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Schömberg/Rosenfeld/Geislingen

Corona: Besucher bleiben in den Pflegeheimen in Schömberg, Rosenfeld und Geislingen draußen

17.03.2020

Von Daniel Seeburger, Von Rosalinde Conzelmann

Corona: Besucher bleiben in den Pflegeheimen in Schömberg, Rosenfeld und Geislingen draußen

© Rosalinde Conzelmann

Im Rosenfelder Pflegewohnhaus sind Besucher derzeit nicht erwünscht.

Die Senioreneinrichtungen in Schömberg, Rosenfeld und Geislingen befinden sich anhand der Coronakrise in Alarmbereitschaft, gerade weil sich dort viele Menschen befinden, die zu einer Risikogruppe zählen – die älteren Mitbürger. Die Mitarbeiter dort sind aber sehr gut vorbereitet und haben entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen.

Luis Martinez, Einrichtungsleiter der Seniorenpflege Schömberg, beschäftigt sich mit dem Thema Coronavirus nicht erst seit einigen Tagen. Insgesamt 70 Bewohner werden dort von 65 Mitarbeitern betreut. Schon vor mehreren Wochen hat sich dort ein Krisenstab gebildet, bestehend aus der Pflegedienstleitung, der Hygieneabteilung, der Küchenleitung, der hauswirtschaftlichen Leitung, Vertreter der Betreuungskräfte und der Leitung des ambulanten Pflegedienstes.

Frühzeitige Bevorratung

Man habe schon vor geraumer Zeit einen Pandemieplan erstellt. Dazu gehörte auch, dass man einen Vorrat an Mundschutzmasken, Einweghandschuhen, Einmalschürzen, Desinfektionsmitteln und Schutzbrillen angelegt hat.

Man habe sich ausreichend eingedeckt mit allen wichtigen Utensilien, bei denen es nun Lieferengpässe gebe. Jetzt werde nach und nach über Vormerklisten nachbestellt. Hier würden Senioreneinrichtungen bevorzugt behandelt, so Martinez.

Man habe die Hygienemaßnahmen in der Seniorenpflege nochmals verschärft: Alle Dinge, die von jemandem angefasst werden könnten, werde mehrmals täglich desinfiziert, erklärt der Einrichtungsleiter.

Alle Aktivitäten wurden schon vor zehn Tagen eingestellt

Alle Aktivitäten, die sonst von externen Personen angeboten worden sind, seien schon vor zehn Tagen vorbeugend eingestellt worden. Ebenso gemeinsame Aktivitäten mit Personen aus dem betreuten Wohnen und der Pflegestation.

Die Caféteria biete kein gemeinsames Mittagessen mehr an, die Mahlzeiten würden für das betreute Wohnen von den Mitarbeitern direkt in die Wohnungen geliefert, erklärte der Schömberger Einrichtungsleiter.

Notfallpläne für jeden Bereich

Um eventuellen Ausfällen von Mitarbeitern vorzubeugen, hat man bei der Seniorenpflege Notfallpläne für jeden Bereich erstellt, die Leitungskräfte machen schon seit zwei Wochen Homeoffice. Eventuelle längere Dienstzeiten seien eingeplant, um die Dienste zu entzerren. Dadurch solle mögliche Infektionsketten verhindert werden. Anfallende Überstunden würden ausbezahlt, so Luis Martinez.

Die Seniorenpflege stünde in engem Kontakt mit dem Betriebsarzt, dem Gesundheitsamt und dem Sozialministerium sowie mit dem zukünftigen Träger, dem Servicehaus Sonnenhalde in Münsingen.

Die Angehörigen seien informiert worden, die Besuche möglichst komplett einzustellen. Sie hätten alle verständnisvoll reagiert, sagte Luis Martinez. Im Augenblick gebe es keinen Publikumsverkehr mehr.

Keine Besuche in Rosenfeld

Auch im Pflegewohnhaus in Rosenfeld herrscht seit Montag absolutes Besuchsverbot. Heike Henninger, die die Einrichtung der Evangelischen Heimstiftung seit 15 Jahren leitet, hat eine derartige Situation noch nie erlebt, geht aber professionell damit um.

Dabei geht es ihr nicht nur um die derzeit 36 Bewohner, die geschützt werden müssen, sondern auch um ihre 40 Mitarbeiter. „Das geht zurzeit etwas unter“, sagt sie. „Sie alle haben auch Familien und müssen geschützt werden“, weist sie auf ihre Fürsorgepflicht hin.

