Zollernalbkreis

Anamnese statt Handball: Die Corona-Ambulanz in Balingen öffnet am Montag

29.03.2020

Von Michael Würz

Anamnese statt Handball: Die Corona-Ambulanz in Balingen öffnet am Montag

© Michael Würz

Die Corona-Schwerpunktambulanz.

Der Zollernalbkreis leistet Pionierarbeit in der Coronakrise: In der Balinger Sparkassenarena öffnet am Montag eine Schwerpunktambulanz. Wir erklären, was Sie nun wissen müssen.

Husten, Fieber, Gliederschmerzen? Wer an Corona-Symptomen leidet, kann sich ab Montag dort melden, wo normalerweise die Handballer des HBW Balingen-Weilstetten um Punkte kämpfen – in der Balinger Sparkassenarena. Die Corona-Schwerpunktambulanz soll verhindern, dass das Hausarztsystem im Zollernalbkreis zusammenbricht. Ein Modell, das landes- oder bundesweit Schule machen könnte, ja, dürfte.

Anamnese statt Handball: Die Corona-Ambulanz in Balingen öffnet am Montag

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Die Köpfe hinter der Corona-Schwerpunktambulanz, von links: Landrat Günther-Martin Pauli, Dr. Daniel Urban, Michael Gomeringer aus dem Führungsstab der Feuerwehr und der Erste Landesbeamte Matthias Frankenberg.

Zwar könnten Patienten sich nach wie vor an ihre Hausärzte wenden, betont der Balinger Internist Dr. Daniel Urban, der führende Kopf hinter dem Projekt. Und wer nicht ganz konkret befürchtet, sich den Coronavirus eingefangen zu haben, sollte das auch ausdrücklich tun. Doch für diejenigen, die vermuten, an Covid-19 erkrankt zu sein und an typischen Symptomen leiden, schieben ab Montag mehrere Ärzte, rund 20 Medizinstudenten und medizinisches Fachpersonal Dienst in der Corona-Ambulanz.

So funktioniert die Corona-Ambulanz

Patienten melden sich in der Sparkassenarena. Denjenigen, die mit dem Auto kommen, weist ein spezielles Parkleitsystem den Weg. Bereits die Anmeldung funktioniert kontaktlos: Patienten stecken ihre Versichertenkarte selbstständig in ein dafür vorgesehenes Gerät.

Die Ambulanz ist ein Einbahnstraßensysten

Das Personal in der Ambulanz ist an allen Stationen mit Glasscheiben geschützt. Denn: Ärzte, Studenten und Helfer sollen sich tunlichst nicht infizieren. In einem Einbahnstraßensystem – Ordner sollen für einen reibungslosen Ablauf sorgen – werden daraufhin die Vitalparamter wie Puls und Atemfrequenz erfasst und dokumentiert.

Fotostrecke
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Medizinstudenten bereiten sich am Sonntag auf ihren Einsatz vor.

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Oberstes Gebot in diesen Tagen: Abstand.

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Dr. Daniel Urban und Dr. Ivana Roso, die Ärzte in der Corona-Ambulanz.

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Gibt's direkt vor Ort: Rezepte und Krankmeldungen.

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Die Beratungsplätze. Hinein geht's nur einzeln.

Zum Parkleitsystem gehören auch Hinweisschilder wie diese ...

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... die Patienten den Weg leiten.

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Patient (rechts) und Mitarbeiter der Ambulanz sind durch Glasscheiben getrennt.

Michael Gomeringer aus dem Führungsstab der Feuerwehr wacht über die Technik. Dafür hat ihn sein Arbeitgeber Groz-Beckert in Albstadt freigestellt.

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Medizinstudenten bereiten sich am Sonntag auf ihren Einsatz vor.

Hinter den Kulissen: Rote und grüne Tafeln zeigen an, ob ein Patient am Beratungsplatz sitzt.

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Blick auf die Beratungsplätze. Ab Montag koordinieren Ordner hier den geregelten Ablauf.

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Die einzelnen Stationen sind beschriftet.

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Die Versichertenkarte, bitte, aber ohne persönlichen Kontakt.

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Die Gerätschaften stehen parat, hier an der Station Vitalzeichen.

