Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Albstadt

Nach dem Schnee bedrohen Borkenkäfer den Albstädter Wald

18.04.2019

Von Holger Much

Nach dem Schnee bedrohen Borkenkäfer den Albstädter Wald

© Holger Much

Viele Bäume knickten unter der enormen Schneelast des Winters um.

Die Schäden, die das trockene Jahr 2018 und der darauffolgende kalte Winter im Forst hinterlassen hat, sind extrem hoch. Nun, sorgt sich Klaus Richert, Leiter des Forstbereichs Albstadt, begünstigt die Wärme auch noch die Entwicklung des größten Fichtenschädlings.

Für Sonnenanbeter war 2018 ein herrliches Jahr. Für den heimischen Wald war es deutlich zu warm und zu trocken. Vielen bereits geschwächten Bäumen gab der darauffolgende Winter mit Eisregen, Nassschnee und Stürmen den Rest.

Die Schäden sind enorm

Rund 20 000 Festmeter an Schäden wurden allein in diesem Winter durch die Last von Nassschnee verursacht, im Stadtwald genauso wie in privaten Wäldern, erläutert Klaus Richert, Leiter des Forstbereichs Albstadt. Bei einem Gang durchs Onstmettinger Revier wird das ganze Ausmaß deutlich: Es gibt ganze Waldgebiete, in denen der Boden bedeckt ist mit umgestürzten Bäumen und abgeknickten Baumwipfeln.

Fotostrecke
/
In Albstädter Wald wird aufgeräumt.

© Holger Much

2018bildeten die Fichten extrem viele Zapfen.

© Holger Much

Revierförsterin Annette Schmid in einem durch nassen Schnee zerstörten Bestand junger Buchen.

© Holger Much

Zahlreiche abgesprochene Baumspitzen ragen in den Himmel.

© Holger Much

Ein Harvester bei der Arbeit im Onstmettinger Wald.

© Holger Much

Revierförsterin Annette Schmid schildert anschaulich, wie es zu den teils katastrophalen Schäden kommen konnte: Die Fichten entwickelten im warmen Jahr 2018 extrem viele Zapfen. Gerade um die Zeit des Jahreswechsels herum, so Schmid, überzogen immer wieder Eisschichten die Äste und Zapfen, dann folgte nasser Schnee und dann wieder Eisregen und so weiter. Dazu kamen immer wieder kleinere Stürme. Das war für viele Pflanzen zu viel - sie brachen zusammen.

Seit dem Winter wird aufgeräumt

Durch das viele Holz, das dadurch in kurzer Zeit auf den Markt kam, erläutert Richert, gingen die Preise in den Keller. Wurden 2018 noch rund 100 Euro pro Festmeter gezahlt, liegt der Preis aktuell bei 60 bis 70 Euro.

Seit dem Winter sind Albstadts Forstleute dabei, die Schäden zu beseitigen und den Wald aufzuräumen. Annette Schmids Revier Onstmettingen, das höchstgelegene in Albstadt, ist als letztes dran. Doch auch die Privatwaldbesitzer, betont Richert, müssten sich um ihre Parzellen kümmern. Durch das Waldgesetz seien sie sogar dazu gesetzlich verpflichtet. Wer dabei Schwierigkeiten habe, der könne sich gern an das Forstamt wenden.

Käfer mit großem Appetit

Denn das viele Totholz bildet ein Eldorado für Borkenkäfer. Während der „Kupferstecher“ sich eher in den Kronen der Fichten aufhält, bevorzugt der „Buchdrucker“ die Stämme. Er ist es, der die großen Schäden verursacht. Im Bereich Balingen leiden die Tannen unter der Trockenheit, erläutert Richert. An ihnen tobt sich der „Krummzähnige Tannenborkenkäfer“ aus.

Wenn es jetzt um die Osterfeiertage herum warm und trocken sein soll, so freuen sich alle, die frei haben. Für den Forst ist das gar nicht gut. Denn vermutlich fliegen nun die ersten Borkenkäfer aus und suchen sich Bäume, um Eier zu legen. Nach vier bis maximal sechs Wochen schlüpft dann die zweite Generation.

Rund 100 000 Nachkommen

Auf diese Weise, erläutert Eugen Seybold von der Holzverkaufsstelle Albstadt, kommen auf ein Borkenkäferweibchen in einem Jahr rund 100.000 Nachkommen. Ein Baum verkraftet etwa 200 Borkenkäfer. Daher werden die Forstleute das gesamte Jahr über mit der Problematik der kleinen hungrigen Gesellen zu kämpfen haben.

Mit verschiedenen Maßnahmen wird dagegen angegangen. Zum einen werden weniger anfällige Bäume wie Douglasie, Kiefer oder Lärche gepflanzt, die Abstände zwischen den Bäumen werden größer geplant, so dass für den einzelnen Baum in trockenen Jahren mehr Wasser bleibt, und das geschlagene Holz wird direkt ans Sägewerk geliefert, statt es im Wald liegen zu lassen.

Weitere Schäden sind vorprogrammiert

Zudem können größere Mengen Holz an Albstadts Nasslagerplatz bei der Kläranlage zwischengelagert werden. Dennoch, bedauert Klaus Richert, prognostizieren Fachleute rund 100.000 Euro Schäden im Lauf des Jahres.

Diesen Artikel teilen: