Balingen

Querbeet durch große und kleine Produktionen: „Musical Ladies“-Gala begeistert Balinger Publikum

29.11.2023

Von Jasmin Alber

Querbeet durch große und kleine Produktionen: „Musical Ladies“-Gala begeistert Balinger Publikum

© Jasmin Alber

Die "Musical Ladies" Melanie Gebhard (oben) und Beatrix Reiterer (vorne, Zweite von rechts) brachten mit Frank Winkels, Vanessa Haug und Christian Bock ein "Best of" der Musical-Gala auf die Bühne – hier bei "Der ewige Kreis" aus "Der König der Löwen".

Von Elsas Eispalast im hohen Norden bis in die Savanne Afrikas, dazu ein Abstecher zu den Missionen von James Bond und ins fantastische Land Oz, weiter nach Paris, über eine griechische Insel und in die USA – das alles an einem Abend und an einem Ort. Die Musical Ladies Beatrix Reiterer und Melanie Gebhard samt ihrer „Friends“ machen das möglich, und das schon zum sechsten Mal.

Es ist schlagartig mucksmäuschenstill im großen Stadthallensaal, als die Lichter ausgehen und die Band die ersten Töne anstimmt. Die fünf E-Instrumentalisten geben mit dem einleitenden Medley, bei dem Passagen aus Queen-Hits, Abba-Melodien oder Bekanntes aus dem Tanz der Vampire erklingen, bereits einen Vorgeschmack auf das, was in den kommenden rund drei Stunden folgen wird: beliebte Musical- und Filmmusik. Best of eben.

Die Protagonistinnen: die „Musical Ladies“ Melanie Gebhard aus Albstadt und Beatrix Reiterer. Und sie haben zwei Dinge gemeinsam: ihren Bezug zum Zollernalbkreis und die Erfolge auf den großen (Musical-)Bühnen Deutschlands. Für das Konzert in Balingen haben sie wieder Freunde mit auf die Bühne gebracht, die ebenfalls bereits Erfahrungen auf den Musicalbühnen Deutschlands gesammelt haben. Christian Bock, gebürtiger Ostdorfer, Vanessa Haug, gebürtige Meßstetterin und mittlerweile wie Beatrix Reiterer Wahl-Balingerin, und – sozusagen als einziger „Reing’schmeckter“ – Stargast Frank Winkels.

„Ein großartiges Publikum“

Schwungvoll starten alle fünf mit dem Besten von Udo Jürgens, bei „Aber bitte mit Sahne“ gibt’s sogar eine kleine Rapeinlage. Das Publikum von 17 bis 66 Jahren – und jünger und älter – klatscht bisweilen begeistert mit, nicht erst, als die Bühnendarsteller sich unter die Besucher mischen. „Ein großartiges Publikum!“, stellt Beatrix Reiterer fest. „So schön, wenn man das schon gleich am Anfang sagen kann.“ Und: „Man muss nicht immer nach Stuttgart fahren“, ergänzt Melanie Gebhard. Die beiden kennen sich seit vielen Jahren, die Musical-Gala, die sie zusammen geben, wird bereits zum 6. Mal aufgeführt. Diesmal als Best of.

Fotostrecke
/
Impressionen von der "Musical Ladies & Frieds"-Gala in Balingen.

© Jasmin Alber

Impressionen von der "Musical Ladies & Frieds"-Gala in Balingen.

© Jasmin Alber

Impressionen von der "Musical Ladies & Frieds"-Gala in Balingen.

© Jasmin Alber

Impressionen von der "Musical Ladies & Frieds"-Gala in Balingen.

© Jasmin Alber

Impressionen von der "Musical Ladies & Frieds"-Gala in Balingen.

© Jasmin Alber

Impressionen von der "Musical Ladies & Frieds"-Gala in Balingen.

© Jasmin Alber

Impressionen von der "Musical Ladies & Frieds"-Gala in Balingen.

© Jasmin Alber

Zu Beginn geht es nach Frankreich zu den drei Musketieren und zu Belle und ihrem Biest. Schnell wird klar: Die Darsteller brauchen keine wechselnden Kulissen, kein großes Maskenbild und opulente Kostüme. Allein mit ihrem Gesang, der Musik und der Darstellung bringen sie die Charaktere vor das innere Auge der Zuhörer. So hat die grüne Hexe von Oz – Melanie Gebhards erste große Rolle als Musicaldarstellerin, bei der Gala in Balingen aber verkörpert von Vanessa Haug – bei „Heiß geliebt“ auch keine grünbemalte Haut.

