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Balingen

Zwei herausragende Ensembles konzertieren mit Bläsermusik der Spitzenklasse

06.10.2019

Von Thomas Meinert

Zwei herausragende Ensembles konzertieren mit Bläsermusik der Spitzenklasse

© Thomas Meinert

Zum Schluss traten die beiden Orchester gemeinsam auf.

130 Aktive Musiker aus 40 Musikvereinen sollten für einen vollen Saal sorgen, doch wer eine ausverkaufte Stadthalle erhofft hatte, wurde enttäuscht: Etliche Sitzreihen in den „Heiligen Hallen Balingens“, wie Heiko Peter Melle als Kreisvorsitzender des Blasmusikkreisverbands Zollernalb mit seinen über 17.000 Mitgliedern in über 80 Vereinen die Stadthalle bezeichnet hatte, blieben leer.

Am Start waren mit dem Verbandsjugendorchester Heilbronn und der Jungen Bläserphilharmonie Zollernalb zwei hochkarätige Ensembles, die in einem fast dreistündigen Programm symphonische Blasmusik auf höchstem Niveau boten.

Verbandsjugendorchester Heilbronn macht den Anfang

Den Anfang machte das Verbandsjugendorchester Heilbronn mit seinem Dirigenten Peter Pfeiffer. Rund 70 Musikerinnen und Musiker im Alter von 13 bis 26 Jahren aus 25 Vereinen bilden das Auswahlorchester, dessen musikalischer Leiter seit vier Jahren Chefdirigent des Musicalorchesters im Stuttgarter „Theater unter den Kuppeln“ ist und seine musikalische Ausbildung unter anderem an der Landesmusikakademie Baden-Württemberg und an der Bundesakademie in Trossingen absolviert hat.

Mit energischem Dirigat leitete er die erste Programmstunde. Den Auftakt bildeten die Randsätze aus Johan de Meijs Symphonie „The Lord of the Rings“, die den Zauberer Gandalf und die Hobbits aus Tolkiens „Herr der Ringe“ musikalisch in Szene setzen. Während im ersten Satz das hohe Blech kraftvoll dominiert und in einen reizvollen Dialog mit der aus zwei Tuben, zwei Fagotte und einem Kontrabass bestehenden Bassgruppe tritt, wechseln im bläserischen Schlusssatz marschartige mit lyrischen Melodiephrasen ab.

Viersätzige Suite

Kreisverbandsdirigent Martin Funk führte informativ durch das Programm und erläuterte den Inhalt der „Battle of Hearts“, einer viersätzigen Suite nach Motiven von Heinrich von Kleists „Käthchen von Heilbronn“, die 2014 als Auftragskomposition zum 40-jährigen Bestehen des Verbandsjugendorchesters entstand. Die Komposition lebt von ihren dynamischen Kontrasten, die vom Orchester beeindruckend interpretiert wurden. Die Sätze – mal lyrisch, mal tänzerisch, mal dramatisch bis hin zum alle Elemente vereinenden Finale – boten eine abwechslungsreiche Darbietung, deren vielfältige stilistische Anforderungen von den jungen Musikern bravourös gemeistert wurden.

Den Abschluss des Programmteils bildete die Komposition „Danzón No. 2“ von Arturo Márquez: Solopassagen von Klarinette, Oboe, Piccoloflöte, Flügel und Trompete über einem Fundament aus lateinamerikanischen Rhythmen wechseln mit Tuttipassagen und zeugten abermals vom virtuosen Können der Ausführenden.

Junge Bläserphilharmonie Zollernalb bestreitet zweiten Teil

Nach der Pause trat die Junge Bläserphilharmonie Zollernalb mit ihrem Dirigenten Johannes Nikol auf. Nikol, der neben seiner Arbeit als Orchesterdirigent auch als Chorleiter, Organist und Instrumentallehrer tätig ist, leitete die 60 Mitglieder aus 15 Musikvereinen mit akzentuiertem und gestenreichem Dirigat.

Schon beim ersten Stück – „Viva Musica“ von Alfred Reed – begeisterten die jungen Musiker mit großer Spielfreude und virtuosen Läufen. Hanna Simonis führte humorvoll durch das Programm und erläuterte die Inhalte der dreisätzigen „Suite from Hymn of the Highlands“ von Philip Sparke.

Dezenter Klangteppich

Der erste Satz beginnt mit einem kantablen Dialog von Klarinette und Fagott über einem dezenten Klangteppich der Pauken und mündet in das bekannte „Highland-Cathedral“-Thema, das sich über dem Bassfundament der vier Tuben zu einer majestätischen Klangfülle steigerte. Der ruhige Mittelsatz ist von mehreren Soli des Saxofonregisters im Dialog mit dem Schlagwerk geprägt. Der Finalsatz beginnt mit einer Trompetenfanfare, zu der sich das Trompetenregister seitlich zum Orchester positionierte.

Auf die effektvolle Suite folgte mit der „Rhapsodie for Euphonium and Concertband“ von James Curnow ein Solowerk, bei dem Solist Stefan Bitzer sowohl im getragenen Anfang mit seinen langen Melodiephrasen als auch im lebhaften Schlussteil mit seinen raschen Läufen brillierte. Lautmalerisch wurde es mit der Komposition „Jungle“ von Thomas Doss, bei dem die Instrumentalisten auch vokal gefordert waren: Das Brüllen von Elefanten und Affen, Vogelgezwitscher, Monsunregen oder der Eingeborenengesang von Kannibalen – die vielfältigen Elemente der Komposition wurden vom Orchester professionell in Szene gesetzt und unter dem souveränen Dirigat Nikols in lebendiger Agogik vorgetragen.

Publikum fordert Zugabe

Das Publikum forderte eine Zugabe, und mit dem bekannten Filmtitel „Ein Freund, ein guter Freund“ im Arrangement von Joachim Lepping begeisterte das Posaunenregister nicht nur im fetzigen Bigband-Sound, sondern auch als Männerchor.

Anschließend vereinten sich beide Orchester zu einem monumentalen Klangkörper: „Mountain Wind“ von Martin Scharnagel erklang unter dem Dirigat Peter Pfeiffers in fulminanter Fülle, bevor Johannes Nikol mit dem Marsch „Memories of Friendship“ von Satoshi Yagisawa den beeindruckenden Beweis lieferte, dass auch ein Riesenorchester mit einem schlanken und transparenten Klang in spielerischer Leichtigkeit und dynamisch differenziert musizieren kann.

Thomas Meinert

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