05.10.2018

Leserbrief

Fauler Kompromiss

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Zu: Warnung vor Euphorie: Was der Dieselkompromiss für den
Zollernalbkreis bedeutet vom 3. Oktober 2018.
Man hat sich in Berlin nun also geeinigt. Oder auch nicht. Herr Irion schreibt es selbst in seinem Artikel, dass so gar nicht wirklich erkennbar ist, welche Folgen die Entscheidung der Bundesregierung haben wird. Nur eines ist offensichtlich. Der Kompromiss um die Dieselfahrzeuge ist vor allem eines: faul.
Unter diesem Gesichtspunkt ist es nur schwer nachzuvollziehen, weshalb auch nur ein Dieselfahrzeugbesitzer nun „Euphorie“, wie von Klaus Irion formuliert, empfinden sollte. Denn Dieselautos wurden einfach mal so um etwa ein Drittel entwertet und – drastisch formuliert – zwangsenteignet. Die Autohersteller wehren sich indes beharrlich gegen eine von ihnen umzusetzende Nachrüstung. Entweder sei sie nur schwer realisierbar oder gar nicht oder nur dann, wenn sich die Bundesregierung finanziell daran beteilige. Natürlich. Stattdessen bietet man gönnerhaft Umtauschprämien an. 5000 Euro will man voraussichtlich zahlen. 5000 Euro. Für die einen ist das ein Grund zur Euphorie, für etwas weniger emotionale und weitaus vorausschauendere Bürger ist das ein Affront. Denn 5000 Euro Rabatt kann man bei einem Neuwagen auch ohne den Zwang, ein plötzlich nicht mehr genehmes Dieselfahrzeug „umtauschen“ zu müssen, mit etwas Geschick aushandeln. Die Autohersteller reiben sich sicher die Hände angesichts kommender Verkäufe. Ja, sie sind wahrscheinlich diejenigen, die eine gewisse Euphorie empfinden dürften. Anders als der Bürger, der sein – in den allermeisten Fällen – noch absolut fahrtaugliches Auto abstoßen muss. Und natürlich haben auch
ausländische Anbieter ihren Hut bereits in den Ring geworfen. So will Renault Umsteigern gar 10.000 Euro anbieten. Die Spiele sind also eröffnet.
Pendler, Herr Irion schreibt es selbst, könnten dabei die absoluten Verlierer sein. Wer im Zollernalbkreis lebt und in Reutlingen arbeitet, ist eventuell gar nicht berechtigt, eine Umtauschprämie zu erhalten. Ihm wird am Ende nur eines übrig bleiben. Er muss sich ein neues Auto kaufen. Ohne Zuschüsse. Und mit massiven Verlusten.
Die großen Gewinner sind am Ende diejenigen, die diesen „Skandal“ verursacht haben: die Autohersteller und die Regierung. Die einen werden ihren Umsatz ankurbeln, die anderen werden sich über die daraus resultierende Mehrwertsteuer freuen. Und wer zahlt es? Wir, die Bürger. Wieder einmal. Davon abgesehen, dass nach wie vor im Raum steht, ob die Verbannung der Dieselautos aus unseren Städten überhaupt irgendeinen Effekt haben wird. Wenn sich, wie zu erwarten, die Werte nicht verbessern werden, wird man sicher bald einen neuen Schuldigen für die „Luftverschmutzung“ finden. Beispielsweise Benzinfahrzeuge. Denken Sie an meine Worte.
Stefan Herre MdL
Hauptstraße 41
Balingen

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