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Handball

HBW startet in die (Rest-)Rückrunde: Jens Bürkle und Wolfgang Strobel im großen Interview

31.01.2020

Von Marcus Arndt

HBW startet in die (Rest-)Rückrunde: Jens Bürkle und Wolfgang Strobel im großen Interview

© Moschkon

Jens Bürkle (links) und Wolfgang Strobel blicken voraus auf die (Rest-)Rückrunde.

Jens Bürkle und Wolfgang Strobel, die Architekten des HBW-Erfolgs, blicken auf eine erfolgreiche Rückkehr in die Handball-Bundesliga zurück. Mit einer klug verstärkten Aufstiegsmannschaft reihen sich die Kreisstädter im gesicherten Tabellenmittelfeld ein. Und dennoch erwarten Trainer und Manager eine schwere (Rest-)Rückrunde in einer „verrückten Liga“.

In Berlin geht der Balinger Bundesligist am Sonntagnachmittag auf die Platte – das Spiel eins nach der EM-Pause und einer starken Rückkehr in die Beletage des deutschen Handballs. 14 Begegnungen sind noch bis Mitte Mai zu absolvieren – die Verantwortlichen haben klare Erwartungen an die Mannschaft und planen bereits die Zukunft der „Gallier“.

Herr Strobel, wie bewerten Sie das Auftreten der „Gallier“ in den vergangenen Wochen und Monaten?

Wolfgang Strobel: 15 Punkte hätte vor dem Saisonstart wahrscheinlich jeder genommen – und wir sind auch zufrieden, wohl wissend, dass wir den einen oder anderen Zähler liegen gelassen haben. Natürlich haben wir die beiden Ausreißer – gegen Melsungen und Berlin –, aber die gab es auch in die andere Richtung. Wenn man es gesamt betrachtet, können wir uns mit der Hinrunde und auch dem Start in die zweite Halbserie zufriedengeben. Auffällig ist aus meiner Sicht, dass wir in allen Heimspielen, unabhängig vom Gegner, eine Siegchance hatten. Extrem wichtig war, dass die Entwicklung nach dem Aufstiegsjahr fortgesetzt wurde und sich die Mannschaft sehr gut präsentiert. Es sollte so weitergehen, wohl wissend, dass wir schon sehr viele Heimspiele gegen Teams aus dem unteren Tabellendrittel hatten.

Dennoch ist die Entwicklung positiv . . .

Strobel: Natürlich! Dass die Mannschaft so weiter zieht, ist überragend. Ebenso die Entwicklungen von den Spielern, welche in der zweiten Liga sehr gut performt haben, welche sich in der ersten Liga fortsetzt. Das Wir-Gefühl, das nach dem Aufstieg entstanden ist, haben wir weitergetragen. Das gibt uns auch eine gewisse Sicherheit in schwierigen Situationen.

Wie sieht der Trainer die vergangenen Monate im Oberhaus? Es gab auch andere Momente . . .

Jens Bürkle: Die drei Niederlagen mit einem Tor Differenz haben mich schon geärgert. So etwas kann schnell auch ins Negative kippen, weil wir in diesen Spielen sportlich extrem gut performt haben. Aber wir haben den Turnaround geschafft. Das Spiel gegen Leipzig zum Jahresende war wieder so eine enge Kiste, gerade nach den Niederlagen in Kiel und Flensburg sowie gegen Hannover. Auch nach dieser Negativserie hat die Mannschaft geliefert und wir haben das Spiel gegen die Sachsen gezogen. Aber die Pleiten im Dezember hätte ich nicht gebraucht. Diese Art der Deutlichkeit hat mich schon geärgert. Wir müssen schauen, dass wir da näher herankommen. Zu Hause haben wir es immer geschafft, die Spiele unabhängig vom Gegner eng zu gestalten. Das wird auch für den weiteren Saisonverlauf sehr, sehr wichtig sein. Unser Bestreben muss sein, in die Nähe von Punkten zu kommen. Egal wie der Gegner heißt. Nur so werden wir unsere Punkteausbeute optimieren können.

Ihre Mannschaft akklimatisierte sich nach dem Wiederaufstieg überraschend schnell in Liga eins, holte satte 15 Pluspunkte in 20 Spielen. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die (Rest-)Rückrunde?

Bürkle: Ich erwarte, dass wir an den Schwächen, welche wir phasenweise gezeigt haben, arbeiten – und dass wir unsere gute Arbeitseinstellung aufrecht erhalten. Wir haben viele Dinge sehr, sehr gut gemacht. Unseren Stärken sollten wir uns bewusst geworden sein – und diese wollen wir auch im weiteren Saisonverlauf auf die Platte bringen.

Sie haben ebenso viele Zähler auf der Habenseite wie Altmeister Göppingen, liegen in Schlagdistanz zu den top besetzten Bergischen Löwen. Wie beurteilen Sie die Punkteausbeute?

Bürkle: Ehrlich gesagt, habe ich mir kein Ziel gesetzt, was die Punkte betrifft. Stand heute, kann ich mit dem Erreichten leben – es hätten aber auch zwei Zähler mehr sein können. Wenn es schlecht läuft allerdings auch zwei weniger. Was mich positiv stimmt ist, wie wir Handball gespielt haben. Da waren wirklich sehr viele gute Begegnungen dabei. Es gilt nun, diese Leistung zu wiederholen und die Diskrepanz der Leistungen zu reduzieren. Im oberen Niveau waren schon viele gute Sachen dabei. Jetzt müssen wir schauen, dass die negativen Ausreißer weniger werden und nicht ganz so ‚negativ‘ ausfallen.

