem schnellen Internet

© Volker Schweizer

Der Bagger hat ganze Arbeit geleistet, die alte Textilfabrik ist Geschichte. Nun möchte sich Obernheim dem Backboneausbau widmen.

Obernheim will zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Weil ums Rathaus ohnehin schon gebaggert wird, möchte die Gemeinde Leerrohre für das Backbone-Netz verlegen.

Die alte Textilfabrik in der Ortsdurchfahrt ist mittlerweile abgebrochen. Nun geht es an die Neugestaltung der freigewordenen Fläche. Vorgesehen ist unter anderem eine Ladestation für Elektroautos. Die Netze-BW legt dafür ein Erdkabel vom Stromverteiler in der Brunnenstraße bis zum Rathaus und zum Pfarrhaus.

Parallel will die Gemeinde erste Abschnitte des Backbonenetzwerks unter die Erde bringen. Backbone ist das zentrale Glasfaserkabel und Voraussetzung dafür, mit hohen Geschwindigkeiten durchs Netz surfen zu können.

Netze-BW verlegt Erdkabel

Den Auftrag für die Backboneplanung und den FTTB-Ausbau hat die Firma RBS Wave erhalten. FTTB (Fibre-to-the-Building) steht für Glasfaser bis zum Gebäude. Im Rahmen der Mitverlegung ist vorgesehen, zunächst nur sämtliche Leerrohre für die Leitungen zum Hauptverteiler im Erdgeschoss des Rathauses zu ziehen.

Laut Erwin Hauser vom Ingenieurbüro TI-Teleplan in Sulz, der in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates anwesend war, handelt es sich dabei um einen Microrohrverband, der aus vier gebündelten PE-Röhrchen besteht, in die später jeweils ein Glasfaserkabel eingeblasen wird: Im ersten Schritt könnte Obernheim damit den FTTC-Ausbau – Glasfaser bis zum Bordstein – ermöglichen.

Ein wichtiger erster Schritt

Bürgermeister Josef Ungermann machte sich mit Blick auf die Großbaustelle für die Mitverlegung stark. „So bekommen wir das schnelle Internet auf kommunaler Strecke in den Ort“, argumentierte er. Wenn die Gemeinde jetzt nicht handle, sei sie auf den Ausbau durch die Telekom angewiesen.

FTTB-Ausbau ist unrealistisch

Den FTTB-Ausbau hielt er in den nächsten 20 Jahren für unrealistisch: „Das wäre ein Aufwand von über fünf Millionen Euro – das ist utopisch für uns“. Mit dem FTTC-Ausbau wäre ein wichtiger erster Schritt getan. Bürger und Unternehmen könnten dann in einigen Bereichen selbst investieren, um sich Glasfaseranschluss legen zu lassen.

Schon viel Geld bezahlt

Jürgen Moser wies darauf hin, dass auf der anderen Straßenseite der Brunnenstraße die Leitung der Telekom liege, wofür Obernheim viel Geld bezahlt habe. Sein Kollege Johannes Huber rechtfertigte die Investition, weil sich dadurch Unternehmen angesiedelt hätten. Die hohe Ausgabe von damals dürfe die Gemeinde Obernheim nicht hindern, weitere Schritte in der Breitbandversorgung zu tun.

Nie selber kündigen

Andrea Gobbo und Julia Biesinger vom Landratsamt betonten, dass die Kommune ebenso wie ein Netzbetreiber es ermöglichen müsse, dass andere Anbieter das Glasfasernetzwerk der Gemeinde nutzen. Grundsätzlich habe so jeder Netzbetreiber das Recht, die zu bauende kommunale Netzwerkstruktur zu marktüblichen Preisen zu nutzen und darüber seine Kunden zu versorgen. Laut Gobbo hat die Firma Zollernalb Data, die ihren Sitz in Balingen hat, die europaweite Ausschreibung für den Zollernalbkreis gewonnen. Sie empfahl den Bürgern, den Vertrag mit diesem kommunalen Netzbetreiber abzuschließen, da die Gemeinde von den Pachtrückflüssen profitiere. Privatleute sollten Verträge aber nie selber kündigen.

Von der Politik im Stich gelassen

Bürgermeister Josef Ungermann hielt mit seiner Verärgerung über die nur mäßige finanzielle Förderung nicht hinterm Berg. Er fühle sich von der Politik alleine gelassen. In Großstädte würden Milliarden fließen. Wieder einmal sei der ländliche Bereich der große Verlierer.

Kosten liegen bei rund 55.000 Euro

Die Kosten belaufen sich auf rund 55.000 Euro für den ersten Bauabschnitt. Dafür gibt es 45 Euro pro Laufmeter für die Mitverlegung des Backbone. Allerdings nur für den Bereich, in dem aktuell die Mindestversorgungsschwelle von 30 Mbit/s unterschritten ist. Insgesamt macht das 12.375 Euro. Im Haushalt stehen 30.000 Euro zur Verfügung. Ob die Gemeinde einen Zuschussantrag stellt, entscheidet sich in der nächsten Sitzung.

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