Keine leichte Aufgabe, angesichts der Tatsache, dass keine Schutzmasken vorhanden seien. „Die Lage ist ernst“, betont die Heimchefin. Deshalb fordere sie von allen Solidarität an.

Die Heimleiterin setzt die Anweisungen der Evangelischen Heimstiftung mit Nachdruck um.

AG Corona steuert alle Maßnahmen

Das gemeinnützige Unternehmen betreibt in Baden-Württemberg über 6320 Pflegeplätze in 86 Einrichtungen und hat Anfang März eine Expertengruppe, die AG Corona eingerichtet, die alle notwendigen Maßnahmen steuert und koordiniert und gleichzeitig die zentrale Informationsstelle für alle Mitarbeiter ist.

Am Dienstag kam die Anweisung, dass ab sofort ein generelles Besuchsverbot in allen Einrichtungen gilt. Dieses gilt auch für ehrenamtliche Mitarbeiter. Ausnahmen gelten nur für Ärzte, ärztliche Therapeuten, Seelsorger und den Hospizdienst und nur nach vorheriger telefonischer Absprache mit der Hausdirektion.

Im Einzelfall gibt es Ausnahmen

In besonderen Ausnahmesituationen (zum Beispiel bei Sterbebegleitung) können im Einzelfall weitere Ausnahmen getroffen werden.

Keine Ausnahmen sind möglich für Personen, die sich in den vergangenen vier Wochen in einem Risikogebiet aufgehalten haben, bei denen ein Verdacht oder eine bestätigte Infektion vorliegt oder die Kontakt zu infizierten Personen hatten.

Corona: Besucher bleiben in den Pflegeheimen in Schömberg, Rosenfeld und Geislingen draußen

© Rosalinde Conzelmann

Im Altenzentrum in Geislingen steht für die Post eine Box bereit.

Weiter beinhaltet der Maßnahmenkatalog, dass alle Veranstaltungen abgesagt sind und auch das Café bis auf Weiteres geschlossen bleibt.

Im Pflegeheim werden weiterhin neue Kunden aufgenommen. Voraussetzung ist, dass sie symptomfrei sind, kein Verdachtsfall sind und keine Coronainfektion vorliegt.

Diese aktuellen Informationen sind auf der Website der Einrichtung eingestellt.

Haus hat eigene AG Corona

Sie habe zudem eine eigene AG Corona eingerichtet, wie Heike Henninger sagt. „Es gibt ständig neue Informationen, die müssen wir schnell umsetzen können“, sagt sie. Ihr ist es wichtig, dass ihre Mitarbeiter ständig auf dem neuesten Stand sind und dass jeder weiß, was zu tun sist.

Es ist mehr Arbeit

Die neue Situation bedeute für sie und ihr Team mehr Arbeit. „Wir rennen nur“, fasst es Henninger salopp zusammen. Sei es, weil ständig Lieferanten am Eingang stünden oder weil das Telefon klingelt.

Bewohner nehmen es mit Fassung

Gleichzeitig müssten personelle Engpässe aufgefangen werden. Die Bewohner, die zwischen 80 und 102 Jahre alt sind, kämen mit der neuen Situation zum Großteil zurecht. „Sie nehmen es mit Fassung, dass sie überwiegend nur noch in ihren Zimmern sind, denn sie haben einen Krieg mitgemacht“ , sagt Henninger.

Natürlich sei es schlimm, dass die Bewohner nicht ins Freie dürften. „Aber es muss sein“, betont sie. Dafür seien die Angehörigen nicht immer so einsichtig.

„Wir müssen solidarisch sein und es nun durchziehen“, nennt sie das Gebot der Stunde. Bis Mai sei vorerst alles zurückgefahren.

Henninger gewinnt trotz der Dramatik der Situation auch Positives ab: „Man redet wieder mehr miteinander.“

Auch in Geislinger herrscht Besuchsverbot

Auch im Geislinger Altenzentrum St. Martin, das die Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn betreibt, nehmen die Verantwortlichen die Lage sehr ernst. Auch dort gibt es ein Besuchsverbot.

„Die Landesregierung hat Pflegeeinrichtungen ein weitgehendes Besuchsverbot angeordnet. Das betrifft auch die Pflegeeinrichtungen der Stiftung. Die alten und pflegebedürftigen Menschen gehören zur höchsten Risikogruppe und sind insbesondere vor Infektionen zu schützen“, informiert die Heimleitung auf ihrer Website.

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