Albstadt

Wer erzählt von „Lamm“ und „Linde“? Pfeffinger Wirtshausgeschichten sollen ein Buch füllen

09.02.2024

Von Holger Much

Wer erzählt von „Lamm“ und „Linde“? Pfeffinger Wirtshausgeschichten sollen ein Buch füllen

© Holger Much

Marcus Bitzer, Regina Bitzer, Steffen Bendrin und Patricia Rauch (von links) im „Lamm“. Sie organisieren den Bürgertreff im „Lamm“ gemeinsam, freuen sich sehr auf den Tag und sind gespannt, was da alles für Geschichten erzählt werden.

Am Sonntag, 18. Februar, öffnen sich die Türen des ehemaligen geselligen Dorfmittelpunktes, um gemeinsam zu erzählen, Geschichten aufzuschreiben und Bilder zu sammeln. Marcus Bitzer, Regina Bitzer, Steffen Bendrin und Patricia Rauch hoffen auf rege Teilnahme.

Es soll ein großes Fest werden, ein Treffen für Jung und Alt im Zeichen einer lebhaften Ortsgeschichte. Dass dabei alles glatt läuft, dafür sorgen vier engagierte Pfeffinger. Sogar das Vesper, das es morgen in einer Woche in den Räumen des Pfeffinger Gasthofs Lamm geben soll, wird historisch korrekt zusammengestellt und serviert.

Wer erzählt von „Lamm“ und „Linde“? Pfeffinger Wirtshausgeschichten sollen ein Buch füllen

© Holger Much

Das „Lamm“ in Pfeffingen und zahlreiche andere frühere Wirtschaften sind ein Quell an spannenden Geschichten aus der Heimat.

Und all das nicht nur im Dienste der Dorfgemeinschaft, sondern mit dem Ziel, die Historie des Ortsteils zu sammeln und zu erhalten. Und wenn genug Spannendes in Bild und Text zusammenkommt, freut sich Steffen Bendrin, dann soll daraus ein ganz besonderes, individuelles Buch entstehen.

Bratwurst mit Soße, Kartoffelsalat und Spitzwecken

Am Sonntag, 18. Februar, öffnen sich die Türen des ehemaligen geselligen Dorfmittelpunktes nach längerer Zeit mal wieder für die gesamte Bevölkerung. Ab 10 Uhr gibt es Bier, Schorle und Kaffee, zum Mittagessen ab 12 Uhr wird, das ist ganz wichtig, weiße Bratwurst oder Leberkäs mit Bratensoße und mit Kartoffelsalat und Spitzwecken - andere sagen Mutscheln dazu - serviert. Später dann gibt es Kaffee und Kuchen.

Wer erzählt von „Lamm“ und „Linde“? Pfeffinger Wirtshausgeschichten sollen ein Buch füllen

© Adolf Schairer

Ein Eindruck aus alten Zeiten.

„Bratwurst, Kartoffelsalat und Spitzwecken“, erklärt Steffen Bendrin, der zusammen mit seinen Kollegen Marcus Bitzer, Regina Bitzer und Patricia Rauch das Dorffestle mit historischem Hintergrund auf die Beine stellt, „war auch in Pfeffingen im Lamm das traditionelle Hochzeitsessen“.

Hochzeiten waren meist im großen Saal im „Lamm“

Wenn in „früheren Zeiten“ in Pfeffingen geheiratet wurde, so hat er bereits in Erfahrung gebracht, so wurde die Hochzeit meist im großen Saal im „Lamm“ gefeiert. Und zu dem einfachen, deftigen Mahl durfte dann auch einfach jede und jeder kommen, mitessen und mitfeiern. Auch für große Tanzabende und als traditioneller Treffpunkt vieler Stammtische hatte sich das „Lamm“ einen Namen gemacht.

Natürlich ist es kein Zufall, dass das Vesper mit klarem Bezug auf die Ortsgeschichte gewählt wurde. Marcus Bitzer und Regina Bitzer haben das große Haus an zentraler Stelle an der Durchfahrtsstraße 2018 gekauft, Regina Bitzer betreibt den Blumenladen in einem Teil des Gebäudes.

Die Wirtschaft und ein Teil des großen Saals wurden von ihnen wieder hergerichtet. Seit im Rahmen der Literaturtage 2022 das „Lamm“ seit längerer Zeit erstmals wieder der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, fand 2023 innerhalb der Reihe Kulturundso der zweitägige „Kealänder Kids Day“ statt. Nun sollen hier Geschichten und Geschichte gesammelt werden.

