LUBW überprüft Holcim mit geheimen Parallelmessungen

Hausen am Tann, 24.01.2019

LUBW überprüft Holcim mit geheimen Parallelmessungen

Die Auswirkungen der Sprengungen im Kalksteinbruch auf die Gemeinde Hausen am Tann sollten unter neutralen Voraussetzungen stattfinden.

Die Sitzung des Ratshausener Gemeinderats begann am Donnerstag mit einem Paukenschlag. In der Bürgerfragestunde wollte Paul Dannecker wissen, ob in Hausen a.T. gerade Messungen wegen der Sprengungen im Kalksteinbruch auf dem Plettenberg stattfinden.

Der Ratshausener Gemeinderat beriet gestern über die Stellungnahme für das Landratsamt.
Der Ratshausener Gemeinderat beriet gestern über die Stellungnahme für das Landratsamt. Foto: Daniel Seeburger

Bürgermeister Heiko Lebherz bestätigte, dass gerade „geheime Parallelmessungen, um Holcim zu überprüfen“ stattfinden. Organisiert würden diese von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW).

Man wolle Werte verifizieren. Um neutrale Messungen gewährleisten zu können, seien diese bisher nicht öffentlich gewesen, so Heiko Lebherz.

Zwei Räte sind befangen

Der zweite Paukenschlag folgte kurze Zeit später. Bürgermeister Lebherz teilte den Gemeinderäten Andreas Koch und Stefan Häring mit, dass sie bei der Beratung über die Stellungnahme im Rahmen der immissionsschutzrechtlichen Änderungsgenehmigung für die Süderweiterung des Steinbruchs der Firma Holcim auf dem Plettenberg befangen seien.

Koch ist in der Geschäftsleitung der Christian Koch Tief- und Straßenbau, Silo- und Spezialtransporte tätig. Die beiden Gemeinderäte hatten erst eine Stunde zuvor vom Kommunalsaufsichtsamt des Landratsamts von ihrer Befangenheit erfahren.

„Das ist für mich nicht nachvollziehbar“, erklärte Koch, der vor der Beratung eine Stellungnahme abgeben durfte.

Er verwies darauf, dass die Quellschüttung am Plettenberg gewährleistet werden müsse. Man müsse aber auch die wirtschaftliche Bedeutung des Kalksteinabbaus für Ratshausen im Blick haben.

„Es ist eine sehr schwierige Entscheidung“, so Koch. Auch Stefan Häring zeigte sich überrascht über seine Befangenheit. Wasser, so erklärte er, sei eines der höchsten Güter, die die Gemeinde habe. „Wir müssen alles dransetzen, dass wir unser eigenes Wasser schützen“, führte er aus.

Bürgermeister Heiko Lebherz wies bei der Beratung der Stellungnahme darauf hin, dass vor allem das Hydrogeologische Gutachten von Holcim Mängel aufweise. Ratshausen hatte zusammen mit Hausen a.T. die Gutachten des Zementherstellers über die Standsicherheit der Plettenbergränder und das Sprenggutachten untersuchen lassen.

Vor allem die Sprengungen wurden angesprochen. Hier seien auch laut der Gutachtenprüfer alle Ergebnisse im normalen Bereich und „noch deutlich Luft nach oben“, so Lebherz.

Er verwies aber darauf, dass die Gebäude in Ratshausen durch die Sprengerschütterungen an Wert verlieren würde, selbst wenn kein direkter Schaden entsteht.

Das Landratsamt habe zwischenzeitlich die Gutachten angefordert, sagte der Bürgermeister. Er habe dort erhebliche Bedenken angemeldet und könne eine Genehmigung nicht gutheißen, wenn diese nicht ausgeräumt würden.

Die Gefahr für die heimischen Quellen sei groß, befürchtete Gemeinderat Edgar Blepp. Deshalb müsse sich Holcim an den Bezugsrechten der Gemeinden für die Hohenberggruppe finanziell beteiligen.

Die bisherige Rücklage, die noch in der Zeit von Rohrbach-Zement angelegt wurde, beträgt rund 40 000 Euro. „Das sind Peanuts“, so Blepp.

Ratshausen verlangt Rücklage

„Das Ziel ist der Erhalt der eigenen Wasserversorgung“, erklärte Heiko Lebherz. Deshalb müsse eine Rücklage geschaffen werden, die auf einem Gemeindekonto eingerichtet werde.

„Stand heute sehen das weder Holcim noch das Landratsamt vor“, so der Bürgermeister. Die Entscheidung über eine Genehmigung für die Süderweiterung liege beim Landratsamt.

„Wenn Holcim eine Genehmigung bekommt, sind wir außen vor“, sagte Lebherz. Der Gemeinderat verabschiedete die Stellungnahme an das Landratsamt, in der die Befürchtungen der Gemeinde aufgeführt sind, einstimmig.

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