Kaiserin Elisabeth (gesungen von Beatrix Reiterer im Duett mit Frank Winkels) aus dem gleichnamigen Musical über Sisis Geschichte fernab der Kitschfilme fordert Selbstbestimmung auch ohne Wallemähne-Perücke und große Reifrock-Robe. Das Duett „Only Us“ aus „Dear Evan Hansen“ macht Lust auf dieses hierzulande noch unbekannte Coming-of-Age-Musical, in dem es um sehr aktuelle Themen wie Social Media geht. Nach dem Erfolg am Broadway wird es bald in Fürth zu sehen sind, wie Melanie Gebhard anmerkt.

Marlene Priester brilliert bei James-Bond-Medley

Weil’s so gut passt, machen die Akteure vor der Pause eine Exkursion in die Welt der Filmmusik. Dabei haben sie sogar Unterstützung: Marlene Priester, eine Gesangsschülerin Reiterers, die bereits beim Musical „Smike“ auf der Stadthallenbühne stand.

Querbeet durch große und kleine Produktionen: „Musical Ladies“-Gala begeistert Balinger Publikum

© Jasmin Alber

Marlene Priester (13) sang "Writing's on the wall".

Die 13-jährige Balingerin übernimmt im Medley mit Musik aus den 007-Filmen „Writings on the Wall“ von Sam Smith – und brilliert. Der Zwischenapplaus des Publikums kommt spürbar von Herzen.

Nach dem Blues-Brothers-Hits Everybody (needs somebody) und „What a feeling“ aus „Flashdance“ – getanzt und gesungen von Vanessa Haug, die ihren persönlichen Fanclub aus dem „Attitude“ an ihrer Seite weiß – geben Melanie Gebhard und Frank Winkels das Duo Lady Gaga und Bradley Cooper mit „Shallow“ aus dem Film „A Star is born“. Mit dem Mamma-Mia-Medley aus dem Musical, das die Songs von Abba in eine Liebesgeschichte auf einer griechischen Insel packt, geht es schließlich in die Pause.

Die fabelhafte Musik von Disney-Musicals

Danach kommen Erinnerungen hoch bei allen, die bereits im Hamburger Hafen-Theater das Original gesehen haben: Zwar nicht als Tiere verkleidet, aber in Ethno-Kleidung gewandet, schreiten die Akteure durch die Gänge auf die Bühne, wo bereits der ewige Kreis besungen wird. Heiter wird’s danach, als Timon und Pumba, die Freunde von Löwenkönig Simba, ihr Motto „Hakuna Matata“ besingen. Und schon ist man mitten im Disney-Musical-Block.

Eiskönigin Elsa – bei der Gala in Balingen ein Duett der Musical Ladies – will frei sein und akzeptiert, wer sie ist. Der Glöckner von Notre Dame (Christian Bock) hingegen würde hingegen gerne anders sein, in anderer Weise aber ebenfalls frei – und draußen. Nicht fehlen darf hier natürlich ein Besuch von Englands wohl bekanntestem Kindermädchen. Beatrix Reiterer schafft es, dass am Ende des Liedes nicht nur jedermann „Superkalifragilistisch Expiallegorisch“ aussprechen, sondern sogar klangvoll (mit-)buchstabieren kann.

Es wird bissig

Dunkel, düster und bissig wird es gleich im Anschluss daran, als Graf Krolock mit seinem Vampir-Dasein hadert und seine unstillbare Gier besingt. Frank Winkels trägt dabei stilecht lange Reißzähne, die am Ende des zweiten „Tanz der Vampire“-Stücks Vanessa Haug als Sarah zum Verhängnis werden.

Die „Totale Finsternis“ zum Sound Bonnie Tylers weicht dem Mondschein („Cats“), ehe es in die Katakomben der Pariser Oper und in den Boxring geht. Zum Schluss stehen wieder alle fünf Akteure auf der Bühne und wandeln auf Queens Spuren beim Medley aus dem Musical „We will rock you“ – ein gebührender Abschluss.

Der frenetische, zugabefordernde Applaus am Schluss macht deutlich: Es soll nicht bei sechs „Musical Ladies & Friends“-Auflagen bleiben.

Diesen Artikel teilen: