Unsere Heimatmuseen: das Museum im Ebinger Spitalhof
Foto: Dagmar Stuhrmann

Albstadt-Ebingen, 21.11.2018

Unsere Heimatmuseen: das Museum im Ebinger Spitalhof

Von der selbstgezimmerten Puppenstube bis zur hundertjährigen Großplattenkamera: Das 1996 eröffnete und vom Förderverein Ebinger Heimatmuseum betreute Haus im Spitalhof zeigt einen facettenreichen Längsschnitt der Kulturgeschichte des alten Ebingen. Mit Fotostrecke.

Das Ebinger Heimatmuseum wurde bereits 1926 von Hauptlehrer Paul Eith gegründet und hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Ursprünglich befand es sich im Dachstock des Ebinger Rathauses, wo es beim Bombenangriff im Juli 1944 schweren Schaden nahm. Nach dem Krieg wurde es wieder hergestellt.

Als 1975 Albstadt gegründet wurde, musste es weichen, denn der Dachstock des Rathauses wurde als Gemeinderatssaal der nun wesentlich größeren Stadt Albstadt gebraucht. Die Exponate des Heimatmuseums wurden eingemottet, die Kunstwerke fanden ein neues Domizil im evangelischen Vereinshaus, heute Kunstmuseum.

Dr. Gerd Lichtenberg präsentiert die rund 100 Jahre alte Großplattenkamera eines der Prunkstücke im Ebinger Heimatmuseum.
Dr. Gerd Lichtenberg präsentiert die rund 100 Jahre alte Großplattenkamera eines der Prunkstücke im Ebinger Heimatmuseum. Foto: Dagmar Stuhrmann

Die Jahre vergingen, und das Museum schien in Vergessenheit geraten zu sein. Erst in den 1980er-Jahren fand sich ein Förderverein Ebinger Heimatmuseum zusammen, der es schließlich schaffte, dass das Heimatmuseum 1996 in der Alten Schule im Spitalhof wiedereröffnet wurde. Zeugnisse zur politischen, religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Geschichte der Stadt werden dargestellt.

Ein Foto aus der Zeit, als in Ebingen noch Kutschen fuhren: In der Bildmitte das Gebäude, in dem heute das Heimatmuseum untergebracht ist.
Ein Foto aus der Zeit, als in Ebingen noch Kutschen fuhren: In der Bildmitte das Gebäude, in dem heute das Heimatmuseum untergebracht ist. Foto: Bildband Alt-Ebingen

Im ersten Stock sind eine Bürgerwohnung um 1900 sowie ein altes Fotostudio eingerichtet. Das Museum gibt einen Überblick darüber, was den Alltag der Menschen in vergangenen Zeiten prägte.

Es lädt zum Schauen und Staunen ein. Seit vielen Jahren werden auf beengtem Raum Schwerpunktausstellungen präsentiert, die den Besuchern Gelegenheit geben sollen, nach Belieben in die Heimatgeschichte einzutauchen und diese zu erkunden. Wer sich bereitwillig auf die kleinen stummen Zeitzeugen einlässt und lauscht, dem beginnen sie faszinierende Geschichten aus der Historie Ebingens zu erzählen.

Stumme Zeugen der Geschichte

Beim Gang durch die Museumsräume werden Erinnerungen an die eigene Kindheit wach. Als ausgewiesener Kenner der Ebinger Heimatgeschichte hat der heute 90-jährige Ernst Koch viele Jahre lang die historischen Schätze betreut. Dr. Gerd Lichtenberg, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins, hat sich mit Blick auf die Neukonzeption, die derzeit für das Museum erarbeitet wird, zusammen mit weiteren Helfern daran gemacht, den Bestand zu ordnen.

Der Spielzeugladen der Geschwister Sauter gehört zu Werner Ermels Lieblingsausstellungsstücken im Ebinger Heimatmuseum. Mehr Impressionen gibt es auf zak.de.
Der Spielzeugladen der Geschwister Sauter gehört zu Werner Ermels Lieblingsausstellungsstücken im Ebinger Heimatmuseum. Mehr Impressionen gibt es auf zak.de. Foto: Dagmar Stuhrmann

Ein Ziel ist es, das Museum verstärkt auch für die Jugend attraktiv zu machen. „Ausgehend von der heutigen Lebenswirklichkeit, ist es gerade für junge Menschen wichtig zu sehen, wo wir herkommen und wie die Menschen früher lebten.“

Auch was die Mitgliederstruktur des Fördervereins angeht, wünscht sich die Vereinsführung jüngere Verstärkung. „Im Zuge der Konzeption stehen außerdem Maßnahmen zur Sicherung unserer Infrastruktur“, sagt der Fördervereinsvorsitzende Dr. Helmut Alber. „Dazu gehört die Modernisierung der sanitären Anlagen.“

Im Erdgeschoss des Museums erfahren die Besucher alles über das rege Ebinger Vereinswesen. Aber auch darüber, dass der Strom erst 1902/1904 nach Ebingen kam. Eine Errungenschaft von immenser Bedeutung, wie auch die Wasserversorgung, die seit 1889 Hausanschlüsse ermöglichte.

Im ersten Stock fühlt man sich in der gemütlich eingerichteten Bürgerwohnung ins Jahr 1900 zurückversetzt. Im nebenliegenden Raum: das Fotolabor. Willkommen in der analogen Welt, die lange bevor das Fotografieren digital wurde, in den Anfängen imposante Großplattenkameras hervorbrachte. Eine solche, Baujahr ungefähr 1920, kann das Ebinger Heimatmuseum sein eigen nennen.

Kleine Kuriositäten unter den Exponaten sind zwei Haarbilder. Diese filigranen Kunstwerke wurden einst von Friseuren aus den Haaren Verstorbener gefertigt. „Das war nicht ungewöhnlich“, erzählt Werner Ermel. Einen Schwerpunkt widmet das Heimatmuseum dem Bereich Spielzeug: Puppenstuben, Dampfmaschinen, Holzpuzzles und Kaufläden – es gibt unendlich vieles aus dem Alltagsleben zu entdecken.

„Genau diese Freude am Entdecken wollen wir bei den Besuchern wecken“, sagt Werner Ermel, der Mitglied im Fördervereinsausschuss ist. „Das ist der eigentliche Geist des Museums.“ Wer sich für Industriegeschichte interessiert, ist im Heimatmuseum ebenfalls gut aufgehoben. So erfährt man beispielsweise, dass die Karriere Theodor Groz', der gelernter Nadler war, mit einem Galanteriewarengeschäft in einem Haus am unteren Tor begann.

Info

Öffnungszeiten Das Ebinger Heimatmuseum im Spitalhof hat sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, Führungen nach Vereinbarung. Näheres: Tel. 07431/72426.

Ähnliche Museen gibt es im Zollernalbkreis noch einige: Weitere Informationen dazu gibt es auf zollernalb.com unter „Entdecken“.

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