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Burg Hohenzollern

Das Jahrhundertprojekt hat begonnen: Burg Hohenzollern wird für 15 Millionen Euro saniert

17.10.2019

von Hardy Kromer

Das Jahrhundertprojekt hat begonnen: Burg Hohenzollern wird für 15 Millionen Euro saniert

© Hardy Kromer

Sie gaben neben dem Adlertor, unterhalb der Schnarrwachtbastei, wo das erste Gerüst aufgebaut wird, den Startschuss für die Burgsanierung (v. l.): Thomas Kanjar, Immobilienchef der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern, Burgverwalterin Dr. Anja Hoppe, die leitenden Bauingenieure Katharina Schaller und Christopher Grohmann vom Büro EHS und die Steinmetze von der Firma Zedler.

Für 15 Millionen Euro wird in den nächsten fünf Jahren die Bastionsmauer restauriert. Jetzt sind die Gerüstbauer am Werk. Schon nächsten Herbst soll der Aufzug beim Adlertor fertig sein.

Schon wieder ein goldener Herbsttag auf Burg Hohenzollern – und wieder gibt es etwas zu feiern.

Vier Tage nach dem ersten internationalen Hohenzollerntag, der Tausende Besucher auf die Burg lockte, wurde am Mittwoch ganz offiziell das in Angriff genommen, was Burgverwalterin Dr. Anja Hoppe „ein Jahrhundertprojekt“ nennt: die grundlegende Restaurierung der Bastionsmauer, die rund fünf Jahre dauern und etwa 15 Millionen Euro kosten soll.

Gerüstbauer beginnen neben dem Adlertor

Seit Montag sind die Gerüstbauer am Werk. Direkt neben dem Adlertor, dem Besuchereingang zur Burg, bauen sie ein 20 Meter breites und 15 Meter hohes Gerüst auf. An dieser Stelle wird mit dem ersten Bauabschnitt begonnen.

Er umfasst die Mauern der Schnarrwachtbastei (von der aus der Blick gen Maria Zell geht) und der Neuen Bastei (mit Blick auf Hechingen). Für die Steinmetze von der rheinhessischen Spezialfirma Zedler gilt es, die Schäden zu beseitigen, die Wind, Wetter, Wasser und Erdbeben in den vergangenen 150 Jahren dem historischen Sandsteingemäuer zugefügt haben.

Originaler Sandstein wird verbaut

Allein in diesem ersten Bauabschnitt werden 180 Tonnen des originalen gelben Angulatensandsteins verbaut, der aus einem extra aufgemachten Steinbruch im Grosselfinger Wald abgebaut wird.

Noch spannender an der ersten Bauphase ist freilich, was passiert, wenn die erste Mauer gleich neben dem Adlertor restauriert ist. Dann wird nämlich genau an dieser Stelle ein 22 Meter hoher Aufzug angebaut, mit dem während der Bauarbeiten die schweren Steine auf die Schnarrwachtbastei hochbefördert werden, der später aber auch als Personenaufzug dienen soll.

Burg wird durch Sanierung barrierefreier

So gewinnt Burg Hohenzollern im Zuge der Sanierung auch deutlich an Barrierefreiheit. Gehbehinderte Besucher werden das ebenso zu schätzen wissen, wie junge Eltern, die bislang noch einen Kinderwagen über das holprige Steinpflaster schieben müssen. „Ende 2020 soll der Aufzug fertig sein“, kündigt Burgverwalterin Anja Hoppe an.

Wenn alles läuft wie geplant, soll er schon beim nächstjährigen Königlichen Weihnachtsmarkt Menschen und Lasten befördern. Der Aufzug wird aus Stahlbeton gebaut und mit genau demselben Sandstein, aus dem die Burgmauern gebaut sind, verkleidet. So wollen es die Denkmalpfleger, damit der Aufzug kein Fremdkörper wird, der die Ansicht aus der Ferne stört.

