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Zollernalbkreis

Dr. Daniel Urban beantwortet die Fragen der ZAK-Leser zum Coronavirus

21.04.2020

Von Michael Würz

Dr. Daniel Urban beantwortet die Fragen der ZAK-Leser zum Coronavirus

© Michael Würz

Dr. Daniel Urban aus Balingen, Facharzt für Innere Medizin.

ZAK-Leser haben zahlreiche Fragen zum Coronavirus. Der Balinger Internist Dr. Daniel Urban antwortet ab sofort regelmäßig auf zak.de.

Aus Zuschriften, Kommentaren auf Facebook und vielen Telefonaten wissen wir: Die Coronakrise wirft bei vielen unserer Leser Fragen auf. Die häufigsten legt der ZOLLERN-ALB-KURIER ab sofort dem ärztlichen Leiter der Corona-Schwerpunktambulanz in der Sparkassenarena vor: Dr. Daniel Urban wird sie künftig regelmäßig an dieser Stelle beantworten.

+++ Ihre Fragen an Dr. Urban? Schreiben Sie an: corona@zak.de +++

Wenn in Schulen wieder Unterricht stattfindet: Wie schütze ich mich als Elternteil, wenn ich durch eine Vorerkrankung zur Risikogruppe gehöre?

Schülerinnen und Schüler, deren Eltern, Geschwister oder weitere im Haushalt lebende Personen zur Risikogruppe gehören, müssen laut Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg nicht in die Schule kommen. Sie werden auch weiterhin von den Lehrkräften durch Lernangebote zu Hause unterstützt. Sollte Ihr Kind dennoch die Schule besuchen, dann ist zwingend auf die generell geltenden Abstandsregeln, die Händehygiene und den korrekten Gebrauch der Alltagsmaske zu achten.


Ich habe gelesen, dass es weitere Symptome gibt, die auf eine Corona-Infizierung hindeuten (zum Beispiel blaue Flecken an den Zehen). Gibt es weitere Symptome, die bislang nicht bekannt waren?

COVID-19 ist eine neue Erkrankung, über die wir täglich vieles lernen. Immer wieder wird in Zusammenhang mit COVID-19 von bislang nicht bekannten Symptomen, wie zuletzt blauen Flecken an den Zehen, berichtet. Wichtig ist in diesem Zusammenhang eine systematische Erfassung und Auswertung. Auch in der Corona-Schwerpunktambulanz dokumentieren wir atypische Krankheitszeichen. Bislang konnten wir jedoch keine relevante Häufung bestimmter atypischer Symptome feststellen.


Eine zumindest einige Zeit lange Immunität nach Genesung scheint Berichten zufolge ja nicht hundertprozentig sicher zu sein. Deshalb die Frage: Sind – egal ob bundesweit oder weltweit – Patienten bekannt, die sich ein zweites Mal infiziert haben?

Tatsächlich wurde mehrfach von COVID-19 Erkrankten berichtet, bei denen wenige Tage nach einem negativen PCR-Test ein erneuter Abstrich positiv ausfiel. Momentan gehen die meisten Experten davon aus, dass es sich hierbei nicht um eine Reinfektion, sondern um ein methodisches Problem handelt. Die sehr geringe Viruslast am Ende der Erkrankung kann dazu führen, dass bei einem Test nicht genug Material auf ein Teststäbchen aufgenommen wurde, um ein positives Testergebnis zu liefern. Bei einem erneuten Abstrich wurde dann ausreichend Material erwischt und der Test fällt positiv aus. Das heißt, die Person war nie virusfrei, hatte aber sowohl ein negatives als auch ein positives Testergebnis. Zur systematischen Klärung dieser Fragestellung laufen aktuell wissenschaftliche Studien.


Wenn sich Familienmitglieder untereinander infizieren: Haben diese dann alle die gleichen Symptome oder können dies auch ganz andere Symptome sein?

COVID-19 kann immer völlig unterschiedliche Verläufe nehmen: von asymptomatisch über Husten und Fieber bis hin zur Notwendigkeit einer künstlichen Beatmung auf der Intensivstation. Kinder beispielsweise scheinen meist sehr milde bis asymptomatische Verläufe zu haben, während ältere Menschen oder Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 haben.


Wie sollten Risikopatienten innerhalb eines Haushalts am besten geschützt werden?

Alle Mitglieder des Haushaltes sollten sehr auf Hygiene und Abstand halten achten. Wenn ausreichender Abstand nicht eingehalten werden kann, sollte ein Mund-Nase-Schutz getragen werden. Kontakte der Risikopatienten zu Kindern und Personen außerhalb des Haushalts sollten vermieden werden.


Spüren Sie die Entwicklung der aktuellen Fallzahlen?

Entsprechend des bundesweiten Trends sehen wir auch in der Corona-Schwerpunktambulanz eine Stabilisierung. Das ist ein Niveau, das wir mit den aktuellen Kapazitäten gut bewältigen können. Dies ist aber nur den zuletzt konsequent umgesetzten Maßnahmen der Bundesregierung zu verdanken. Nur wenn sich alle weiter daran halten, gelingt uns eine schrittweise Rückkehr in den Alltag, ohne das Gesundheitssystem zu überlasten.


Wie lange wird die Covid-19-Epidemie noch dauern?

