Bitz

Blick ins Bitzer Forst: Wie ist der Zustand und mit welchen Herausforderungen ist zu rechnen?

08.10.2023

Von Milijana Magarewitsch

Blick ins Bitzer Forst: Wie ist der Zustand und mit welchen Herausforderungen ist zu rechnen?

© Milijana Magarewitsch

Forst-Expertenrunde, von links: Eugen Seyboldt, Wolfgang Bitzer, Bürgermeister Hubert Schiele und Klaus Richert.

In periodischen Abständen wird regelmäßig, meist über einen Zeitraum von rund zehn Jahren hinweg, der Ist-Zustand eines Waldes im Rahmen einer sogenannten Forsteinrichtung festgehalten. Im Bitzer Gemeindewald, wie auch in vielen anderen Kommunen, endet die aktuelle Erhebungsrunde im kommenden Jahr. Was gibt es Neues, was sind die Herausforderungen, was aber auch die Chancen? Beim traditionellen Waldbegang mit anschließender Gemeinderatssitzung folgten Rück- und Ausblicke.

Zu drei ausgewählten Waldbildern ging es mit Eugen Seyboldt (Holzverkaufsstelle der Stadt Albstadt), Wolfgang Bitzer (Revier Bitz), Klaus Richert (Leitung Forstamt Bereich Albstadt), Bürgermeister Hubert Schiele sowie den Rätinnen und Räten. Drei Stationen, die exemplarisch für den Rest des Waldes, aber auch zur plastischen Darstellung des jüngst eingeführten „Förderprogramms klimaangepasstes Waldmanagement“ vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, kurz BMEL, genutzt wurden.

Blick ins Bitzer Forst: Wie ist der Zustand und mit welchen Herausforderungen ist zu rechnen?

© Milijana Magarewitsch

Eine grüne Oase in Bitz.

Hier stehen bis Ende 2023 200 Millionen Euro aus Fördertöpfen bereit, die jederzeit beantragt und sowohl an private als auch kommunale Waldbesitzende (einschließlich Forstbetriebsgemeinschaften) gerichtet sind.

Resilient, anpassungsfähig und produktiv

Warum auch die Bitzer Wälder dafür infrage kommen, ist schnell erklärt: Das Programm unterstützt, laut BMEL, „Klimaschutz- und Biodiversitätsleistungen in bestehenden Wäldern“ und die Entwicklung resilienter, anpassungsfähiger und produktiver Wälder, was im Bitzer Forst schon lange praktiziert werde.

Allerdings sei diese Förderung, so Richert, erst einmal an mehr oder minder allen Landesforstverwaltungen vorbeigegangen. „Als dann bekannt wurde, dass es diese Förderung gibt, kam zuerst einmal Chaos auf.“ Mittlerweile hätte sich dieses aber gelegt und die meisten Unklarheiten beseitigt worden. Deshalb sei es nun wichtig, auch der Öffentlichkeit die (finanziellen) Vorteile für die Kommunen aufzuzeigen.

Nachhaltige Belastung für das Ökosystem

Seyboldt brachte die Sorge um den Klimawandel aufs Tapet. „Sommer im Oktober“ sei es, mit offenkundigen Trockenphasen, hohen Temperaturen, Gewitterereignissen und Sturmschäden mit immensen Schadholzmengen: Folgen, die das Ökosystem, und entsprechend die Wälder, nachhaltig belasten.

An Station 1 des Rundgangs, in Distrikt 1, genannt Schwandlich, erörterte Bitzer anhand des Voranbaus von Douglasien, aber auch der pfleglichen Ernte des verbleibenden Bestandes, wie es in der nächsten Forsteinrichtungs-Dekade weitergehen soll.

Blick ins Bitzer Forst: Wie ist der Zustand und mit welchen Herausforderungen ist zu rechnen?

© Milijana Magarewitsch

Bürgermeister Hubert Schiele gehörte zu den interessierten Waldbegängern.

„Ein Baum benötigt etwa einhundert Jahre, bis er ‚ausgewachsen‘ ist.“ Im Gegensatz zur Landwirtschaft, wo man unter Umständen innerhalb kürzester Zeit darauf reagieren könne, ob etwas wächst oder eben nicht, sei das im Wald nicht von heute auf morgen möglich.

Man könne schließlich nicht einfach alle Bäume „herunterrasieren“, in der Hoffnung, dass dann schon etwas funktioniere. Behutsamkeit und Augenmaß seien gefragt. In den vergangenen Jahren hätte man überwiegend auf Naturverjüngung gesetzt, was gegenwärtig vor Herausforderungen stelle.

Dem Klimawandel standhalten

„Wir haben überall die Bestände so aufgelichtet und so umgestellt, dass wir wieder natürlich Bäume bekommen haben – durch Samenabfall vom Altholz.“ Das bedeute im Umkehrschluss aber auch, dass dieselben Bäume nachwachsen würden, die auch vorher schon da waren. Auch solche, die mit dem Klimawandel nicht zurechtkämen. Um dem Ganzen entgegenzuwirken, würden deshalb gegenwärtig „trockenheitsresistentere“ Baumarten, wie die Douglasie, gepflanzt.

Station 2, die Kenershalde, soll dem anfangs erwähnten Förderprogamm des BMEL dienlich sein. Bereits im Jahr 2015 hätte die Gemeinde Bitz einen Teil ihrer Flächen aus der regulären Bewirtschaftung herausgenommen, mit dem Hintergrund: „Hier stillzulegen“, so Seyboldt.

Stilllegen deshalb, um das sogenannte „Alt- und Totholzprogramm“ umzusetzen, wichtiger Beitrag zur natürlichen Sicherung des Ökosystems. Das neu aufgelegte Förderprojekt sei nun unter anderem dafür gedacht, Raum für die natürliche Waldentwicklung zu schaffen.

Dem Forst seine „Entwicklungsfreiheit“ lassen

„Wenn es beispielsweise an beliebiger Stelle ein kleines Sturmloch gibt, wird das nicht sofort wieder bepflanzt, sonst man überlässt es dem Wald, sich selbst weiterzuentwickeln“, erläutert Seyboldt weiter. Fünf Prozent müssen es hierbei sein, 3,5 Prozent seien bereits stillgelegt. Somit fehlen noch etwa fünf bis sieben Hektar. Pro Jahr und Hektar gäbe es aus dem BMEL-Topf 100 Euro, was für Bitz rund 40.000 Euro jährlich bedeuten würde. 20 Jahre lang ginge die Förderung, allerdings nur die ersten zehn davon vollumfänglich, die weiteren beinhalten Gelder für die Stilllegungsfläche.

Blick ins Bitzer Forst: Wie ist der Zustand und mit welchen Herausforderungen ist zu rechnen?

© Milijana Magarewitsch

Klaus Richert, Forstamtsleiter Albstadt, erzählt von Neuerungen.

Der letzte Stopp wurde am „Sahlenhau“, dem „Sahnestückle“, wie es Bitzer nannte, eingelegt. Hier sei besonders gut die Baumartenvielfalt ersichtlich. Jede zweite Gasse sei geräumt worden, damit man das Holz besser herausbringen könne. Besonders die Ahornverjüngung sei positiv hervorzuheben. Fichte, Buche, Tanne: Generell sei die Baumartenvielfalt hier optimal. „Da wächst bereits die nächste Waldgeneration heran.“

Diesen Artikel teilen: