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Balingen

Wo wird es schick, wo klemmt es noch? Balinger gehen mit der Verwaltung spazieren

27.10.2019

Von Silke Thiercy

Wo wird es schick, wo klemmt es noch? Balinger gehen mit der Verwaltung spazieren

© Silke Thiercy

Ideen gibt es viele. Wünsche auch. Am Freitag und Samstag luden Stadt und Planungsbüro die Bürger ein, ihre Ideen und Wünsche für das Gesicht der Stadt einzubringen. Der Auftakt war der so genannte Stadtspaziergang am Freitag, bei dem auch Oberbürgermeister Helmut Reitemann mit von der Partie war.

ISEK. Was sperrig klingt, soll die Zukunft des Balinger Stadtbildes sein. Und bedeutet „integriertes Stadtentwicklungskonzept.“ Anders gesagt: wie soll die Eyachstadt in zehn, zwanzig Jahren aussehen? So, wie die Bürger es sich auch wünschen, will die Stadt. Gemeinsam mit dem Stadtplanungsbüro Pesch aus Stuttgart lud OB Reitemann am Freitag und Samstag ein, das Städtle zu besichtigen und Ideen einzubringen.

Besser geht immer – und am besten so, dass es den Menschen, die hier leben, auch gefällt. Am Freitag trafen sich rund 50 interessierte Balinger zu den so genannten Stadtspaziergängen. Auf drei Routen – entlang der Eyach, zum Schwefelbad und zum Bahnhof – ließen sich die Teilnehmer von den Stadtplanern zeigen, was diese analysiert hatten. Wo klemmt es, was kann man machen, wie wird es schick? Darauf wollten Diplom-Ingenieur Mario Flammann, Diplom-Ingenieurin Gudrun Neubauer und Olivia Schwedhelm Antworten geben.

Das Strasser-Areal ist ein großes Thema

Und gefragt werden. Denn Stadtplanung heißt, Weichen für die Zukunft der Menschen zu stellen, die in der Stadt leben. „Da ist die Gartenschau längst nicht der Zenit“, so Oberbürgermeister Helmut Reitemann, der sich gemeinsam mit einer Gruppe zum Strasser-Areal aufmachte. Dort ist ein ehrgeiziges Ziel angedacht, ein Regionalmarkt. Das allerdings erhielt bereits am Freitag eine Bremse. Denn zunächst gilt es, Ideen zu sammeln. Und: Vor der Gartenschau soll so viel gar nicht umgesetzt werden.

Was befremdlich klingen mag, wurden doch vor ziemlich genau einem Jahr Postkarten verteilt und Stände auf dem Marktplatz betrieben, auf und an denen die Balinger ihre Wünsche für die Zukunft des Ortes äußern konnten. Die Auswertungen liegen mittlerweile vor. Doch gehe es, so Reitemann, nicht um Schnellschüsse, sondern um die Stadtentwicklung bis ins Jahr 2035 hinein. Acht große Punkte gilt es zu bearbeiten, unter anderem Wirtschaft, Mobilität und Wohnen.

Unter den jüngsten Spaziergängern war am Freitag Anika Heimann. Die 28-jährige ist von Tübingen zurück in ihre Heimatstadt gezogen. „Es interessiert mich, wie die Stadt sich weiter entwickeln wird“, sagt sie. Besonders spannend findet die junge Frau die Entwicklung des Strasser-Areals, „da ich die Idee einer regionalen Markthalle von Andreas Jetter und seinen Mitstreitern für Balingen gut finde. In jeder Stadt sind solche Markthallen Besuchermagnet und das schöne ist doch, dass wir diese nicht künstlich von außen mit Betreibern füllen müssen, sondern direkt vor Ort Händler aller Art haben.“

Workshops sind nicht gut besucht

Schade allerdings findet sie, dass das Areal bis zur Gartenschau leer bleiben soll. Schön allerdings, dass die Planung sehr naturverbunden sein soll und es keine unnötigen Betonklötze geben wird. Weniger schön fand Dr. Ingrid Helber die lasche Beteiligung der Balinger bei den Workshops am Samstag. Gerade einmal 15 Bürger hatten den Weg in die Mensa des Gymnasiums gefunden. Darunter sie als einzige Gemeinderätin und Ortschaftsrat Andreas Jetter.

Aus den geplanten Workshops wurde eine Art Werkstattgespräch. Im Fokus die erweiterte Innenstadt. Um die Ortsteile wollen sich Verwaltung und Planungsbüro später kümmern. Übrigens lobte Stadtplaner Flammann den „sehr gepflegten Ortskern“ Balingens. Die Randlagen mit Baulücken könne man in seinen Augen auch noch gut einbinden.

Kleinteiligkeit statt Betonklötze

Bei den Gesprächen am Samstag plädierte Helber nachdringlich für Kleinteiligkeit und nicht für weitere riesige Mehrfamilienhäuser. Und sie zeigte sich überrascht, dass die Keplerstraße und der Heinzlesrain im Sanierungsgebiet Eyach aufgelistet sind.

Emotional aufgeladen und quasi belastet: der Inselbezirk. Es gibt wohl keinen Balinger, der mit dem Schwefelbad, dem einstigen Kino oder dem Jugendhaus keine Erinnerungen verbindet. Allerdings: Das Schwefelbad gilt als nicht sanierungsfähig, allenfalls käme noch das Schwefelbad zur Erhaltung in Frage.

Für den „Stadteingang Nord“ forderte Helber einen grünen Bahnhofsvorplatz. Was diskutiert werden muss, denn einige Teilnehmer des Workshops hatten sich längst mit dem geplanten Querbau auf dem Gelände der alten Wirtschaft angefreundet. Angeregt wurde außerdem die Verkleinerung des Busbahnhofes. Parkplätze über der Bahnlinie sind allerdings aus Sicherheitsgründen nicht möglich, da wegen der möglichen Elektrifizierung der Zollernbahn ein Abstand von mindestens sieben Metern eingehalten werden muss.

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