Das kann derzeit niemand sicher beurteilen. Klar ist: Wir stehen am Anfang der Epidemie. Wenn wir das Gesundheitssystem nicht überlasten wollen, müssen wir davon ausgehen, dass sie uns noch länger, bis zu Jahren, begleiten wird. Wir müssen uns alle darauf einstellen, dass gewisse Einschränkungen längerfristig notwendig sein werden.


Worauf sollten Schwangere besonders achten?

Die bisherigen Daten deuten darauf hin, dass Schwangere, die sich infizieren, meist nur milde Symptome entwickeln. Und: Es findet wahrscheinlich keine Übertragung von Mutter auf Fötus statt. Daher gilt auch hier die Empfehlung: Hygiene, Abstand halten und Kontaktreduzierung konsequent umsetzen.

Kann ich unangemeldet in die CSA kommen oder benötige ich eine Überweisung?

Wenn Sie Symptome haben, die auf eine COVID-19-Erkrankung hindeuten, dann können Sie während unserer Öffnungszeiten (Mo-Fr. 9-12 und 14-17 Uhr) jederzeit unangemeldet vorbeikommen. Wir werden Sie dann vor Ort untersuchen und mit Ihnen gemeinsam das weitere Vorgehen festlegen.

Wann und wo kann man einen Antikörpertest machen lassen und was gilt es zu beachten?

Wir rechnen damit, dass in Kürze ausreichend überprüfte Antikörpertests für das Coronavirus (SarsCov-2) verfügbar sein werden. Wie in vielen medizinischen Bereichen werden auch im Falle der Antikörpertests die Kapazitäten limitiert sein. Es kann nicht die ganze Bevölkerung zeitnah getestet werden. Das Robert-Koch-Institut hat bislang nicht festgelegt, welche Personen prioritär getestet werden sollen, sobald die Tests flächendeckend verfügbar sind. Von den aktuell verfügbaren Schnelltests, die etwa im Internet bestellt werden können, rate ich ab. Diese sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausreichend überprüft und bergen das Risiko falscher Testergebnisse in sich. Aber auch bei den Schnelltests hoffen wir auf zeitnahe Verbesserungen.

Was hat es mit der Plasmaspende auf sich und wo kann man die machen?

Das Blutplasma ist ein Bestandteil des Bluts, in dem sich die Antikörper gegen das Coronavirus bei wieder genesenen Menschen befindet. Daten aus China deuten darauf hin, dass die Gabe dieses Blutplasmas den Krankheitsverlauf bei schwer erkrankten Menschen positiv beeinflussen kann. Mehrere deutsche Unikliniken rufen daher Menschen, die von COVID-19 genesen sind, zur Plasmaspende auf. Sollten Sie über eine Plasmaspende nachdenken, können Sie sich hier melden: walzlab@ifiz.uni-tuebingen.de.


Ich habe Symptome. Aber in der Schwerpunktambulanz sagte man mir, ich muss keinen Abstrich machen. Warum?

Wie in vielen Bereichen sind auch im Bereich der COVID-19-Abstriche die Kapazitäten momentan beschränkt. Daher können, auch wenn es laut Experten gut wäre, nicht alle symptomatischen Menschen getestet werden. Das Robert-Koch-Institut aktualisiert daher regelmäßig die Empfehlung, angepasst an die aktuelle Situation. Diese Empfehlungen sind auch in der CSA Zollernalb die Grundlage für unsere Entscheidungen.

Mit welchen Symptomen sollte ich denn die Corona-Ambulanz aufsuchen?

Die CSA ist für alle Menschen da, die Symptome entwickeln, die auf eine Infektion mit dem Coronavirus hinweisen. Die häufigsten Symptome bei COVID19 sind trockener Husten und Fieber. Viele Menschen klagen aber auch über Kurzatmigkeit, starke Müdigkeit sowie Hals- und Kopfschmerzen. Zunehmend berichten Patienten auch von Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns sowie Magen-Darm-Beschwerden.

Bin ich immun, wenn ich mir das Coronavirus eingefangen hatte und wieder genesen bin?

Experten gehen davon aus, dass dies während der aktuellen Pandemiephase der Fall ist. Tierexperimentelle Daten unterstützen diese Hoffnung. Abschließend beantworten lässt sich diese Frage zum momentanen Zeitpunkt jedoch nicht.

Muss ich mich auch melden, wenn ich Kontakt zu einer Kontaktperson hatte?

Nein, in diesem Fall reicht es aus, wenn Sie sich selbst beobachten. Sobald Sie jedoch Symptome entwickeln, sollten sie vorbeikommen. Wir werden Sie dann untersuchen, beraten und gegebenenfalls für einen Abstrich anmelden.

Es heißt doch, dass man möglichst zu Hause bleiben sollte. Besteht in der Corona-Schwerpunktambulanz nicht ein hohes Ansteckungsrisiko?

Aufgrund des weitläufigen Raumkonzepts in der Sparkassenarena sind wir in der Lage, die so wichtige Abstandsregelung mehr als einzuhalten. Des Weiteren haben wir höchste Hygienestandards, so dass ich das Risiko einer Ansteckung zum Beispiel beim Einkaufen oder an der Tankstelle für höher einschätze.

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