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Stetten a.k.M.

Folteropfer im „Lager Heuberg“ in Stetten: Stolperstein erinnert an Salomon Leibowitsch

03.11.2019

Von Susanne Grimm

Folteropfer im „Lager Heuberg“ in Stetten: Stolperstein erinnert an Salomon Leibowitsch

© Susanne Grimm

Vor einem kleinen Kreis an Gästen setzte der Künstler den ersten "Stolperstein" auf militärischem Gelände.

Vor einem kleinen Kreis geladener Gäste hat der Künstler Gunter Demnig am Samstag im Kasernenbereich „Lager Heuberg“ für den dort von den Nationalsozialisten ermordeten Salomon Leibowitsch einen „Stolperstein“ gesetzt.

Damit ist zum ersten Mal ein solcher Mosaikstein der menschlichen Untaten in einer militärischen Liegenschaft gesetzt worden. Der Kommandant des Truppenübungsplatzes Heuberg, Oberstleutnant Udo Eckbrett, auf dessen Einladung der Künstler des dezentralen Mahnmals gekommen ist, unterstrich die Bedeutung dieses Akts in mehrfacher Hinsicht.

Erinnerung an einen sinnlosen Tod

Zum einen soll mit diesem Mahnmal der sinnlose Tod des so grausam Ermordeten immer daran erinnern, dass Herkunft, Glaube und Überzeugung eines Menschen niemals die Rechtfertigung für dessen „Auslöschung“ sein darf.

Folteropfer im „Lager Heuberg“ in Stetten: Stolperstein erinnert an Salomon Leibowitsch

© Picasa

So sieht der Gedenkstein für Salomon Leibowitsch aus.

Und zum anderen: „Dieser Stein soll deutlich machen – wir, die Bundeswehr, hat keinen Platz für rechtsradikales Gedankengut!“, so Eckbrett.

Oberstleutnant Udo Eckbrett gab einen Einblick in die Geschichte

Er gab den Anwesenden einen kurzen Einblick in das Leben des 1885 in der Ukraine geborenen Salomon Leibowitsch, der am 9. September 1933 an den Folgen der Folterungen im Gebäude 21 des Lagers Heuberg verstarb. Vor diesem Gebäude fügte nun der Künstler Gunter Demnig den Erinnerungsstein Leibowitschs in den durch über 100 Jahre militärisch genutzten und dadurch steinhart verdichteten Boden ein.

Über 70.000 Mahnmale in ganz Europa

Über 70.000 der patentrechtlich geschützten „Stolpersteine“ hat Demnig bereits europaweit verlegt, wobei jede Geschichte der auf diese Weise Gewürdigten neue und oft total unbekannte Aspekte der NS-Vergangenheit zutage gefördert haben, so der Künstler, der mit diesem Projekt 1992 begonnen hatte.

Folteropfer im „Lager Heuberg“ in Stetten: Stolperstein erinnert an Salomon Leibowitsch

© Picasa

Der Künstler Gunter Demnig setzte bereits zahlreiche der Mahnmale.

„Ich hatte nie geglaubt, dass das derartige Kreise ziehen würde“, erzählte Demnig, „mittlerweile sind die Stolpersteine zu meinem Lebenswerk geworden“.

Der Künstler ist viel unterwegs

An rund 290 Tagen des Jahres sei er unterwegs, um der Nachfrage Herr zu werden. Rund 53.000 Steine sind in deutschen Städten und Gemeinden gesetzt worden, der Rest in derzeit 25 weiteren Ländern Europas und Russlands.

Maximal 440 Steine im Monat

Der 1947 in Berlin geborene Künstler hat rund 95 Prozent der bisher platzierten Steine selbst gesetzt, jedoch könne pro Monat maximal 440 Steine hergestellt und verlegt werden. Er habe sich bewusst für das Individualkonzept entschieden, denn die Nazis haben Menschen in Massen ermordet, er wolle keine Massenverlegung, um der damaligen Massenvernichtung etwas entgegen zu setzen.

Jedes Schicksal bewegt von Neuem

Deswegen sei die Verlegung keine Routine, jedes Schicksal bewegt „und soll bewegen“. So glich auch das Setzen des Steins für Salomon Leibowitsch einem bewussten Ritual, das Demnig mit Sorgfalt und ruhiger Kraft, gleichsam als würdevolle Beerdigung, vollzog.

Die Steine sollen den Opfern die Würde wieder geben

In einem Gespräch berichtete er, dass der 75.000 Stein am 29. Dezember in Memmingen verlegen wird und zwar „vor dem Haus des dortigen AfD-Vorsitzenden“. Und das Gute daran sei, „er kann sich nicht dagegen wehren“. Das sagte Demnig ohne jede Häme, war ganz fokussiert auf jene Person, der er mit dem Stein seine Persönlichkeit und Würde zurückgeben will, unabhängig davon, wer heute in dem Haus des zu Tode Gekommenen wohnt.

Markus Klotz wurde auf das Schicksal aufmerksam

Oberstleutnant Udo Eckbrett verwies auf den Leiter der Militärgeschichtlichen Sammlung, die im Lager Heuberg in der ehemaligen kaiserlichen Offiziersspeiseanstalt angesiedelt ist. Markus Klotz sei in seiner Eigenschaft als Museumsleiter und profunder Kenner der regionalen Militärhistorie auf das Schicksal Leibowitschs gestoßen, dessen Schicksal im Gegensatz zu denen der allermeisten Ermordeten schriftlich festgehalten worden ist.

Ein würdiges Ende für diese Schreckensgeschichte

Für ihn, Eckbrett, sei dann klar gewesen, dass diese Schreckensgeschichte mit dem Setzen des Stolpersteins ein würdiges Ende und mit der Erinnerung an das, was Menschen anderen Menschen angetan haben, ein neuer Anfang gefunden werden soll.

Zahlreiche Zeugen wohnten der Zeremonie bei

Neben dem Künstler, dem Kasernenkommandanten und Markus Klotz wohnten unter anderem der Zeremonie bei: Oberstleutnant Jörg Wehrhold, Oberstleutnant Josef Rauch, Kasernenkommandant der Albkaserene, Major Markus Bugge, stellvertretender Standortältester vom Stützpunkt Kampfmittelabwehr, Andreas Lenz, Leiter des Bundeswehrdienstleisungszentrum mit Bernhard Gabler, Klaus-Dieter Halder,stellvertretender Bürgermeister von Stetten a.k.M. mit Ehefrau.

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