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Zollernalbkreis

Zollernalb-Klinikum in der Coronakrise: Bei diesem Verlust wird‘s nicht bleiben

22.07.2020

von Sabine Hegele

Zollernalb-Klinikum in der Coronakrise: Bei diesem Verlust wird‘s nicht bleiben

© Sabine Hegele

Im Wolfgang-Grupp-Saal der Burladinger Stadthalle fand am Montagabend die jüngste Sitzung des Kreistags statt – mit einer gewichtigen Tagesordnung.

Das Jahresergebnis des Zollernalb-Klinikums hat sich 2019 um 1,5 Millionen Euro verschlechtert. Trotzdem steht der Kreistag hinter der Klinik und vor allem hinter deren Personal.

Das Zollernalb-Klinikum schreibt weiter „rote Zahlen“ (O-Ton Martin Frohme, SPD). So weist es untrüglich das Jahresergebnis für 2019 aus: Es hat sich gegenüber dem Vorjahr um 1,583 Millionen Euro verschlechtert und bewegt sich damit bei minus 5,433 Millionen Euro.

Manfred Heinzler, Kaufmännischer Geschäftsführer, und Dr. Gerhard Hinger, Vorsitzender Geschäftsführer, sprachen in der Sitzung des Kreistags am Montagabend in Burladingen nicht von ungefähr von einem „sehr schwierigen Jahr 2019“.

Qualitätsoffensive kostet Geld

Allerdings seien im vergangenen Jahr auch kostenintensive Schritte im Rahmen der strukturellen Qualitätsoffensive erfolgt, um das Klinikum zum Beispiel in den Bereichen Pädiatrie, Palliativ- und Lungenmedizin weiter zu entwickeln.

Dennoch wollten Hinger und Heinzler das Ergebnis nicht schön reden: „Wir sind von der Zielrichtung abgewichen.“ Um es zeitlich einzugrenzen: Ab September 2019 habe es Probleme gegeben, „ausreichend Patienten zu gewinnen“.

Betten sind schwächer ausgelastet

Deutlich wird das mit Blick auf die Auslastung des Klinikums im vergangenen Jahr, angelehnt an die Belegungsstatistik, die sich auf 450 Planbetten bezieht: Sie lag bei 79,04 Prozent (im Vorjahr waren es noch 82,50 Prozent).

Wie die Geschäftsleitung dem begegnen möchte? „Es muss uns gelingen“, erklärte Gerhard Hinger, „dass alles, was im Zollern­alb-Klinikum behandelt werden kann, auch im Zollernalb-Klinikum behandelt wird.“

Dabei, ergänzte der Vorsitzende Geschäftsführer, sei man auch auf den Schulterschluss mit den niedergelassenen Ärzten angewiesen. Und: „Es ist wichtig, dass man zu seinem kommunalen Krankenhaus steht.“

Verluste sind bedauerlich

Der Freie Wähler Reinhold Schäfer nannte den „Verlustanwachs“ von 1,5 Millionen Euro bedauerlich. Zumal – und mit Blick auf die aktuelle Corona-Pandemie: „Es bereitet uns Sorge, dass die Verluste weiter steigen (werden).“

Dessen ungeachtet hoffen und wünschen sich die Freien Wähler, absehbar „bessere Erlöse“ erzielen zu können – trotz der stetig wachsenden Anforderungen ans Personal und die medizinische Ausstattung.

Klinik muss sich aber auch weiterentwickeln

„Der Verlust schmerzt“, fand auch Helmut Reitemann, CDU, deutliche Worte. Und erinnerte in diesem Zusammenhang an jene 107 Millionen Euro, die der Kreis „im Bereich Verlustausgleich und Immobilien seit 2003 geleistet hat“.

Dessen ungeachtet müsse sich die Klinik auch strukturell (Stichwort: Zentralklinikum) weiterentwickeln und die medizinische Versorgung sichergestellt bleiben.

Dank an Klinikpersonal

Ein aufrichtiger Dank ging in diesem Zusammenhang an alle Krankenhausmitarbeiterinnen und -mitarbeiter „für Ihre tolle Arbeit jeden Tag – und natürlich in der Bewältigung der Corona-Krise“. Dem schloss sich Martin Frohme, SPD, an: „Es wurde und wird wirklich hervorragende Arbeit geleistet.“

Mit Blick auf die „roten Zahlen“ merkte er an, dass ja auch die Personalkosten stark angestiegen seien – weil aufgestockt wurde. „Wir tragen den Verlust mit“, ließen außerdem Uwe Jetter für die Grünen und Dr. Ulrich Mohr für die FDP wissen. Ebenso richteten sie einmal mehr einen nachdrücklichen Dank an das Klinikpersonal.

Weitere Verluste sind wahrscheinlich

In seinem Ausblick auf das laufende Jahr 2020 nannte der Vorsitzende Geschäftsführer weitere Verluste „wahrscheinlich“, dennoch hoffe man auf einen teilweisen Abbau. Eine mögliche zweite Corona-Welle hinterlegte er nicht in Zahlen – „das geht nicht“. Diese könne man nur fürchten.

Weil das Zollernalb-Klinikum aktuell aber „nur“ einen Corona-Fall zählt (so Dietmar Foths Kenntnisstand), gilt es für den Liberalen jetzt, in die Werbung „nach außen“ zu gehen, getreu der Devise: „Wir arbeiten wieder auf Volldampf in allen Bereichen.“

Bürgschaft ist erhöht worden

Der Kreistag beschloss am Montagabend die Erhöhung der Bürgschaft für den Kassenkredit der Zollernalb-Klinikum gGmbH von fünf auf zehn Millionen Euro bis August 2026.

„Wir bleiben im Plus“, berichtete Heinz Pflumm dem Kreistag mit Blick auf den Finanzzwischenbericht 2020. Trotz der finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Mit 1,3 Millionen Euro im Ergebnis wolle man „rauskommen“.

Wie sich der Haushalt insgesamt entwickelt

Im Saldo führen nachfolgende Haushaltsbelastungen (-) beziehungsweise -entlastungen (+) zu diesem Ergebnis: + 646 000 Euro an höheren Finanzausgleichsleistungen für 2019 und 2020, + 740 000 Euro an sozialen Hilfen, + 1 930 000 Euro aus der Grundsicherung für Arbeitssuchende, + 223 000 Euro aus der Flüchtlingsunterbringung/-versorgung, -800 000 Euro an Jugendhilfe, + zwei Millionen Euro aus der Grunderwerbssteuer, + 200 000 Euro an Personalausgaben, -4,4 Millionen Euro aus coronabedingten Veränderungen (bei einem Plus von 500 000 Euro aus Refinanzierungen), + 90 000 Euro aus Gebühreneinnahmen sowie + 182 000 Euro aus weiteren Bereichen. Macht in der Summe 1,311 Millionen Euro.

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