Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Haigerloch

Meister Adebar soll wieder heimisch werden: Der Nabu will Störche auch nach Haigerloch locken

03.03.2020

von Andrea Spatzal

Meister Adebar soll wieder heimisch werden: Der Nabu will Störche auch nach Haigerloch locken

© Volker Bitzer

Auch in Haigerloch sollen bald Störche brüten. Der Horst wartet schon.

Nachdem sich nach 70 Jahren wieder Weißstörche auf dem Weilheimer Kirchturm niedergelassen haben, wollen die Tierschützer auch die Felsenstadt zum Domizil machen.

Störche für Haigerloch“ heißt das neue Projekt des Nabu Haigerloch. Den Ausschlag gab das Weißstorch-Paar das sich 2017 erstmals auf dem Kirchturm in Hechinger Stadtteil Weilheim niedergelassen hat (siehe dazu unseren Bild-Artikel oben) und seitdem jedes Jahr wiedergekommen ist und auch Junge großziehen konnte. Auf der Zollernalb hat es 70 Jahre keine Störche mehr gegeben. Inzwischen werden Weißstörche auch im Haigerlocher Raum gesichtet.

Suche nach geeigneten Nistplätzen

Das rief den Nabu auf den Plan. Um auch Haigerloch für Meister Adebar attraktiv zu machen, hielt man in nächster Umgebung Ausschau nach geeigneten Nistplätzen mit den dazugehörigen Nahrungsgebieten. Dabei kam spontan der Haigerlocher Stadtteil Hart ins Spiel.

Auf dem Kirchturm

Der Ort besitzt einen geeigneten Kirchturm – oder als Alternative das Rathaus – sowie auch großflächige und feuchte Wiesen in Richtung Salenhof, dachten sich die Nabu-Mitglieder und machten sich ans Werk. Was sie zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten: Die Suche geriet zu einer kleinen Odyssee.

Pfarrgemeinderat sagt Nein

Wie Nabu-Vorsitzender Herbert Fuchs im Infoschreiben an die Mitglieder berichtet, habe man sich zuerst beim Pfarrgemeinderat eine „klare Absage“ geholt. Bei Ortsvorsteher Dr. Thomas Bieger und dem Ortschaftsrat von Hart fiel der Vorschlag, eine Storchen-Nisthilfe auf dem alten Rathaus anzubringen, hingegen auf Zustimmung.

Expertin hat andere Objekte im Blick

Allerdings hat gleich anschließend eine Ortsbesichtigung mit Ute Reinhard, der Storchen-Beauftragten des Regierungspräsidiums Tübingen, ergeben, dass sich weder der Kirchturm noch das Rathaus in Hart für das Projekt eignen. Der Grund: Beide Gebäude können von Westen her nicht gut angeflogen werden. Mit einem Blick sah die Expertin jedoch, welches Gebäude in Frage käme: Ein Wohnhaus im Kirchwiesweg. Die junge Familie, die das Haus bewohnt, zeigte sich einverstanden.

Rechtliche Hürden

Rechtliche Hürden

Aber dann tauchten laut Herbert Fuchs so viele Fragen zur technischen und rechtlichen Umsetzbarkeit auf, dass jetzt der letzte „Anker“ ins Spiel kommt: Der Nabu wie auch der Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Bayern gehen in den letzten Jahren immer mehr dazu über, künstliche Storchenhorste unmittelbar in oder zumindest am Rand von Nahrungsgebieten anzulegen.

Dieses Modell soll nun auch in Haigerloch greifen. Ausgeguckt hat man sich das Gelände der Gärtnerei Fechter und die Inhaberfamilie zeigte sich sofort bereit, das Storchen-Projekt zu unterstützen.

Horst auf Holzmast

Der Plan stand fest: Ein zirka neun Meter hoher Holzmast auf einem Betonfundament sollte mit einem verzinkten Metallkorb als Nestunterlage versehen werden. Bei der praktischen Umsetzung bekam der Nabu Haigerloch vielfache Unterstützung: Der Nabu- Kreisverband trat LPR-Mittel (Landschaftspflegerichtlinie) vom Landratsamt ab, die Haigerlocher Firmen Schwörer und Edauer unterstützten aktiv die Bauarbeiten und die Stadt Haigerloch ließ über den zuständigen Förster eine schöne Weißtanne bereitstellen. Den Rest besorgten die fleißigen Hände einiger Nabu- Mitglieder.

Horst ist bezugsfertig

Der Storchenhorst wäre nun also bezugsfertig – und man hofft auf den einen oder andere Storch, der noch auf Wohnungssuche ist und sich in Haigerloch niederlassen möchte.

Ortswechsel nach Hechingen

Nur wenige Tage nach der Ankunft des ersten Storches auf dem Weiheimer Kirchturm, ist nun auch das Partnertier eingetroffen. Die Störche haben in dem idyllischen Dörfchen bereits eine große Fangemeinde. An der Fasnet wurde Meister Adebar extra ein Mottowagen mit Umzug gewidmet. Jetzt freuen sich die Weilheimer schon auf die nächsten Storchenbabys.

Warten auf Storchen-Nachwuchs

Es ist das vierte Jahr mit einem brütenden Storchenpaar auf dem Turm der St.-Marien-Kirche. Bereits im vergangenen Jahr war der Tisch für die gefiederten Gäste reich gedeckt, nachdem ein Biotop angelegt worden ist. Beide Tiere sind groß und kräftig und sind schon eifrig mit der Nestpflege beschäftigt.

Milde Winter helfen mit

In ganz Deutschland wird die frühe Ankunft der Störche registriert. Dem milden Winter wird es zugeschrieben, dass Störche und auch Kraniche so früh aus ihren Winterquartieren zurückkehren. Spanien war lange eines der Hauptüberwinterungsgebiete der Vögel. Inzwischen fliegen sie oft nur noch bis Frankreich oder bleiben auch ganz in Deutschland.

Diesen Artikel teilen: