Balingen

Es fehlt das Geld für neue Räume: Im Balinger Frauenhaus ist es eng geworden

11.02.2024

Von Gert Ungureanu

Es fehlt das Geld für neue Räume: Im Balinger Frauenhaus ist es eng geworden

© picture alliance/dpa

Die Zahl an schutzsuchenden Frauen steigt. Das Frauenhaus sucht daher dringend neue Räumlichkeiten.

Die Zahl der Schutzsuchenden nimmt zu, die Zahl der Plätze ist hingegen begrenzt: 50 müssten es im Zollernalbkreis sein, 18 gibt es de facto. Die Suche nach einer passenden Immobilie geht weiter.

In den acht Zimmern des Balinger Frauenhauses sind derzeit acht Frauen und zehn Kinder untergebracht. Zudem gibt es zwei Gemeinschaftsräume, eine Küche und jeweils ein Bad mit Toilette je Stockwerk. Vor allem am Morgen, wenn die Kinder zur Schule oder in den Kindergarten müssen, wird es da ziemlich eng.

„Eigentlich sollte es Frauen- und Kinderschutzhaus heißen“, erklärten zwei Mitarbeiterinnen im Schul-, Kultur- und Sozialausschuss des Kreistags. Aus Sicherheitsgründen wollen sie ihre Namen nicht in der Zeitung lesen. Zum Selbstschutz. Genau wie sie nicht wollen, dass die Adresse des Frauenhauses bekannt wird.

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Zum Schutz der Frauen, die daheim Opfer physischer oder psychischer Gewalt geworden sind und mit ihren Kindern hier Schutz suchen. Deren Zahl nehme zu. Die beiden Frauen stellten die vielfältigen Angebote ihrer Einrichtung vor, die von Begleitung und Beratung über die Entwicklung von neuen Lebensperspektiven bis hin zum Stellen von Anträgen und zur Unterstützung im Umgang mit den Behörden reichen.

Haus nicht mehr zeitgemäß

Das Haus, sagten sie, sei nicht nur zu klein, sondern auch nicht mehr zeitgemäß. Unter anderem seien die Treppen viel zu steil – etwa für eine schwangere Frau oder eine Person mit Behinderung. Insgesamt sei das Haus nicht barrierefrei, die Duschen und Toiletten viel zu klein.

Ziel sei es nun, die Einrichtung um vier bis sechs Plätze aufzustocken. Schon seit längerer Zeit sei man auf der Suche nach einer geeigneten Immobilie, die angemietet werden könne. Aber man sei bisher nicht fündig geworden.

Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln

Unter anderem müsse das Haus mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein, denn die Frauen, die hier Schutz suchten, seien auf Bus und Bahn angewiesen. Daher habe man die Suche auf Balingen, Geislingen, Hechingen, Bisingen und Albstadt eingegrenzt.

Zwei Objekte in Zillhausen, die dem Frauenhaus angeboten worden seien, habe man ablehnen müssen, „weil es am Wochenende keine Busverbindung gibt“. Allein im vergangenen Jahr habe man acht Objekte angeschaut, zum Teil seien es aber keine seriösen Angebote gewesen.

Wie viele Betroffene es im Zollernalbkreis gibt, ist schwer zu sagen, denn die Frauen, die im Balinger Frauenhaus Schutz finden, kommen meist von auswärts. Zum Teil kämen nach zwei oder drei Jahren Rechnungen aus anderen Landkreisen, sagte Sozialdezernent Georg Link.

Schwierige Haushaltsberatungen

Landrat Günther-Martin Pauli weiß, dass es Handlungsbedarf gibt. Er verwies aber auf die schwierigen Haushaltsberatungen, die im laufenden Jahr kaum Spielraum ließen. 2025, sagte er, werde man noch einmal darüber beraten.

Pauli schlug aber vor, die Bürgermeister aus den Städten und Gemeinden im Kreis zu einer Informationsveranstaltung einzuladen und um Mithilfe zu bitten bei der Suche nach einem größeren Haus.

Auf die Frage von Magdalena Dieringer (Freie Wähler), wie ein Neubau finanziert werden könne, erklärten die beiden Frauenhausmitarbeiterinnen, dass schon zweimal ein Förderantrag gestellt – und abgelehnt worden sei: „Wir hatten schon ein reserviertes Grundstück und einen Architekten, aber es war kein Geld mehr da. Und das Förderprogramm wird nicht neu aufgelegt.“

Nicht die Hausaufgaben der anderen machen

„Wir helfen, wo wir können“, versprach der Landrat, räumte aber ein: „Nicht alles, was schiefläuft, kann die Gesellschaft auffangen oder richten.“ Und verwies darauf, dass die Frauen, die im Frauenhaus Schutz finden, aus anderen Landkreisen kämen, „und wir wollen nicht für andere die Hausaufgaben machen“.

Den Vorschlag von SPD-Kreisrätin Angela Godawa, die unterfinanzierten Beratungsleistungen von derzeit 15 auf künftig 35 Euro aufzustocken, wolle man „wohlwollend aufgreifen und in den nächsten Haushalt einbringen“.

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