Dennoch sollten die „Gallier“ noch ein paar Zähler drauf packen . . .

Strobel: Wir müssen den positiven Trend nach dem Leipzig-Spiel fortsetzen und weiter punkten. Wenn man sieht, wie Friesenheim in der Vorsaison die letzten vier Begegnungen gespielt hat, ist man gewarnt. Ich denke, dass wir über 20 Punkte brauchen, um nicht in Bedrängnis zu kommen.

Themenwechsel. Der HBW kassierte die meisten Gegentreffer. Weshalb tut sich die Mannschaft in der Verteidigung so schwer?

Bürkle: Es war in vielen Begegnungen ein Rückzugsthema. In neun Spielen liegen wir im Bereich von fast zehn Gegenstoßtoren – das ist einfach viel zu viel. Das hat zwei, drei Dinge als Ursache. Wie verantwortungsvoll sind wir vorne mit dem Ball – das heißt, wie leichtfertig geben wir das Spielgerät ab. Der zweite Punkt ist: Wie konsequent laufen wir zurück. Und abschließend: Die Kommunikation in der Rückwärtsbewegung. Wir waren in allen diesen Dingen nicht am Limit – das geht besser. Wenn wir diese drei Sachen in den Griff bekommen, werden wir auch wieder besser verteidigen. Wir kassieren schon zwei, drei Gegentreffer pro Spiel zu viel.

Sie gehen personell unverändert in die (Rest-)Rückrunde. Ein Risiko?

Bürkle: Wir sind weitestgehend gesund. Natürlich ist die schwere Verletzung von Juan de la Pena (Kreuzbandriss, Anm. d. Red.) ärgerlich für uns. Auf der anderen Seite ist Martin Strobel wieder mit dabei – und wir haben mit ihm und Lukas Saueressig zwei gelernte Mittelmänner im Kader. Wir sahen auch keine Not etwas zu tun, weil wir mehrere Alternativen für diese Position haben.

Wagen Sie kurz einen Ausblick auf die kommenden Wochen?

Bürkle: Wir denken auch weiterhin nur von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Gegner zu Gegner. Es ist im Leistungssport, glaube ich, das Schwierige, dass man sich wirklich mit den Sachen beschäftigt, welche man selbst beeinflussen kann. Wenn wir es hinkriegen, dass wir unseren Fokus darauf lenken, werden wir erfolgreich sein.

In Berlin geht es nach der EM-Pause am Sonntagnachmittag weiter. Ihre Erwartungen?

Strobel: Ich erwarte, dass wir von der ersten Minute an in dieser (Rest-)Rückrunde zeigen, dass wir alles – in jedem Spiel – dafür tun, um eine Siegchance zu haben. Ohne unseren Auswärtsauftritt überzubewerten, muss nach fast sechs Wochen Spielpause einfach die Freude und die Gier wieder da sein, Bundesliga zu spielen.

Thema Personal. Wie beurteilen Sie – nach 20 Spielen – die Transfers?

Bürkle: Wir haben uns nach dem Aufstieg sehr gut verstärkt. Vladan Lipovina ist Top-Torschütze und hat die meisten Assists. Filip Taleski hat uns in manchen Spielen schon etwas Besonderes gegeben – gerade wenn ich an das Hinspiel gegen Berlin, den Kantersieg über Melsungen oder die Partie gegen die Eulen denke. Da waren wirklich ein paar Highlights dabei. Auch Mike Jensen kommt immer besser rein in diese Runde und hat wirklich schon ein paar ganz, ganz tolle Spiele gezeigt. Von daher passen die Neuzugänge gut rein.

Es steht mehr als das Korsett für die kommende Runde. Ungewöhnlich früh . . .

Strobel: Ich glaube, dass bei den Personalplanungen zwei Dinge ganz entscheidend sind. Wir haben aktuell eine sehr gute Passung im Kader und wollten früh mit den eigenen Spielern sprechen. Auf der anderen Seite hat sich der Markt im Zuge der Professionalisierung extrem gewandelt. Es werden nicht nur viele Spieler angeboten, sondern auch zeitnahe Entscheidungen von den Klubs erwartet. Darüber hinaus wird längerfristig geplant, das ist schon markant. Wenn ich heute mit einem Berater in Kontakt bin, werde ich schon auf die Planungen für die Saison 2021/2022 angesprochen. Das ist für mich – nach fünf Jahren in dieser Position – etwas Neues. Hier müssen wir in anderen, weiteren Dimensionen denken – ohne den Blick für unsere finanziellen Möglichkeiten zu verlieren.

Noch sind einige wenige Verträge offen. Wie planen Sie?

Strobel: Man muss schauen, was für uns passend – was stimmig ist. Da gibt es verschiedene Konstellationen, welche wir prüfen. Es muss später einfach alles zusammenpassen – auch weil wir mit dem aktuellen Kader zufrieden sind. In den vergangenen Wochen hat der Markt nur sehr verhalten reagiert – ich denke, dass nach den Europameisterschaften wieder mehr passieren wird. Für uns gilt weiter, dass wir dann entscheiden, wenn wir sicher sind, dass es auch wirklich passt.

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