04.05.2018

Leserbrief

Die Investition sollte drin sein

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

 
Die Ausweitung der Abbauflächen bedeutet in der Summe mehr Giftstoffe. Auch dem Letzten sollte der Bericht im RTL-Nachtjournal Spezial über die „Giftschleuder Zementwerke“ die Augen öffnen, dass wir systematisch mit Einverständnis der Behörden und leider im Rahmen der gesetzlichen Regelungen vergiftet werden.
Besonders betroffen sind wir Erzinger, Endinger und auch die Bevölkerung von Balingen. Die Hauptwindrichtung kann dem Endbericht „Untersuchungen von Maßnahmen im Rahmen der Aufstellung eines Luftreinhalteplans für Balingen“ den Seiten 60-63 entnommen werden. Dort ist in Grafiken dargestellt, woher der Wind in welcher Intensität weht.
Bei den BImSchG-Verfahren und natürlich auch im Zusammenhang mit den Plänen der Zementindustrie zur nochmaligen Ausweitung der Kalkabbauflächen auf dem Plettenberg stellt der interessierte Beobachter ein unheiliges trautes Zusammenspiel zwischen der Zementindustrie und den Genehmigungsbehörden fest. Man nenne nur das Thema „Flughafengespräche“.
Das zentrale Problem besteht in den enormen Verdienstmöglichkeiten (bzw. Einsparungen) beim Ersatz „normaler“ Brennstoffe durch (Sonder-)Müll. Denn der Entsorgungspflichtige muss für die Verbrennung des Mülls in einer entsprechenden Müllverbrennungsanlage teuer bezahlen; wird er das Zeug jedoch bei einem Zementwerk los, ist das sehr viel billiger (und das Zementwerk spart die Kosten für normales Feuerungsmaterial).
Erschwerend kommt hinzu, dass die Vorschriften für die Schadstofffrachten bei Zementwerken deutlich lascher sind als bei modernen Müllverbrennungsanlagen. Eine nachvollziehbar sachliche Erklärung gibt es dafür nicht. Hier wird ein Industriezweig schlicht auf Kosten der Umwelt und der Menschen in der weiteren Nachbarschaft der jeweiligen Werke subventioniert.
Es geht nicht darum, die Zementindustrie zu verteufeln. Es geht einzig um die Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt. Bei den gigantischen Kosteneinsparungen durch die Verbrennung von Müll, sollte es Holcim doch möglich sein, die Kosten für modernste Filtertechnologie aufzubringen. Vielleicht kann sich Holcim dem Marktbegleiter Schwenk Zement AG anschließen und ebenfalls mit Hilfe des Umweltinnovationsprogramms den Ausstoß von Schadstoffen erheblich senken und damit beweisen, dass es nicht nur um Gewinnmaximierung auf Kosten der Gesundheit von Menschen und Umwelt geht.
Joachim Schairer
Ringstraße 26
Balingen

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