Bild HBW-Geschäftsführer Wolfgang Strobel im großen ZAK-Interview

Balingen, 26.01.2018

HBW-Geschäftsführer Wolfgang Strobel im großen ZAK-Interview

Nur Rang neun zur Winterpause. Der HBW Balingen-Weilstetten hat sich die zweite Liga ganz anders vorgestellt.

von Marcus Arndt  

Nach dem Abstieg aus der Handball-Bundesliga blieb der HBW Balingen-Weilstetten im Unterhaus bislang blass. Unumwunden räumt Geschäftsführer Wolfgang Strobel ein, dass das Team von Trainer Jens Bürkle hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Nach der EM-Pause drängen die Schwaben auf die Trendwende. Der sofortige Wiederaufstieg ist bei den „Galliern von der Alb“ allerdings kein Thema mehr.

 

Wolfgang Strobel (Jahrgang 1983) leitet seit Sommer 2015 die Geschäfte des HBW Balingen-Weilstetten, übernahm das Amt von Bernd Karrer. Als Spieler schaffte der Kreisläufer mit dem HBW den Durchmarsch von der Regionalliga in die erste Bundesliga. 2001 wechselte er vom SV Hausen zum damaligen Drittligisten TV Weilstetten.
Wolfgang Strobel (Jahrgang 1983) leitet seit Sommer 2015 die Geschäfte des HBW Balingen-Weilstetten, übernahm das Amt von Bernd Karrer. Als Spieler schaffte der Kreisläufer mit dem HBW den Durchmarsch von der Regionalliga in die erste Bundesliga. 2001 wechselte er vom SV Hausen zum damaligen Drittligisten TV Weilstetten. Foto: Moschkon

Herr Strobel, nach 20 Spielen rangiert der HBW Balingen-Weilstetten auf Rang neun, hat bereits satte acht Punkte Rückstand auf die zweitplatzierte SG BBM Bietigheim. Ihr Fazit?

Wolfgang Strobel: Die Hinrunde ist ohne Zweifel nicht so gelaufen, wie wir es uns gewünscht haben. Nun haben wir eine neue Situation, mit welcher wir umgehen müssen. Nach dem verpassten Verbleib in der ersten Liga waren wir uns sicher, dass wir den direkten Wiederaufstieg packen können. Doch davon sind wir sehr weit entfernt und der Aufstieg ist für uns kein Thema mehr.

Wieso nicht?

Strobel: Weil es ganz einfach nicht realistisch ist. Es wäre utopisch, ein solches Ziel für die (Rest-) Rückrunde auszugeben oder an unserer ursprünglichen Zielsetzung festzuhalten. Insbesondere wenn man unsere Leistungen gegen die Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte betrachtet.

Wie meinen Sie das?

Strobel: Wir haben kein einzi?ges Spiel gegen die Top-Klubs? gewonnen, waren in der ersten Saisonphase sehr weit weg von Coburg und Hamm. Klar, wir waren in der Folge phasenweise ebenbürtig, vielleicht sogar besser. Aber am Ende zählen Er?gebnisse – und die haben wir nicht geliefert.

Haben Sie die zweite Liga nicht ernst genommen oder ist der Kader einfach nur zu schlecht?

Strobel: Wir haben keine schlechte Mannschaft – im Gegenteil. Allerdings haben wir unser Potenzial nicht oder zu kurz auf die Platte gebracht. Einige Spieler hatten doch große Probleme, mit dem Druck umzugehen. Druck, den sie sich selbst gemacht haben, aber auch der Verein und das Umfeld. Dennoch glauben wir nach wie vor an dieses Team, das noch sehr jung ist. Vielleicht einen Ticken zu jung und zu unerfahren. Natürlich haben wir die Liga ernst genommen, aber vielleicht haben wir den Faktor „Eingespieltheit“ nicht richtig bewertet.

Das heißt konkret?

