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Balingen

Revolte-Bilanz: Frommerner Streetart-Ausstellung ist für Balingen eine gelungene Weltpremiere

07.09.2019

von Silke Thiercy

Revolte-Bilanz: Frommerner Streetart-Ausstellung ist für Balingen eine gelungene Weltpremiere

© Silke Thiercy

Hausherr Frank Türke und Kurator Roman Passarge (hintere Reihe Mitte) waren an einem der letzten Ausstellungstage dabei, als kleine Künstler große Wände gestalteten.

Sie sind bunt, bewegend und anders: Elf Wochen lang waren in der Frommerner Schwelhalle Graffitis aus aller Welt und von den Großen der Szene zu sehen. Am Sonntag dreht Veranstalter Frank Türke den Schlüssel ein letztes Mal um – und zieht eine positive Bilanz.

Über 7000 Besucher, darunter viele „Wiederholungstäter“ zählen Frank Türke und das fast 70-köpfige Team der „Revolte!“ nach elf Wochen. Damit liegen sie knapp hinter den Zahlen der WorldPressPhoto-Ausstellung in der Zehntscheuer.

Türke ist hoch zufrieden: „Wir liegen versteckt, die Tickets waren teurer.“ Und er sagt: mit den jetzigen Erfahrungen aufzuhören wäre schade. Ob es freilich eine Neuauflage in Balingen gibt, das müsse er jetzt erst einmal sacken lassen.

Gelohnt hat es sich schon jetzt

„Das war ganz klar nichts zum Geld verdienen.“ Frank Türke lacht. Seine Augen strahlen, wenn er die vergangenen fast zwei Monate und die lange Vorbereitungszeit Revue passieren lässt. Ob die Ausgaben reingekommen sind, das weiß der Inhaber des Atelier Türke erst nach Torschluss.

Gelohnt aber hat sich die ganze Maloche schon jetzt, sagt er. Schließlich habe das Thema Revolte, also Widerstand genau das Konzept von „Freiraum“ getroffen, eines seiner Herzensprojekte. „Wir fördern die Kreativität.“

Kinder mit Mundschutz

Ein Beispiel dafür findet zum Bilanzgespräch im urban angelegten Biergarten („Hier fühlt man sich wie in einem Berliner Innenhof“) direkt hinter dem Rücken von Frank Türke und Kurator Roman Passarge statt.

Ein halbes Dutzend Kinder tobt sich mit Mundschutz ausgerüstet an Holzwänden aus. Über 20 solcher Workshops wurden in Frommern angeboten. Dazu kommen weit über 100 Führungen. Die meisten davon bestritt Passarge.

Das größte Wandgemälde im süddeutschen Raum

„Aus kuratorischer Sicht war das für die Kunststadt Balingen etwas ganz besonderes.“ Passarge nickt bekräftigend. Immerhin war dieses Konzept, Kunst von der Straße an einem Ort zu bündeln, eine Weltpremiere, das viel Beachtung nicht nur in der Szene fand.

„Ein tolles Nebenprodukt ist das größte Wandgemälde im süddeutschen Raum“, bilanziert der Kurator und meint damit den quietschgrünen Drachen aus der Ideenkiste des Künstlers WON ABC, der erst vor wenigen Tagen zur Podiumsdiskussion in die von ihm gestaltete Schwelhalle gekommen war.

Frommern ist drei Mal im Fernsehen

Türke und Team haben es geschafft, dass Frommern drei Mal im Fernsehen war. Und dass die Ausstellung weltweit Beachtung fand. Die Schwelhalle ist nicht die letzte Station.

Es gab sogar eine Anfrage aus Indonesien, wie Passarge, der in Schramberg lebt, verrät. Jetzt aber sind erst einmal weitere Standorte in Deutschland und dem europäischen Ausland im Gespräch. Welche? Der Kurator zwinkert mit den Augen – und schweigt.

Nicht mehr still ist Roman Passarge, wenn er seinen Rückblick als Kurator und Guide hät. „Wir haben die Menschen intellektuell und emotional erreicht“, weiß er. Sein schönster Moment? Als ein Besucher erkannte: „Das ist ja richtige Kunst.“

Eine schnell lebende Kunst

Und dann fällt ihm noch eine Anekdote ein von erschrockenen Besuchern. Die Ausstellung ist untermalt mit urbanem Sound. Man fühlt sich nicht nur auf den Augen, sondern auch auf den Ohren wie in einer Großstadt. Irgendwann rauscht dann sehr real ein Zug heran. Aus dem Lautsprecher. „Und immer wieder haben die Leute erschrocken geschaut, wo denn in der Halle die Bahngleise sind.“

Viele lokale Sprayer haben sich in den Fotografien ihrer Werke wiederentdeckt – und waren stolz, Teil der „Revolte!“ zu sein. Was mit den Werken der jüngsten Künstler wird, die die Spanplatten im Garten gestaltet haben? „Die kommen weg“, gesteht Türke.

„Aber das ist ja das Schicksal von Graffiti.“ Eine bunte, besondere und manchmal schnell lebende Kunst eben. Vielleicht aber sind sie auch noch einmal zu sehen – bei der zweiten Auflage einer weltweit einzigartigen Ausstellung in der Kunsts

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