In der Erinnerung der älteren Bevölkerung

Viele der Anekdoten, Geschichten und Berichte aus früheren Zeiten gibt es nur noch, wissen die engagierten Pfeffinger, in der Erinnerung der älteren Bevölkerung. Oder im Wissen mancher jüngerer Bürgerinnen und Bürger, die manches auch selbst erzählt bekommen haben. Und davon wollen die Vier ganz viel sammeln, aufschreiben und erhalten.

Wer erzählt von „Lamm“ und „Linde“? Pfeffinger Wirtshausgeschichten sollen ein Buch füllen

© Arbeitskreis Albstadt-Pfeffingen

Der Gasthof Lamm hatte einst sogar schmucke eigene Postkarten.

„Wir wollen nicht nur ein schönes Fest und eine gute Zeit haben“, erläutert Marcus Bitzer den Gedanken. „Wir suchen dabei bewusst alte Bilder und Geschichten vom ‚Lamm‘ und der ‚Linde‘. Parallel dazu natürlich auch gerne alles Berichtenswerte von allen anderen Wirtschaften und vom Kronenladen.“ Dass „Lamm“ und „Linde“ – im letzteren Gebäude haben nun die „Trinkhorn Brände“ ihre Heimat gefunden – eine lange und bestimmt auch sehr interessante Geschichte haben, dessen sind sich die Initiatoren sicher.

In Pfeffingen gab es viele Gasthäuser

Denn viel Leben spielte sich in und um die sozialen Treffpunkte der Dörfer ab, und das waren nun mal auch die Gasthäuser. Und davon gab es in Pfeffingen erstaunlich viele, beispielsweise den „Hirsch“, den „Adler“, die Weinstube Wolf, weiterhin „Blume“, „Bock“, „Krone“, „Lamm“ und „Linde“ mit „Rose“, den Zitterhof, das „Rössle“, das „Waldeck“ in Richtung Tailfingen hoch, ebenso wie eine Lokalität mit dem Namen Filzlaus. Heute gibt es noch das Clubheim am Fußballplatz.

Etwas pikant wird es, vor allem für Pfeffinger Verhältnisse, wenn die Arbeitskreismitglieder davon berichten, dass in den Gästezimmern des „Lamms“ – das alte Gebäude war 1912 abgebrannt, später wieder aufgebaut worden – durchaus auch schon mal rote Laternen gebrannt hätten.

Erinnerungen an die Oma

Und Patricia Rauch, Inhaberin von Trinkhorn Brände, berichtet von der rührenden Geschichte, dass bei ihr ein Auto mit fremdem Kennzeichen gehalten habe und der Fahrer gefragt habe, ob er eventuell in eines der oberen Zimmer schauen dürfte – dort sei vermutlich seine Oma gestorben.

Solche und alle anderen Geschichten, die noch erzählt werden können, sollen am 18. Februar gesammelt werden. „Es werden genug Leute da sein“, erklärt Patricia Rauch, „die die Berichte auf- und mitschreiben können“. Zudem werden alle Bilder aus der Ortsgeschichte gesucht, Postkarten, Fotos, Fotoalben. Die, so betonen die Organisatoren, bekommt selbstverständlich jeder wieder zurück.

„Nicht nur für die Älteren eine tolle Lektüre“

Natürlich wird nicht einfach so ins Blaue hinein gesammelt. Die hoffentlich reiche Ausbeute soll im Idealfall zwischen zwei Buchdeckeln Platz finden. „Das wäre sicher nicht nur für die Älteren eine tolle Lektüre“, ist sich Steffen Bendrin sicher, „sondern auch für die jungen Pfeffinger, die so einen viel direkteren Zugang zur Geschichte ihres Heimatortes bekommen“.

Um alles besser planen zu können, bitten die Organisatoren um Anmeldung per Telefon 07432 9413366, Whatsapp 0175 5832941 oder E-Mail: info@blumenstil-bitzer.de. Wer Mittagessen möchte, sollte das bitte auch angeben. Es liegen schon zahlreiche Anmeldungen vor. Für alle, die kein Auto haben oder schlecht zu Fuß sind, gibt es einen Abhol- und Heimfahrdienst.

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