Fussball

Nicht mehr zum System gepasst: Tobias Dierberger über seinen Abgang bei der TSG Balingen

10.02.2024

Von Marcel Schlegel

Nicht mehr zum System gepasst: Tobias Dierberger über seinen Abgang bei der TSG Balingen

© Moschkon

Tobias Dierberger hat die TSG verlassen.

Viereinhalb Jahre stellte sich Tobias Dierberger bei der TSG Balingen in den Dienst der Mannschaft. Anfangs vor allem in der Jokerrolle, erspielte sich der nun 27-Jährige zusehends auch Einsatzzeiten in der Balinger Startelf.

Nun hat Dierberger, der vom damaligen Verbandsligisten TSG Tübingen gekommen war, überraschend seinen Abschied aus der Kreisstadt verkündet – neben Lukas Foelsch (FC Holzhausen) und Marco Andric (FC Nöttingen) als einer von drei Winter-Abgängen. Künftig stürmt Dierberger, der bei 113 TSG-Einsätzen 51 Mal in der Startelf stand, insgesamt 14 Tore erzielte und 19 Vorlagen gab, an der Kreuzeiche – für den Oberligisten SSV Reutlingen also, für den er schon als Nachwuchsfußballer spielte.

„Ehrlich und respektvoll“

Bei Dierbergers Abgang war vor allem der Zeitpunkt überraschend. Denn bis vor Kurzem hatte die antrittsschnelle Offensivkraft noch mit einer weiteren Saison in Balingen geplant. Doch nicht nur in den ersten Trainingseinheiten des neuen Trainerteams Murat Isik und „Co“ Kerem Arslan, sondern auch in den Vertragsgesprächen mit Manager Jonathan Annel habe sich herauskristallisiert, dass „mein Spielertyp nicht mehr zum Balinger System passt“, berichtet der Deutsch-Österreicher, welcher den Austausch mit der Vereinsführung als „ehrlich und respektvoll“ beschreibt.

Dierberger, der auch in Reutlingen arbeitet, steht mit seiner Schnelligkeit für den Konterfußball, aus dem die Balinger vor allem unter Aufstiegstrainer Ralf Volkwein eine Waffe formten und der unter Nachfolger Martin Braun weitgehend fortgesetzt wurde, derweil mit einer größeren spielerischen Note. Isik, der in dieser Winterpause übernommen hat, möchte nun noch mehr Wert aufs Spielerische und auf Ballbesitzfußball legen.

Verein zeigt Verständnis

„Wir möchten mehr mit Ball auf engem Raum agieren“, bestätigte Annel die neue Marschrichtung des Trainerteams, die auch die Vertragsgespräche geprägt habe. „Wir brauchen Spieler, die unter Druck Bälle festmachen und solche Situationen spielerisch lösen können.“ Und diese Spielweise komme Dierberger weniger gelegen, räumt Annel unumwunden ein. „Wir gehen offen und ehrlich in die Gespräche mit unseren Spielern“, so der TSG-Geschäftsführer weiter.

Dierberger sei in der Kaderplanung vor allem als ein Spieler eingeplant gewesen, „der von der Bank kommt und ins Spiel geworfen wird“. Dass sich Dierberger in dieser Rolle nicht mehr wohlfühle, „dafür haben wir Verständnis“, erklärt Annel. Auch deshalb habe man Dierbergers Wunsch entsprochen, vorzeitig aus dem eigentlich erst zum Saisonende auslaufenden Vertrag zu scheiden, so Annel. „Ich bin der TSG-Führung dankbar, dass ich noch innerhalb des Transferfensters und zudem ablösefrei gehen durfte“, kommentiert Dierberger.

Der richtige Schritt

Auf seine beinahe fünf Jahre in Balingen blickt Dierberger positiv zurück. „Ich weiß noch, als ich vor der Entscheidung stand, ob ich den großen Schritt wagen soll, von Tübingen nach Balingen und damit von der Verbands- in die Regionalliga zu wechseln“, sagt der 27-Jährige, der bei den Schwaben vor allem auch als Vorlagengeber glänzte. „Jetzt, knapp 100 Regionalliga-Spiele später kann ich sagen, dass es der richtige Schritt war.“

Egal ob unter Volkwein oder Braun als Trainer, er habe sich bei der TSG stets „super wohlgefühlt“, erklärt Dierberger. „Die amateurhaften und familiären Strukturen mit sämtlichen Ehrenamtlichen und Mitspielern, zu denen auch außerhalb des Platzes Freundschaften entstanden sind – das ist für einen Viertliga-Verein absolut außergewöhnlich.“ Froh sei er zudem, dass er seinen Teil zu den größten Vereinserfolgen der TSG Balingen beitragen konnte: zum Viertliga-Aufstieg in 2018 und zum Gewinn des WFV-Pokals in 2023.

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