Balingen

Balinger Kläranlage wird für die Zukunft gerüstet

30.11.2023

von PM

Balinger Kläranlage wird für die Zukunft gerüstet

© Zweckverband

Auf dem Gelände der Balinger Kläranlage stehen einige Änderungen an. Unter anderem sollen die Nachklärbecken erhöht werden. Eine Freiland-Photovoltaik-Anlage soll helfen, beim Einkauf von Strom zu sparen.

Die Verbandsversammlung des Zweckverbands Abwasserreinigung Balingen hat getagt. Genehmigte Fördermittel und Herausforderungen aufgrund des Klimawandels waren nur zwei der abzuhandelnden Punkte.

1.081.700 Euro hat das Land dem Zweckverband für den ersten Bauabschnitt der vierten Reinigungsstufe bewilligt, wie Verbandsgeschäftsführer Markus Streich mitteilte. In diesem geht es um weitreichende Strukturverbesserungen und die Spurenstoffelimination im Mittelbereich Balingen. Vorgesehen sind Arbeiten am Pumpwerk und Rohrkanal sowie die Erhöhung des Nachklärbeckens. Der Fördersatz liegt bei 34 Prozent der Baukosten.

Der Verband hofft auf weitere Förderungen. Der Förderantrag für den zweiten Bauabschnitt ist gestellt, teilte Streich mit. Vorgesehen ist, das zweite Nachklärbecken zu erhöhen und die technische Ausrüstung zu verbessern. Die Gesamtausgaben werden auf 2,35 Millionen Euro geschätzt. Eine mögliche Förderung durch das Land könnte nach aktuellen Berechnungen bei ca. 873.000 Euro liegen.

Die aktuellen Strom- und Gaslieferverträge für die Kläranlage Balingen laufen En-de des Jahres aus, weshalb ein Vergabeverfahren in die Wege geleitet wurde. Für die kommenden beiden Jahre wurde sowohl ein Stromliefervertrag als auch ein Gasliefervertrag mit den Stadtwerken Kaiserlautern Versorgungs-AG abgeschlossen, die in der Ausschreibung die jeweils günstigste Bieterin war.

Wetterextreme als Herausforderung für die Kläranlage

Geringerer Niederschlag und Wetterextreme bedeuten auch für die Kläranlage eine Herausforderung. Dies stellte die Gewässerschutzbeauftragte des Verbandes, Karoline Renner, in ihrem Bericht für das Jahr 2022 heraus.

Auf zunehmende Wetterextreme wie Starkregen kann die Kläranlage nur reagieren, indem sie die Schleusen öffnet und somit große Mengen ungeklärtes Abwasser in die Eyach leitet. Dieses Vorgehen sei nicht zu vermeiden, könne jedoch in Zukunft mit dem sinkenden Gewässerpegel Probleme mit sich bringen weil Substanzen wie Medikamentenrückstände, Nährstoffe, Kunststoffteile und andere unerwünschte Stoffe ungefiltert ins Gewässer gelangen. „Diese Thematik wird uns die nächsten Jahre begleiten“, betonte die Gewässerschutzbeauftragte.

Der immer geringer werdende Niederschlag bereite immer mehr Probleme, so die Gewässerschutzbeauftragte: „Betrachtet man den Rückgang des Niederschlages haben wir im Jahr einen Verlust von 60 Litern pro Quadratmeter.“

Die Arbeiten auf der Kläranlage wurden im Jahr 2022 umgesetzt. Dies ist angesichts der Vielzahl an Baustellen auf der Kläranlage nicht selbstverständlich und bedeutet für das Personal eine große Herausforderung. Es konnten alle Werte eingehalten werden und die Baumaßnahmen für die wasserrechtliche Genehmigung gehen stetig voran.

Verbandsversammlung stimmt Jahresabschluss 2022 zu

Der Jahresabschluss 2022 des Zweckverbandes weist ein ausgeglichenes Ergebnis auf. Die Bilanzsumme beläuft sich auf 18.394.726 Euro, die Summe der Erträge und Aufwendungen auf 4.935.484 Euro, die Betriebskostenumlage auf 2.960.250 Euro und die Abschreibungsumlage auf 869.094 Euro.

Planungen für neue Heizzentrale schreiten voran

Außerdem wurde die Planung für den Neubau einer Heizzentrale auf der Kläranlage vorgestellt. Das beratende Ingenieurbüro „sweco“ plant ein zweigeschossiges Gebäude, zentral innerhalb des Geländes. Im Untergeschoss sollen Blockheizkraftwerke und die Heizungsanlage untergebracht werden. Im Obergeschoss befindet sich der Gasmessraum sowie die zentrale Stromversorgung. Die Kostenberechnung beläuft sich auf 925.000 Euro. Die Räte stimmten den Planungen zu. Baubeginn ist in der zweiten Jahreshälfte 2024 denkbar.

Nutzung von Sonnenenergie forciert - Solare Klärschlammtrocknung wird saniert

Um den hohen Strombedarf der Kläranlage mittels höherer Eigenproduktion decken zu können und dadurch Kosten für den Strom-Einkauf zu sparen, soll eine Freiland-Photovoltaik-Anlage auf dem Gelände errichtet werden. Die Planungen für einen ersten Bauabschnitt hat die Verbandsversammlung bereits Mitte des Jahres freigegeben.

Ergänzend sollen im Sinne einer guten Energie- und Kostenbilanz die Anlagen der solaren Klärschlammtrocknung saniert werden. Dazu muss die Anlagentechnik innerhalb des bestehenden Glasgebäudes erneuert werden. Zwei mögliche Sanierungsvarianten wurden vorgestellt. Die Empfehlung ging in Richtung eines Systems mit einfacher Verfahrenstechnik. Die Schlammverteilung und der Schlammaustrag erfolgt manuell über Radlader. Der Umbaubedarf wird so gering wie möglich gehalten, die laufenden Betriebs- und Personalkosten ebenfalls. Die Investitionskosten liegen bei knapp 800.000 Euro und sollen sich nach 5,5 Jahren rechnen. Baldmöglichst sollen entsprechende Vorlagen zur Entscheidung vorgelegt werden.

Auftrag für Abfuhr von Trockenschlamm vergeben

Im Rahmen der thermischen Verwertung von Press- und Trockenschlamm fallen große Schlammmengen an. Da damit zu rechnen ist, dass die Gasgewinnungsanlage nicht die gesamten Anliefermengen verarbeiten kann, muss gepresster und getrockneter Schlamm abgefahren werden. Der Verbandsvorsitzende Dirk Abel wurde ermächtigt, einen Abfuhrvertrag für 2024 abzuschließen. Man geht von 1400 Tonnen gepresstem Klärschlamm sowie von 400 Tonnen getrocknetem Schlamm aus, die abgefahren werden müssen. Aktuell wird mit einem Auftragsvolumen von 234.000 Euro brutto kalkuliert. Die stoffliche Verwertung des Schlamms für Rekultivierung oder Kompostierung ist aufgrund gesetzlicher Vorgaben nicht möglich.

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