Strobel: Die Mannschaften – gerade an der Spitze – haben ganz andere Fähigkeiten als wir. Diese sind routinierter im Ablauf und auch unter Stress weniger hektisch. Gerade die letzten Spiele des vergangenen Jahres haben dies gezeigt. Wir waren immer dran, aber am Ende eben doch um ein oder zwei Tore schlechter als der Gegner. Daraus müssen wir lernen und es künftig besser machen.

Die Mannschaft hat dafür in den vergangenen Wochen intensiv gearbeitet. Wie definieren Sie die Ziele für die zweite Saisonhälfte?

Strobel: Rang neun ist natürlich nicht unser Anspruch, deshalb möchten wir in der Rückrunde so viele Spiele wie möglich gewinnen und unsere Zuschauer und Fans – vor allem in der SparkassenArena – wieder begeistern. Wichtig aus unserer Sicht ist, dass wir nun eine Entwicklung hinbekommen und Stabilität reinkriegen. Wir sind besser als der aktuelle Tabellenplatz, haben es aber verpasst, uns für unsere gute Arbeit zu belohnen.

Sonst werden auch die Planungen für die kommende Spielzeit schwierig . . .

Strobel: Wir befassen uns schon seit geraumer Zeit intensiv mit der nächsten Runde. Es wird eine schwere Aufgabe, dass wir mit einem ähnlichen Etat arbeiten können. Vieles hängt mit Sicherheit davon ab, wie wir uns in den kommenden Wochen und Monaten präsentieren . . .

Mit einem Etat von über zwei Millionen Euro zählt der HBW dann erneut zu den Branchengrößen im Bundesliga-Unterhaus. Da gibt es sicherlich noch Spielraum für Rochaden im Kader. Oder?

Strobel: Wenn wir die finanziellen Mittel haben, wollen wir nur wenige Veränderungen in der Mannschaft haben. Natürlich haben wir nach dem Abgang von Christoph Foth (spielt künftig für den HBW 2 in der 3. Liga, Anm. d. Red.) Handlungsbedarf in der Abwehr und am Kreis.

Und nicht nur da . . .

Strobel: Mit Lukas Saueressig haben wir einen interessanten Spieler mit hohem Talentfaktor im Perspektivteam, welcher nach der Stegefelt-Verletzung bereits in der Rückrunde Einsatzzeiten in der zweiten Liga bekommen soll. Aus unserer Sicht macht es nur Sinn, in der Spitze nachzulegen. Wir ha-ben sehr erfahrene Spieler in der Mannschaft, aber wie diese Runde gezeigt hat, besteht in diesem Bereich noch Handlungsbedarf.

Mit Simen Schönningsen und Valentin Spohn haben zudem zwei Spieler ab Sommer 2018 nur einen Vertrag für Liga eins, zudem laufen einige Kontrakte aus. Wann soll der Kader für die kommende Runde stehen?

Strobel: Wir sind im engen Austausch mit den Spielern, nicht nur diesen beiden, sondern mit allen. Bereits vor dem Heimspiel gegen Eintracht Hagen wollen wir erste Personalien – betreffend den aktuellen Kader – bekanntgeben. Wichtig wird sein, dass wir das Gros der Mannschaft erhalten und uns punktuell verstärken. Nachdem sich Christoph Foth verstärkt auf sein Studium konzen?triert und für den HBW 2 spielt, werden wir intensiv über seine Nachfolge nachdenken. Doch – wie gesagt – wir wollen die Mannschaft nicht breiter, sondern besser aufstellen.

Mit welchem Ziel?

Strobel: Wir wollen, dass sich die Spieler, die Mannschaft und der Verein entwickeln und alle Beteiligten daran Spaß haben.Dies ist uns in dieser Runde bisher nicht gelungen, wir sind aber von der Entwicklungsfähigkeit dieser Mannschaft dennoch überzeugt und wollen diese vorantreiben. Das muss und wird sich dann natürlich auch in der Tabelle niederschlagen.

Noch ein kurzer Ausblick auf die kommenden Spiele in Liga zwei. Was erwarten Sie gegen vermeintlich schwächere Kontrahenten?

