Balingen

Große Anwesen ohne feste Zufahrt: Nach 60 Jahren wird bestehende Balinger Bodmanstraße vollendet

27.11.2023

Von Klaus Irion

Große Anwesen ohne feste Zufahrt: Nach 60 Jahren wird bestehende Balinger Bodmanstraße vollendet

© Klaus Irion

Ein Teilstück der Balinger Bodmanstraße ist seit deren Bau in den 1960er-Jahren im Zustand eines besseren Feldwegs verblieben. Das soll sich nun ändern.

Wer bezahlt was? Warum manche schon zum zweiten Mal? Und das alles erst 60 Jahre nach der eigentlichen Erschließung der Balinger Bodmanstraße? Hier kommt die Antwort auf eine planungsrechtliche Kuriosität, die bis heute aus einem besseren Feldweg mit Schlaglöchern besteht.

Große, in Teilen fast schon villenartige Häuser, prägen den hinteren Bereich der schmalen Bodmanstraße direkt unterhalb des Balinger Heubergs. Da mutet es schon etwas eigenartig an, dass die Besitzer der Anwesen inzwischen seit Jahrzehnten über einen besseren Feldweg zu ihren Häusern gelangen (müssen).

Wiese soll zu Bauland werden

Seit vielen Jahren schon plant die Stadt Balingen, die Erschließung der Bodmanstraße zu vollenden. Nun soll es soweit sein, denn ganz am Ende der Straße soll ein bislang als Wiesengrundstück ausgewiesenes Gelände zum Bauland für vier Wohnhäuser werden.

Auf Nachfrage des ZAK bestätigte Stadtsprecher Dr. Dennis Schmidt, „dass im Rahmen der geplanten Baumaßnahme der hintere Bereich der Bodmanstraße erstmalig endgültig hergestellt wird“. 95 Prozent der anfallenden Kosten sind dabei von den Anwohnern in der Bodmanstraße zu übernehmen, 5 Prozent entfallen auf die Stadt Balingen. Der jeweilige Anteil für die Anwohner an den 95 Prozent wird anhand der Größe und Nutzbarkeit des jeweiligen Grundstücks errechnet.

Große Anwesen ohne feste Zufahrt: Nach 60 Jahren wird bestehende Balinger Bodmanstraße vollendet

© Klaus Irion

Auf dieses Wiesengrundstück im Anschluss an die Bodmanstraße werden vier Wohnhäuser gebaut.

So weit, so gut und nach Aussage der Stadtverantwortlichen im Einklang mit den betroffenen Bewohnern der Bodmanstraße so auch geklärt. „Der Ausbau wird von den betroffenen Anliegern seit Jahren wiederholt gefordert“, heißt es in der Vorlage für die dienstägliche Sitzung des Balinger Gemeinderats (17 Uhr, Stadthalle).

Große Anwesen ohne feste Zufahrt: Nach 60 Jahren wird bestehende Balinger Bodmanstraße vollendet

© Klaus Irion

Diese Häuser unterhalb der Bodmanstraße wurden 1961 komplett über die Karpfenstraße (im Bild) erschlossen. Doch nun möchte die Stadt von deren Besitzern auch noch Geld für die Vollendung der Erschließung der Bodmanstraße.

Doch da sind ja auch noch die Bewohner auf der gegenüberliegenden Seite der Straße. Die Mehrfamilienhäuser sind seit ihrem Bau Anfang der 1960er-Jahre über die parallel zur Bodmanstraße verlaufende Karpfenstraße angeschlossen. Ob der Endausbau des Teilstücks der Bodmanstraße nun kommt oder nicht, könnte ihnen theoretisch egal sein.

Anlieger werden zum zweiten Mal zur Kasse gebeten

Nicht so aber der Stadt Balingen. Laut Stadtsprecher Schmidt werden Grundstücke, die durch mehrere Anbaustraßen erschlossen werden (mehrfach erschlossene Grundstücke), in der Regel mit 50 Prozent ihrer Nutzungsfläche bei der Verteilung der umlagefähigen Erschließungskosten berücksichtigt. Das betrifft entsprechend auch die schon über die Karpfenstraße erschlossenen Anlieger.

Nun ist es aber so, dass die Hausbesitzer der Karpfenstraße bereits 1961 bezüglich der Erschließung ihrer Häuser zur Kassen gebeten worden waren. Ob damals auch in Höhe von 95 Prozent oder doch in bereits reduzierter Weise, ließ sich bei der Stadtverwaltung am Montag in der Schnelle der Zeit nicht nachprüfen, so die Auskunft aus dem Rathaus.

Man gehe jedoch von folgendem aus: „Da zum Zeitpunkt der Abrechnung der Karpfenstraße bereits bekannt war, dass es sich bei den heute mehrfach erschlossenen Grundstücken um solche handelt, ist davon auszugehen, dass diese Grundstücke bereits damals (im Rahmen der zu diesem Zeitpunkt gültigen Satzung) als Eckgrundstücke mit einer reduzierten Anrechnung berücksichtigt wurden“, sagt Schmidt.

Vielleicht gibt es hierauf ja eine Antwort in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend.

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