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Winterlingen

Winterlinger Seniorenprojekt: Da steckt jede Menge Zukunft drin

28.08.2019

Von Gudrun Stoll

Winterlinger Seniorenprojekt: Da steckt jede Menge Zukunft drin

© Gemeinde Winterlingen

Auf der Festwiese gegenüber dem Winterlinger Naturfreibad sind alle baurechtlichen Hürden genommen, um seniorengerechte Häuser zu bauen. Zielgruppe ist die Generation 50 plus.

Auf Sommertour durch Winterlingen: Für Senioren eröffnen sich neue Wohnmodelle, das Ärztenetz ist dicht gewebt und in Riedern herrscht enorme Nachfrage nach weiteren Bauplätzen.

Gut Ding will Weile haben. Auch in der Kommunalpolitik braucht es einen langen Atem, werden Projekte geschoben, ziehen sich Planungen unversehens in die Länge, muss man zwischendurch tief Luft holen, um die Fäden wieder zusammenzufügen. Und dann ist plötzlich ein Knopf dran und ein Konzept auf den Weg gebracht, in dem jede Menge Zukunft steckt.

Alle Hürden sind genommen

Wenn sich Winterlingens Bürgermeister Michael Maier in Erinnerung ruft, was ihn und den Gemeinderat in den vergangenen Jahren in Beschlag genommen und viel Nerven gekostet hat, dann fällt das Stichwort Seniorenwohnanlage. Daran haben „wir seit Jahren herumgedoktert“, hielt der Rathauschef als Resümee im Gemeinderat fest, als im April der Baubeschluss stand. Fast fünf Jahre hat die Gemeinde am Bebauungsplan für die Seniorenwohnanlage gearbeitet, die auf der Wiese vis-a-vis vom Naturfreibad entstehen soll.

Häuslebauer können starten

Immer wieder tauchten während des Verfahrens Hürden und Schwierigkeiten auf. So wurden unteren anderem die Grundflächenzahl und die Geschossflächenzahl erhöht, erforderten Lärmschutz und die in direkter Nachbarschaft siedelnden, streng geschützten Molche Anpassungen und Änderungen.

Barrierefrei und behindertengerecht

Doch nun ist der Weg geebnet für die Häuslebauer: In der Herrmann-Frey-Straße werden auf der bisherigen Festwiese 14 Bauplätze erschlossen. Das Wohngebiet ist explizit für Bürger ab 50 plus gedacht, die im Alter barrierefrei und behindertengerecht wohnen wollen. Die Häuser sind für Wohnflächen zwischen 85 und 110 Quadratmetern konzipiert.

Ob letztendlich die Bauherren in Eigenregie Architekten und Baufirmen mit der Planung beauftragen oder eine Wohnbaugesellschaft aktiv wird: Die Gemeinde zeige sich für alle Varianten offen, sagt der Bürgermeister.

Auch Pflege befindet sich im Umbruch

Synergieeffekte liegen quasi vor der Haustür und sind auch gewollt: Das neue Winterlinger Wohngebiet für Senioren liegt zentrumsnah und ermöglicht den Bewohnern den täglichen Einkauf. Es sind keine großen Steigungen zu bewältigen und einen Steinwurf entfernt liegt das Ameos Pflegeheim Haus Kleebühl, das sich derzeit ebenfalls im Umbruch befindet und zu einem sektorenübergreifenden Kompetenzzentrum für Pflege ausgebaut und umgebaut wird.

So bietet die Einrichtung künftig in Ergänzung des bereits bestehenden mobilen Pflegeangebotes 15 weitere teilstationäre Tagespflegeplätze an - dies in einem Pavillon, der ans bestehende Haus angebaut wird. Pflegebedürftige Menschen können täglich von einem Hol- und Bringedienst zu Hause abgeholt und am Ende des Tages wieder dorthin zurückgebracht werden.

Neue Vorgaben greifen

Außerdem wird innerhalb des Hauses modernisiert. Die Pflegeeinrichtung hat erst vor kurzem informiert, dass im Haus Einzelzimmer mit eigenem Bad entstehen. Ameos erfüllt damit die Vorgaben des Landesheimbauverordnung, die besagt, dass künftig allen Bewohnern von Heimen Einzelzimmer zur Verfügung stehen müssen. Für neu gebaute Heime gelten die Vorgaben unmittelbar. Für bestehende Einrichtungen gab es eine zehnjährige Übergangsfrist, die Ende August 2019 abläuft.