Strobel: Es klingt abgedroschen, aber wir schauen nur von Spiel zu Spiel. Wichtig ist, dass wir konsequent an uns arbeiten und besser werden. Dann ist die Reihenfolge der Gegner eigentlich egal.

Kein markanter Umbruch geplant

Die Situation ist nicht ganz neu für die Verantwortlichen des HBW Balingen-Weilstetten – und dennoch gestaltet sich die Kaderzusammenstellung für die kommende Saison in der 2. Handball-Bundesliga schwierig.

Das hat gleich mehrere Gründe. Einige Verträge laufen aus, andere gelten nur für die erste Liga (Schönningsen und Spohn) und dann gilt es, das Team von Trainer Jens Bürkle noch punktuell zu verstärken und sinnvoll zu ergänzen. „Wir wollen den Weg weitergehen, welcher den HBW ausmacht“, betont der Sportwissenschaftler, „und Lücken im Kader aus den eigenen Reihen schließen.“ Um in der nächsten Runde vorne mitzumischen, reicht das aber nicht aus. „Wir müssen und werden in der Spitze nachlegen“, erklärt Geschäftsführer Wolfgang Strobel.

Die Protagonisten neben der Platte sind sich einig, „dass Kontinuität im Kader Priorität hat“. Deshalb wollen sie keine Leistungsträger abgeben, „und so wenig wie möglich Veränderungen haben“, wie es Strobel formuliert. Mit Christoph Foth verlieren die „Gallier von der Alb“ allerdings einen zentralen Spieler, der nur schwer zu ersetzen ist. Der Ostdorfer, welcher sich künftig verstärkt auf sein Jurastudium in Tübingen konzentrieren will, teilte seine Entscheidung am Mittwoch der Mannschaft mit. Verlassen wird der abwehraffine Kreisläufer die Kreisstädter allerdings nicht, sondern spielt künftig für das Perspektivteam der Schwaben in der 3. Liga.

Mit Markus Dangers kommt ein möglicher Foth-Nachfolger – zumindest in der Offensive – just aus diesem. „Wir müssen darüber sprechen, ob es Sinn macht, mit drei Kreisläufern in die Saison zu gehen“, sagt Strobel und verweist auf die auslaufenden Arbeitspapiere von Tobias Wagner (im Bild) und Matthias Flohr. „Es sind Entscheidungen, über die wir intensiv nachdenken“, verrät der langjährige Kapitän des Ex-Erstligisten. Der sieht ebenso Handlungsbedarf in der Abwehr und im Rückraum.

Kassierte mit Österreich drei Niederlagen bei der EM: Tobias Wagner.
Kassierte mit Österreich drei Niederlagen bei der EM: Tobias Wagner. Foto: Moschkon

Zunächst möchte der 34-Jährige zeitnah den aktuellen Kader abarbeiten, führt aber parallel Gespräche mit potenziellen Neuzugängen. Branchenüblich nennt er natürlich keine Namen, doch es gibt gleich mehrere Kandidaten. „Personal ist ein Dauerthema“, so Bürkle weiter, „Ich denke, wir drehen an den richtigen Stellschrauben, ohne alles auf null zu stellen.“

Einem markanten Umbruch nach dem verpassten Wiederaufstieg steht er kritisch gegenüber. „Wir haben viele junge Spieler mit Entwicklungspotenzial“, meint der frühere Bundesliga-Spieler, „diese wollen wir natürlich halten.“ Aber Bürkle weiß auch, „dass viel passieren kann. Aber unser Grundgedanke ist, nicht allzu viel zu tauschen, um mit einer eingespielten Mannschaft in die neue Saison zu gehen.“ Ob Keeper Tomas Mrkva nach seinen sensationellen Leistungen bei der EM in Kroatien noch dazu gehört, ist zumindest fraglich. „Wir haben bereits erste Gespräche mit ihm geführt“, sagt Strobel und fügt hin-zu: „Ich glaube, dass er sich in Balingen wohlfühlt.“

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