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Balingen

Poetry-Slam in Balingen: Wolfgang Heyer und Alex Simm duellieren sich unter freiem Himmel

16.06.2019

Von Dennis Breisinger

Poetry-Slam in Balingen: Wolfgang Heyer und Alex Simm duellieren sich unter freiem Himmel

© Dennis Breisinger

Wolfgang Heyer (links) und Alexander Simm traten am Freitag im Hof der Stadthalle auf.

Am Freitagabend fand der vom ZOLLERN-ALB-KURIER präsentierte Poerty-Slam im Hof der Balinger Stadthalle statt. Dabei hieß es: Hochdeutsch gegen Schwäbisch.

Am Freitagabend fand im Hof der Stadthalle der sommerliche Open-Air-Poetry-Slam Wolfgang Heyer versus Alex Simm statt. Zwei Dialekte standen sich im Wettstreit gegenüber, das Schwäbische von Heyer duellierte sich in sechs Runden mit dem Hochdeutschen von Simm.

In der ersten Runde wurde ein Punkt vergeben, so ging es weiter bis zu sechs Punkte in der sechsten Runde. Die beiden im süddeutschen Raum sehr bekannten Poetry Slammer brillierten mit ihrer Wortakrobatik und buhlten um die Gunst des Zuschauers. Die Zuschauer kürten anhand des „Applausometers“ den Sieger bei diesem Wettstreit.

Poetry-Slam in Balingen: Wolfgang Heyer und Alex Simm duellieren sich unter freiem Himmel

© Dennis Breisinger

Am Freitag gab es beim Open-Air der Stadthalle Wortakrobatik unter freiem Himmel.

In der ersten Runde widmete sich Simm in poetischer Form dem „in Schwaben geborenen, besserwisserischen und ordnungsliebenden Schwanenmädchen Swantje“.

Zum Einstieg Schwäbisch für Anfänger

„Reinheit, Zucht und Ordnung sind der Swantje Grund zum Glück“, verriet Simm. Heyers erste Runde stand unter dem Motto „Schwäbisch für Einsteiger“. Er beleuchtete schwäbische Worte näher und ging detailliert auf schwäbischen Eigenarten ein.

„Der Babybrei in der Flasche schmeckt bei uns wie Maultäschle“, fand Heyer, der den ersten Punkt jedoch an Simm abgeben musste.

Auch die zweite Runde ging an den Lehrer Simm, der mit seinem philosophischen Poetry Slam namens „In den Hirnwüsten unserer Zeit blühen nur Kakteen“. Darin bezeichnete er den Kaktus als „Meister der Opposition“ und beeindruckte so die Zuschauer.

Der Klimawandel hat auch Vorteile

Die dritte Runde durfte Heyer anfangen. Bei „Schwäbisch ist eine Weltsprache Teil 2“ ging er augenzwinkernd näher drauf ein, inwieweit der Dialekt das Englische beeinflusste und hatte typische schwäbische Weisheiten wie „I han gessa, i han gdrunka, i han gfurzd“ auf Lager.

Simm berichtete von seinem Leben als Lehrer, in dem er es mit Schülern wie Wotan-Friedrich zu tun bekomme und kam nicht umhin, die Bewegung „Fridays for future“ zu thematisieren. Simm sah die Angelegenheit jedoch pragmatisch, da zum Beispiel künftig im Erdkundeunterricht die zum Teil unter dem Meeresspiegel liegenden Länder Bangladesch und die Niederlande nicht mehr thematisiert werden müssten.

Zwei Runden in Folge gehen an Heyer

Diese Runde ging an Heyer, genauso wie die vierte Runde, in der Heyer den typisch schwäbischen, sehr emotionslosen Tanzstil und den vermeintlichen fehlenden Hang des Schwaben zu Erotik und Romantik näher thematisierte.

Seiner Meinung nach fällt die „Fischerin vom Bodensee“ beim Schwaben schon unter romantischer Musik und ein „Klaps mit dem Vesperbrätle“ erfülle alle erotischen Bedürfnisse. Simm zog mit seinem melancholischen „Ich gehe auf die 100 zu“ den Kürzeren.

Schwäbisch hat Ähnlichkeiten zum Chinesischen

In der fünften Runde schlug Simm zurück. Seine poetischen Ergüsse zum „Tokio Hotel hörenden Emo-Einhorn Erna, das wie alle sein wollte und bei seiner Reise durch den Wald auf ein Rudel Nashörner aus Wien traf“ kam hervorragend an. Er behielt gegen „Schwäbische ist eine Weltsprache Teil 1“ von Heyer, der die Ähnlichkeiten des Schwäbischen zum Österreichischen, Chinesischen („I muss jedzd gau gau“) und Russischen näher beleuchtete, die Oberhand.

Simm macht Sieg des Hochdeutschen perfekt

Den Sieg des Hochdeutschen über das Schwäbische machte Simm mit „Klassenkampf“ perfekt. Simm gab einen Einblick in die Musterschule „Dieter-Bohlen-Gymnasium“ in „Rotzenwalde“, in der die Eltern zu blöd seien, ihre Tochter Analena mit zwei „n“ zu benennen, so dass er beim ersten Erwähnen des Namens diesen prompt falsch betonte.

Heyer slammte in „breideschdem Schwäbisch“ zu „Radio-Zapping“, das solche fabelhaften News wie „160 Häftlinge warten auf den Tag der offenen Tür“ und „1000 Sudokus gestohlen – die Polizei steht vor einem Rätsel“ parat habe, Weltweisheiten wie „Wer Glück im Spiel hat, der hat auch Geld für die Liebe“ zum Besten gab und das mit „Wärme oder Kälte, das hängt vom Wetter ab“ den wahrscheinlich präzisesten Wetterbericht aller Zeiten hatte.

Als Preis für Simm gab es eine leere Wasserflasche von Heyer, der größere Sieger war aber zweifelsohne der Besucher, der einen kurzweiligen, amüsanten und unterhaltsamen Abend hatte.

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