Nusplingen

Flexibel wie ein Kartenhaus: Kirchturmsanierung in Nusplingen ist auf der Zielgeraden angekommen

21.11.2023

Von Sabrina Graf

Flexibel wie ein Kartenhaus: Kirchturmsanierung in Nusplingen ist auf der Zielgeraden angekommen

© Sabrina Graf

Der Nusplinger Kirchturm ist derzeit noch von einem Gerüst umgeben.

Das höchste Bauwerk Nusplingens wird derzeit saniert. Im Juni starteten die umfassenden Sanierungsarbeiten, die sowohl die Innen- und Außenwände als auch die Stahlbetondecken betreffen. Nach mehreren unvorhergesehenen Zwischenfällen befindet sich die Kirchturmerneuerung nun auf der Zielgeraden. Ein Überblick darüber, was konkret gemacht wurde, sowie über den aktuellen Stand der Baustelle.

Mit einer Höhe von 31,10 Metern stellt der Glockenturm der Kirche „Maria Königin“ das höchste Bauwerk Nusplingens dar. Im Dezember 1958 erfolgte die Einweihung des damals neu erbauten Gotteshauses. Franz Häring, der für die aktuelle Sanierung zuständige Architekt, erzählt fasziniert von der Einzigartigkeit des Bauwerkes. Der Turm habe zu seiner Bauzeit als echtes Architekten-Novum gegolten.

Einzigartige Konstruktion

Bis heute staune so mancher Statiker über die Konstruktion. Denn der Aufbau des Turms gleiche dem eines Kartenhauses. So sei der Turm besonders flexibel und könne sich bei Bodenerschütterungen mitbewegen. Im Laufe der Jahre habe jedoch der Zahn der Zeit stark an dem Kirchturm genagt, sodass nun – rund 65 Jahre nach der Einweihung – eine umfassende Sanierung unumgänglich war.

Grund hierfür war in erster Linie der kritische Zustand der Stahlfassaden und -betonbauteile. Denn Wasser, das über die Jahre hinweg unter anderem durch die Schall-Lamellen hindurch eingedrungen war, habe dem Beton stark zugesetzt, wie Architekt Häring erklärt. Im Rahmen einer betontechnologischen Untersuchung wurde die Sanierungsbedürftigkeit sowohl der Innen- als auch der Außenwände sowie der Stahlbetondecken festgestellt.

Im Juni ging es los

Im Juni dieses Jahres starteten dementsprechend umfassende Sanierungsarbeiten. Es erfolgten weitreichende, fachmännische Betoninstandsetzungen und Beschichtungen der Decken und Wände. Ziel war es dabei, die Dauerhaftigkeit sicherzustellen und bei den Decken auch die Tragfähigkeit gewährleisten zu können.

Weiterhin erfolgte eine Erneuerung der Kirchturmuhr sowie ein Austausch der morschen Schall-Lamellen und der zugehörigen Holzrahmen in der Glockenstube. Auch das Vordach an der Südseite des siebengeschossigen Bauwerkes wurde erneuert.

Unvorhersehbare Aufgaben

Doch damit nicht genug. Während die ohnehin schon umfangreichen Arbeiten in vollem Gange waren, ergaben sich mehrere weitere Baustellen, mit denen im Vorfeld nicht zu rechnen war. So sorgten eine marode Unterkonstruktion im Glockenstuhl, stark korrodierte Stahlstützen und ein rostiges und wackeliges Turmkreuz für zusätzliche, unvorhergesehene Maßnahmen. Dies führte zur Verlängerung der ursprünglich geplanten Bauzeit.

Nun befindet sich das Vorhaben aber endlich auf der Zielgeraden. Die Betonsanierung an den Außenwänden ist bereits abgeschlossen. Vor Kurzem konnte außerdem – mithilfe eines speziellen Krans – die Erneuerung des Kreuzes auf der Spitze des Giebeldachs fertiggestellt werden. Der Mittelteil des Kreuzes wurde dabei durch eine spezielle Kupferlegierung ersetzt, die dem Architekten zufolge wesentlich länger halten werde als die ehemalige Vergoldung.

Noch mal „Vollgas“ im Dezember

Im Turminneren werden derzeit noch einzelne Arbeiten ausgeführt, die voraussichtlich Anfang Dezember abgeschlossen sein werden. Anschließend werden noch sämtliche Stromzuleitungen erneuert und das Schlagwerk der Turmuhr kann wieder in Betrieb genommen werden. Nach dem Abbau des Gerüstes wird im Dezember außerdem noch der Oberflächenbelag beim Treppenzugang wiederhergestellt, soweit es die Witterungsverhältnisse zulassen.

Finanziert durch Zuschuss und Spenden

Der Großteil der Sanierung ist somit geschafft, sodass der Kirchturm schon bald wieder in neuem Glanz erstrahlen kann. Finanziert werden die umfangreichen Arbeiten neben einem Zuschuss aus Rottenburg auch durch den Erlös des erst kürzlich stattgefundenen Kirchengemeindefestes und durch weitere Spenden.

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