Bagger fahren noch 2019 vor

In der Hermann-Frey-Straße werden auf alle Fälle noch in diesem Jahr die Bagger vorfahren: Der Umbau im Haus Kleebühl soll noch im letzten Quartal 2019 beginnen. Die vollständige Fertigstellung ist für 2021 geplant.

Die Zeit ist auch auf den Höhen der Alb noch nie still gestanden. Doch der Wandel vollzieht sich in immer schnelleren und engeren Kurven. Winterlingen macht mit seinen 6352 Einwohnern keine Ausnahme.

Einzelhandel geht verloren

Die Gemeinde verfügt zwar für einen Ort in dieser Größenordnung über eine stattliche Dichte an Lebensmittelmärkten. Im direkt an der B 463 platzierten interkommunalen Industrie- und Gewerbegebiet will sich Rossmann mit einem Drogeriemarkt niederlassen.

Was man zum Leben braucht, bekommt man im Ort. Doch Bürgermeister Michael Maier weiß um die entstandenen und entlang der Hauptstraße auch erkennbaren Lücken, wenn er sagt: „Uns ist der Einzelhandel verloren gegangen“. Und er hegt die Befürchtung, dass auch die alteingesessene Gastronomie nach und nach die Türen für immer schließen wird.

Das Netz hält Jahrzehnte

Um das dichte Ärztenetz hingegen dürfte so manch größere Kommune die Winterlinger beneiden. „Wir sind bestens versorgt“, betont Michael Maier, nach acht Wahlen und mit erst 54 Jahren dienstältester Bürgermeister im Zollernalbkreis.

Doch der Erfolgschichte gingen sorgenvolle Monate voraus, als gleich zwei Hausarztpraxen zumachten und die Versorgung ernsthaft gefährdet schien. Kurzerhand kaufte die Verwaltung eines der Gebäude in der Marktstraße 68 und machte daraus ein Ärztehaus. In der Alten Schule in der Wilhelmstraße 12 wurden außerdem drei ehemalige Klassenzimmer in Arztpraxen umgewandelt, ein behindertengerechter Aufgang erleichtert den Zugang auch für Patienten, die schlecht zu Fuß sind.

Komfortable Lage

Nun befindet sich Winterlingen in der komfortablen Lage, mehr Mediziner als vor dem Ruhestand zweier Ärzte zu haben. In die vier Praxen kommen auch Patienten aus Straßberg, Bitz und Sigmaringen. „Die Ärzteversorgung in Winterlingen dürfte auf Jahrzehnte gesichert sein“, sagt Maier nicht ohne Stolz und ergänzt die Liste um zwei Zahnärzte, eine Apotheke, eine Physiotherapiepraxis, Heilpraktiker, Logopäden und einen örtlichen mobilen Pflegedienst.

Pionier auf vielen Gebieten

Für die Winterlinger Senioren ist ein Rundumpaket geschnürt, die Gemeinde leistet schon seit Jahren vorbildliche Betreuungsarbeit in Schule und Kindergarten, gehörte mit Straßberg zu den Pionieren bei der Erschließung gemeinsamer Industrie- und Gewerbegebiete und ging bereits vor der Jahrtausendwende in Vorreiterrolle, als im damals noch neuen Wohngebiet Riedern gesplittete Abwassergebühren eingeführt wurden. Die hitzig geführten Diskussionen im damaligen Gemeinderat klingen den Zeitzeugen heute noch in den Ohren.

Das Wohngebiet Riedern, hinter der Realschule gelegen, schlägt bei der Sommertour durch Winterlingen die Brücke von der Senioren- zur Familienpolitik. Die Gemeinde benötigt im Kernort dringend weiteres Bauland und will Riedern in Richtung Norden erweitern.

Weiteres Bauland in Riedern

In einem nächsten Bauabschnitt sind 36 weitere Bauplätze in Planung, für diese im Rathaus bereits 38 Anfragen vorliegen. Bei einem späteren weiteren Ausbau sollen nochmals zwischen 75 und 80 zusätzliche Platze hangaufwärts entstehen, stellte Bauamtsleiter Frank Maier die Pläne beim Ortsbegang des Gemeinderates Anfang Juli vor.

Die Entwässerung des Regen- und Oberflächenwassers erfolge nicht mehr durch Rigolen- und Muldenversickerung, vielmehr werde jedes neue Grundstück über verlegte Kanäle an das große Sickerbecken angeschlossen. Die Erschließung des ersten Abschnitts wird 1,5 bis zwei Millionen Euro kosten.

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