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Zollernalbkreis

Die Crux mit der Statistik: Wie viele Corona-Infizierte gibt es?

22.03.2020

Von Michael Würz

Die Crux mit der Statistik: Wie viele Corona-Infizierte gibt es?

© H_Ko - stock.adobe.com

Die Dunkelziffer ist hoch. Auch weil überhaupt nur ein „bestätigter Fall“ werden kann, wer getestet wird.

Die täglichen Fallzahlen stoßen auf großes Interesse. Doch sie sind mit Vorsicht zu genießen – wie ein aktueller Vorfall nachdrücklich zeigt.

Per Fax informierte ein baden-württembergisches Labor jetzt Ärzte und Gesundheitsbehörden: Weil im Labor ein chemischer Stoff für die Untersuchung ausgegangen ist, sei die Analytik eingereichter Proben nicht mehr durchführbar. Das Labor schreibt im Einzelfall: „Falls bei dem Patienten eine Untersuchung auf SARS-CoV-2 noch indiziert ist, senden Sie uns bitte eine neue Probe zu.“

Labor soll sich erst nach Tagen gemeldet haben

Die Bild-Zeitung, die am Sonntagabend zuerst über den Fall berichtet hatte, schreibt von etwa 2000 Patienten, deren Proben liegen geblieben seien. Pikant: Das Labor soll den Notstand erst nach mehreren Tagen kommuniziert haben. Am Sonntag tagte deshalb ein Krisenstab im baden-württembergischen Sozialministerium, das den Vorfall gegenüber bild.de bestätigte. Markus Jox, Sprecher des Ministeriums, lässt sich mit dem Satz zitieren: „Es geht um Proben aus den vier Landkreisen Friedrichshafen, Ravensburg, Biberach und Tübingen.“

Auch der Zollernalbkreis arbeitet mit dem Labor zusammen

Doch auch Proben aus dem Zollernalbkreis wurden an das betroffene Labor gegeben. Das bestätigte Marisa Hahn, Sprecherin des Landratsamts, unserer Zeitung am Sonntag. Ob und gegebenenfalls wie viele Patienten im Kreis betroffen sein könnten, war am Abend jedoch nicht mehr in Erfahrung zu bringen.

Am Wochenende sind die Fallzahlen besonders verzerrt

Ohnehin braucht es aber gar keine derart große Panne im Labor, um die Zahl der Covid-19-Fälle kritisch zu betrachten. Besonders verzerrt sind diese beispielsweise am Wochenende, weil da – wie auch im Zollernalbkreis – zahlreiche Gesundheitsämter ihren aktuellen Stand nicht melden. Das heißt: Ein Rückgang in der Kurve entpuppt sich schnell als Wochenendphänomen.

Die Zahlen differenzieren extrem stark

Aber auch auf die Datenbasis kommt es an: Das Robert-Koch-Institut etwa meldete am Sonntagabend um 21.30 Uhr bundesweit 18.610 Fälle – tatsächlich ein längst überholter Stand, wie das Institut stets selbst betont.

Die John-Hopkins-Universität in den USA, die bestätigte Fälle in Echtzeit registriert, zählte zu diesem Zeitpunkt in Deutschland bereits 23.974 bestätigte Fälle. Und Risklayer, ein spezialisiertes Unternehmen in Karlsruhe, das für den Berliner „Tagesspiegel“ rund um die Uhr Fälle zusammenträgt: 28.607.

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