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Balingen

Die Jahresstatistiken des Ausbildungsmarktes im Kreis liegen vor: Vor allem das Handwerk blutet aus

14.11.2019

Von Thomas Haug

Die Jahresstatistiken des Ausbildungsmarktes im Kreis liegen vor: Vor allem das Handwerk blutet aus

© Thomas Haug

Die Partner im Ausbildungspakt (von links) Abteilungsleiter Ausbildung der Handwerkskammer Reutlingen Karl-Heinz-Goller, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Balingen Anke Traber und die Bereichsleiterin Ausbildung der Industrie- und Handelskammer Reutlingen Petra Brenner.

Wie jedes Jahr nach dem Ende des statistischen Berufsberatungsjahres legen die Agentur für Arbeit, die IHK-Reutlingen sowie die Handwerkskammer Reutlingen die Ergebnisse der Jahresbilanz und ihre Erkenntnisse vom Ausbildungsmarkt in der Region vor.

Zum sechsten Jahr in Folge gibt es im Zollernalbkreis mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. In der vergangenen Periode lag die Differenz bei genau 422. Das bedeutet: Jugendliche können sich den Ausbildungsplatz aussuchen und Firmen müssen nehmen, was sie kriegen. Es gibt also einen deutlichen Bedarf an Auszubildenden.

Seit drei Jahren ist die Zahl der Bewerber um Ausbildungsstellen rückläufig. Im Vergleich zum Vorjahr ist diese um 5,8 Prozent gesunken. „Wir sind nicht die Region, in die Leute zuwandern wollen,“ meint Anke Traber, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit. Werbung sei notwendig um neue Bewerber in den Zollernalbkreis zu locken.

Die Agentur für Arbeit in Balingen meldet 2019 insgesamt 1.533 ausgeschriebene Ausbildungsstellen. Die Nachfrage nach Auszubildenden geht ebenfalls zurück und hat sich um 13,7 Prozent zum Vorjahr verringert. Auf diese 1.533 ausgeschriebenen Stellen haben sich lediglich 1.111 Auszubildende beworben.

„Dies sind Zahlen, die uns gemeldet wurden, die Meldung ist freiwillig“, sagt Traber. Jedoch würden 90 Prozent aller Stellen gemeldet, das wäre eine hohe Transparenz. Die restlichen Stellen werden oft firmenintern ausgeschrieben. Durch das Berufsberatungsangebot der Agentur für Arbeit konnten so insgesamt 600 Jugendliche erfolgreich vermittelt werden.

Wenige haben einen seltenen Traumberuf

Nur sehr wenige würden den Ort wechseln, um eine Ausbildung in einem seltenen Traumberuf zu machen, wie beispielsweise zum Geigenbauer. Die meisten Bewerber orientieren sich daran, was es in ihrem Umfeld für Möglichkeiten gibt.

So ist der Wunsch nach einer Ausbildung zur Industriemechanikerin und zum Industriemechaniker im Zollernalbkreis mit 117 Bewerbern der größte, gefolgt vom Beruf der Industriekauffrau und dem Industriekaufmann mit 92 Interessenten.

Die meisten Stellen gibt es im Einzelhandel. 101 Stellen wurden zum Einzelhandelskaufmann beziehungsweise zur Einzelhandelskauffrau angeboten, beworben haben sich jedoch lediglich 31 für den Beruf.

Von der IHK erfasste Ausbildungsverträge sind rückläufig

Die Industrie- und Handelskammer Reutlingen verzeichnet für den Zollernalbkreis 1,3 Prozent weniger abgeschlossene Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt wurden 778 Ausbildungsverträge geschlossen, erläutert Petra Brenner, Bereichsleiterin Ausbildung der Industrie- und Handelskammer Reutlingen.

Die Handwerkskammer Reutlingen verzeichnet für das Handwerk einen drastischeren Rückgang von 13,9 Prozent. Hier konnten lediglich 373 Ausbildungsstellen besetzt werden.

„Das ist ein großes Problem für die Zukunft“, meint Karl-Heinz Goller, Abteilungsleiter Ausbildung der Handwerkskammer Reutlingen. Bis in fünfzehn, zwanzig Jahren würde es schwierig werden, einen Handwerker zu finden, der die Heizung repariert, wenn sie ausfällt. Da müsse man sich dann auf sehr lange Wartezeiten einstellen und die Anfahrt des Handwerkers würde schon ein Vermögen kosten.

Flüchtlinge fangen den Fachkräftemangel nicht auf

Insgesamt konnten 141 Flüchtlinge im Zollernalbkreis eine Ausbildungsstelle finden. Der Fachkräftemangel könne dadurch nicht aufgefangen werden, ist im Pressegespräch zu hören.

Dinge, die bei uns selbstverständlich seien, das wir in der Schule lernen, wie beispielsweise räumliches Denken, seien oft ein Problem bei den Geflüchten, das logische Verständnis fehle. Auch hapere es hier und da an der Sprache.

Im praktischen Teil seien alle gut, nur hätten viele Probleme bei den theoretischen Fächern, meint Goller. Er ist aber guter Dinge, von 21 Flüchlingen konnten 17 die fachbezogenen Prüfungen bestehen.

Die Kinder der Geflüchteten würden es sich leichter tun und haben sehr gute Chancen, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren, sagt Brenner.

Ziele für die Zukunft

Die Agentur für Arbeit möchte künftig früher mit der Beratung der Schüler starten. Fakt sei, viele Abiturienten machen sich erst nach dem Studium Gedanken, was sie einmal beruflich machen wollen.

Abschließend lobt Petra Brenner noch das Bäckerhandwerk: „Nirgendwo bekomme ich so eine gute Brezel wie im Zollernalbkreis“.

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