Fridays for Future: Schüler demonstrieren in Balingen
Foto: Lea Irion

Balingen, 22.02.2019

Fridays for Future: 200 Schüler demonstrieren in Balingen für den Klimaschutz

Erst protestieren, dann Müll sammeln: Die Balinger Ortsgruppe der weltweiten Bewegung Fridays For Future setzte am Freitagmittag auf dem Marktplatz ein Zeichen für eine bessere Zukunft. Mit Videos und Fotostrecke.

von Lea Irion  

„Wir möchten eine Welt, für die es sich zu lernen lohnt und vor allem möchten wir eine Welt, die wir weitergeben können“, hieß es unter anderem am Freitagmittag auf dem Balinger Marktplatz.

Circa 200 Schüler aus dem Zollernalbkreis kamen um 11 Uhr während der Schulzeit zusammen, um gegen die momentane Klimapolitik zu demonstrieren und ihren Ansichten Gehör zu verschaffen.
Jeremy Ude, einer der Initiatoren der Balinger Ortsgruppe von Fridays For Future, begrüßte zunächst alle anwesenden Jugendlichen.

Insbesondere Schüler aus den Balinger Schulen waren vor Ort, aber auch junge Menschen aus Albstadt und Haigerloch reisten mit Bus, Bahn oder Fahrrad nach Balingen, um mit gutem Beispiel für den Klimaschutz voranzugehen.

Die Organisatoren hatten für die Demonstration Lautsprecher und Mikrofone des Balinger Gymnasiums ausgeliehen, um auf dem Brunnen des Marktplatzes eine Bühne für Reden zu schaffen.

Die ersten Vorträge hielten Jeremy Ude, Maximilian Löbel, Dennis Lausch und Katelynn Lohner, die zusammen mit acht weiteren Jugendlichen die Demonstration auf die Beine gestellt haben.

In ihren Reden appellierten sie an deutsche Politiker und forderten wirksamere Methoden gegen den Klimawandel, wie etwa einen schnelleren Kohleausstieg oder die Förderung des Öffentlichen Nahverkehrs, um die Straßen zu entlasten und daraus resultierend den Emissionsausstoß zu regulieren.

Der Blick von der Stadtkirche: Die Schüler formen ein großes Herz auf dem Marktplatz.
Der Blick von der Stadtkirche: Die Schüler formen ein großes Herz auf dem Marktplatz. Foto: Lea Irion

Auch Leonie Luippold und Lara Hölzel, zwei Initiatorinnen der Ortsgruppe aus Albstadt, hielten Reden und kritisierten die momentane Umweltpolitik. Zudem kommentierten die jungen Organisatorinnen abwertende Beiträge, die die Bewegung aus der Bevölkerung oder auf Facebook erhalten hatte.

„Wir hören oft, dass wir etwas Großes leisten sollen, bevor wir Dinge fordern. Aber muss man beispielsweise erst ein Haus abbezahlt haben, um Zukunft fordern zu dürfen?“, hieß es etwa als Antwort darauf.

Reaktionen fallen positiv aus

Danach lud Ude zum offenen Mikrofon ein und animierte die anwesenden Schüler dazu, spontan ihre Gedanken der Öffentlichkeit kundzutun. Das ließ sich der 13-jährige Joel Benkwitz nicht zweimal sagen und trat vor die Menge, um seine Meinung über den Klimawandel zu äußern.

Besonders das Bienensterben geht dem jungen Schüler nahe, weshalb er für mehr Tierschutz plädierte. Bernd Hempel, ein Rentner aus Weilstetten, nutzte ebenfalls die Gunst der Stunde und lobte die anwesenden Schüler für ihr Engagement und ihren Mut.

„Ich entschuldige mich bei euch für all das, was meine Generation falsch gemacht hat“, verkündete er, wofür er anerkennenden Applaus seitens der Jugendlichen erhielt. 

Nächster Protest in Planung

Außenstehende Bürger beobachteten die friedliche Demonstration. „Meine Tochter ist heute auch hier, ich finde es klasse, dass sich die Jugend hörbar macht. Ich hoffe nur, dass mehr als die Hälfte auch wirklich für den Klimaschutz hier ist“, kommentierte ein 45-jähriger Balinger das Geschehen.

„Die Jugendlichen sind eigentlich Vorbilder für uns Ältere. Ich finde es sehr gut, dass die junge Generation auf die Straße geht“, meinte eine 57-jährige Balingerin, die die Veranstaltung bis zum Schluss mitverfolgte.

„Bemerkenswert ist aus meiner Sicht, dass die Schulleitung des Balinger Gymnasiums den Schülern gewährt hat, zu demonstrieren“, sagte eine 48-jährige Bürgerin.

Schüler des Gymnasiums konnten sich durch ein Beurlaubungsgesuch der Eltern freistellen lassen, die Waldorfschule in Frommern reiste teilweise als Klasse mitsamt den Klassenlehrern an.

Das Technische Gymnasium in Balingen und das Haigerlocher Gymnasium verboten den Schülern jedoch, an der Demonstration teilzunehmen. Das hinderte einige junge Umweltaktivisten jedoch nicht daran, dennoch zum Balinger Marktplatz zu kommen. 

Die Schülerinnen und Schüler sammeln nach der Demonstration in der Innenstadt Müll auf.
Die Schülerinnen und Schüler sammeln nach der Demonstration in der Innenstadt Müll auf. Foto: Lea Irion

Am Ende der Demonstration starteten die Organisatoren noch eine Müllsammelaktion, bei der Dutzende Schüler mitmachten und die Fußgängerzone aufräumten. Für die Balinger Ortsgruppe von Fridays For Future war der Tag ein voller Erfolg.

„Wir haben nicht mit so vielen Teilnehmern gerechnet, es war überwältigend“, kommentierte Jeremy Ude. Er und die anderen Organisatoren planen bereits jetzt eine weitere Demonstration für Freitag, 15. März, an dem international für den Klimaschutz demonstriert werden soll.

Auch Workshops zum Thema Umweltschutz und ein Gespräch mit Oberbürgermeister Helmut Reitemann sind im Gespräch.

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