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Tauscht seine Praxis gegen die Sparkassenarena: der Balinger Internist Dr. Daniel Urban.

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Marc Eberhart und Pascal Ohrnberger von der Balinger Firma E-Projecta.

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Innovativ: Termine fürs Corona-Testzentrum und negative Testergebnisse kommen direkt per SMS auf die Handys der Patienten.

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Letzte Vorbereitungen: Sonntagmorgen in der Corona-Ambulanz.

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Ärzte machen am Sonntagmorgen das System startklar.

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Absperrbänder in der Halle sorgen für Ordnung.

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Danach werden die Patienten an einen von zunächst vier Beratungsplätzen geleitet. Dort erfolgt die Anamnese der Patienten – Urban hat dafür eigens ein Konzept entwickelt, das schnell zeigt, wohin die Reise für den Patienten geht: Muss er in häusliche Quarantäne? Ist ein Abstrich geboten? Wird er in der Corona-Station (Kreissporthalle) oder im Zollernalb-Klinikum aufgenommen? Die Entscheidung erfolgt stets nach Rücksprache mit Urban oder dessen Kollegin Dr. Ivana Roso, die in dessen Balinger Gemeinschaftspraxis angestellt ist.

„Mein Praxisteam hat mir den Rücken freigehalten“

Weitere Ärzte stehen als „Backup“ bereit. Besonders dankbar ist Urban den Kollegen in seiner eigenen Praxis in Balingen: „Das Team hat mir den Rücken freigehalten, sonst wäre das gar nicht möglich gewesen.“

Die Digitalisierung hilft

Patienten erhalten nicht nur direkt vor Ort Rezepte oder Krankschreibungen, die Anmeldung im Corona-Testzentrum erfolgt, wenn nötig, digital. So empfangen Patienten ihre Termine per SMS oder E-Mail. Und auch das – negative – Testergebnis erreicht den Patienten per SMS (siehe auch Fotostrecke oben). Fällt der Test positiv aus, wird das Gesundheitsamt hinzugezogen.

Schnellere Testergebnisse im Zollernalbkreis

So oder so dürften Testergebnisse im Zollernalbkreis nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wie berichtet, werden Coronatests ab sofort in einem veterinärmedizinischen Labor vor Ort, in Endingen, ausgewertet. Besonders stolz ist Landrat Günther-Martin Pauli aber auch auf die digitale Infrastruktur, die den Corona-Helfern im Zollenalbkreis ab sofort bereitsteht: „Wir haben da junge motivierte Leute im Landratsamt.“

IT-Experten stampfen in wenigen Tagen eine Cloud aus dem Boden

Sie haben sich in den vergangenen Tagen mit Marc Eberhart von der Balinger Firma E-Projecta und dem Ersten Landesbeamten Matthias Frankenberg zusammengetan. Herausgekommen ist, vereinfacht ausgedrückt, eine Cloud, die nicht nur den Anforderungen an den Datenschutz gerecht werde, sondern auch den Austausch zwischen Corona-Ambulanz, Test-Zentrum, Corona-Station und Klinik erleichtere. Pauli ist sicher, dass die innovative Entwicklung – made in Balingen – auch in anderen Landkreisen auf Interesse stoßen werde.

Ein rundes Konzept

Damit habe man letztendlich ein Kompetenzzentrum geschaffen, sagt Dr. Daniel Urban. Eines, das Sicherheit für die Bevölkerung bieten soll. Aber auch eines, in das die Bevölkerung ganz besonders vertrauen könne. „Alle hier haben schließlich nur noch mit Corona zu tun.“ Zudem: Personelle Ressourcen können so geschont werden, rar vorhandenes Material – Schutzmasken- und kleidung etwa – intelligent eingesetzt werden. „Es ist ein rundes Konzept geworden“, konstatiert Urban am Tag vor der Öffnung. „So gut das in diesen Tagen geht.“

Öffnungszeiten

Die Corona-Schwerpunktambulanz ist montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Möglich sei, dass die Sprechzeiten bei Bedarf künftig noch erweitert würden, sagt Dr. Daniel Urban. Weitere Informationen gibt es auf csa-zak.de. Auch auf Facebook und Instagram sind entsprechende Informationsangebote geplant.

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