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Fußball

Willig zu seinem befristeten Engagement bei den VfB-Profis: „Diese Idee stammt von mir“

24.04.2019

Von Marcel Schlegel

Willig zu seinem befristeten Engagement bei den VfB-Profis: „Diese Idee stammt von mir“

© imago

Nico Willig gab am Mittwoch die erste Pressekonferenz als Bundesliga-Trainer des VfB Stuttgart.

Am Mittwoch hat sich VfB-Interimstrainer Nico Willig erstmals den Fragen der Presse gestellt. Der ließ sich von dem großen Medienaufgebot nicht einschüchtern.

Der Anruf, der sein Leben binnen weniger Tage zum zweiten Mal auf den Kopf stellen sollte, erreichte Nico Willig am Samstagabend im Auto. Auf dem Beifahrersitz: sein früherer Teamkollege bei der TSG Balingen und Trauzeuge Martin Taube.

Am anderen Ende der Leitung: Thomas Hitzlsperger, der Sportdirektor des VfB Stuttgart. Hitzlsperger hatte Willigs Nummer nicht etwa gewählt, um dem frisch vermählten Familienvater zu seiner standesamtlichen Trauung vom vergangenen Donnerstag zu gratulieren.

Der Sportvorstand des akut abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten verriet Willig stattdessen, dass er Markus Weinzierl von dessen Aufgaben als VfB-Chefcoach entbinden werde. Und fragte ihn, ob er sich vorstellen könnte, Weinzierl zu beerben – interimsweise und nur bis zum Saisonende.

Willig sieht neue Aufgabe als Projekt

Ein zunächst ungewöhnliches Vorgehen, das Willig auf der Pressekonferenz am Mittwoch aufklärte. „Diese Idee, dass ich die Profis nur bis zum Saisonende übernehme, stammt tatsächlich von mir“, sagte der Heselwanger. „Diese Absprache macht es mir leicht. Ich kann die Aufgabe als Projekt sehen und meine ganze Energie in unser gemeinsames Ziel setzen.“

Wenn der Verein ihn für den richtigen Mann halte und ihm ein solches Vertrauen ausspreche, „wenn also dieser Anruf kommt, und mich Thomas um so etwas bittet, ist es für mich eine Ehre, diese Aufgabe zu übernehmen“, sagte der frühere Spieler und Trainer der TSG Balingen. „Dieser Verein hat mir in den drei Jahren, in denen ich nun beim VfB bin, so viel gegeben. Da ist es eine Selbstverständlichkeit für mich, dass ich nun versuche, ihm etwas zurückzugeben.“

Willig war vor erstem Treffen nervös

Natürlich, das räumte Willig ein, sei er nervös gewesen, wie die Mannschaft vor dem ersten Kennenlernen am Sonntag auf ihn reagiere. „Da war ein Fragezeichen“, sagte der 38-Jährige, der zuvor fast ausschließlich im Jugend- und nie im Profibereich tätig war. „Aber dann bin ich in die Kabine gegangen – und es fühlte sich richtig an. Danach sind wir auf den Platz gegangen und auch da fühlte ich mich an der richtigen Stelle.“

Es war wohl ein versteckter Wink an die Kritiker, die Willigs Unerfahrenheit im Profibereich monierten, als der Balinger auf die nunmehr 15 Jahre verwies, die er schon als Trainer tätig ist. „Auf dem Platz mache ich das, was ich kann: Training geben und Spielinhalte vermitteln und damit fühle ich mich wohl.“

Willig muss sich an neuen Trubel gewöhnen

Dass sich Willig erst an diesen neuen Trubel der Bundesliga und an seine neue Position gewöhnen muss, zeigt allein die Tatsache, dass er seinen Kia auf dem VfB-Gelände auch weiterhin nicht auf dem Parkplatz des Cheftrainers abstellt. Als ambitioniert, beschrieb er sich vor einiger Zeit einmal, ambitioniert, nicht aber als größenwahnsinnig. Von Vorteil, so scherzte Willig auf der Pressekonferenz, sei vielleicht, dass sein Vater Psychologe ist.

Jedenfalls könne er mit dem großen Medienaufgebot bestens umgehen, so konterte Willig die Frage eines Journalisten. „Bei unseren U19-Spielen sind in etwa so viele Zuschauer wie hier Journalisten – daher bin ich an eine solche Menschenmenge gewöhnt.“

Viel Zuspruch von den Fans für den Balinger

Die Trainingseinheiten des neuen Coaches im Klubzentrum in Bad Cannstatt stießen am Sonntag, Dienstag und Mittwoch auf ein reges Interesse. Besonders von Fanseite erhielt Willig allerlei Zuspruch, auch in den Sozialen Medien: Im Training sei mehr Feuer drin als sonst, auch nähme sich der Balinger mehr Zeit für Einzelgespräche mit den Spielern und versuche diese konsequent auf Offensivfußball zu trimmen.

Es gelte, die Mannschaft aus „ihrer Tristesse“ zu holen, sagte Willig selbst. Auf „Energie, Fleiß, Akribie und Emotion“ und auf Offensivfußball wolle er setzen. „Dafür brauche ich einen Zugang zu den Spielern, daher führe ich viele Gespräche.“ Vor allem aber müsse nun eines passieren. „Wir müssen viel schaffen“, sagte der Heselwanger.

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