Mehr Grün auf der Burg

Um oben an die Bastei anzudocken, wird ein Steg nötig sein. Und wer aus dem Aufzug heraustritt, soll bald auch wieder eine neu gepflanzte Linde sehen, welche den alten Lindenbaum von der Schnarrwachtbastei, der wegen der Mauersanierung gefällt werden musste, ersetzen soll.

Das Jahrhundertprojekt hat begonnen: Burg Hohenzollern wird für 15 Millionen Euro saniert

© Skizze Burg Hohenzollern

Die Burgsanierung beginnt unten im Bild, neben dem Adlertor, wo die Wendeplatte über die Hangkante hinaus erweitert und ein Aufzug gebaut wird. Die Mauersanierung fängt direkt darüber, an der Schnarrwachtbastei (orange), an und wandert dann gegen den Uhrzeigersinn einmal um die Festung herum, bis sie 2025 die St. Michaelsbastei (violett) erreicht.

Einen Stock tiefer am Adlertor wird es im nächsten Jahr noch weitere Veränderungen geben: Die dortige Wendeplatte, wo der Shuttle-Bus Endstation hat, wird um gut 50 Quadratmeter erweitert. Dazu muss die befestigte Fläche um ein paar Meter über die Hangkante hinaus gebaut werden.

Größere Adlertor-Ebene soll Vorteile bieten

„Eine logistische Herausforderung“ nennt dies die leitende Bauingenieurin Katharina Schaller, schließlich soll die Burg auch während der Arbeiten an dieser neuralgischen Stelle für den Besucherverkehr offen bleiben.

Am Ende soll die vergrößerte „Adlertor-Ebene“ aber den Lieferverkehr erleichtern, einen geordneten Zugang zum Aufzug ermöglichen und auch der Feuerwehr eine gesicherte Aufstellfläche bieten. Von 2021 an wandert die Baustelle dann gegen den Uhrzeigersinn um die Bastionsmauer herum – und mit ihr das Gerüst.

1200 Tonnen Sandstein neu eingebaut

So wird gewährleistet, dass immer nur ein Abschnitt der gesamten Burganlage vergittert und verhängt ist. Am Ende werden 1200 Tonnen Sandstein weitgehend in Handarbeit neu eingebaut sein. Massiv verankert werden die Burgmauern mit Hunderten von jeweils neun Meter langen Erdnägeln aus feuerverzinktem Stahl.

Nach jedem halben Meter wird solch ein Giga-Dübel ins Mauerwerk getrieben. Die horizontalen Stufen in den Mauern werden mit Textilvlies abgedeckt. Ziel ist es, dass Regenwasser nicht mehr unkontrolliert zwischen die Steine sickern und Schaden anrichten kann.

Bastionsmauer ist noch nicht das Ende

Burgverwalterin Anja Hoppe, Thomas Kanjar, Immobilienchef in der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern, sowie die leitenden Bauingenieure Katharina Schaller und Christopher Grohmann vom Stuttgarter Büro EHS warfen beim Pressetermin am Mittwoch auch noch einen Blick in die fernere Zukunft: Wenn die Bastionsmauer wieder rundum solide (und auch erdbebensicherer denn je) ist, ist das Großprojekt noch längst nicht beendet, sondern erreicht gleich seine nächste Stufe.

Sanierung geht in fünf Jahren gleich weiter

Ab etwa 2025 soll die insbesondere vom Salz stark angegriffene Auffahrtrampe samt Tunnelwänden und Zugbrücken saniert werden. Details darüber sind indes noch Fehlanzeige.

„Wir haben noch nicht mal eine grobe Vorstellung davon, was uns da blüht, wie lange das dauern und was das kosten wird“, räumt Bauingenieurin Katharina Schaller ein.

Wenig Umstände dürfte es indes bereiten, den bislang einzigen Zugang zum Burghof für die Sanierung zu sperren. Denn bis dahin sollte sich ja der Aufzug längst bewährt haben.

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