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Zollernalbkreis

Wenn die Zollernalb zum Glutofen wird: Menschen, Tiere und Natur brauchen besondere Fürsorge

27.06.2019

von Gudrun Stoll

Wenn die Zollernalb zum Glutofen wird: Menschen, Tiere und Natur brauchen besondere Fürsorge

© Gudrun Stoll

So schön und angenehm das Grillen unter schattigen Bäumen auch ist: Während der heißen Tage ist besondere Vorsicht geboten, um Waldbrände zu vermeiden.

Uff, was für ein Wetter. Für unsere Breitengrade herrschen regelrecht tropische Zustände. Der seit 1947 bestehende Hitzerekord für den Juni, den mit 38,5 Grad eine Wetterstatuion im Bühlertal gehalten hat, wurde am Mittwoch in Coschen in Brandenburg geknackt und liegt jetzt bei 38,6 Grad. Vorsicht ist in den Wäldern angesagt, Respekt verdienen die Männer vom Bau, das DRK sucht Blutspender und die Tierschützer appellieren an die Vernunft der Zweibeiner.

Die Zollernalb liegt unter einer Hitzeglocke, die unweigerlich den ansonsten so hektischen Rhythmus der Arbeit verlangsamt. Dreißig Grad und mehr treiben den Schweiß aus den Poren, gebieten aber auch erhöhte Wachsamkeit. So haben die Eisenbahnfreunde Zollernbahn die zum 150. Jubiläum der Zollernbahnstrecke Tübingen-Hechingen geplanten Dampfzugfahrten am Sonntag abgesagt. Der Grund: Man will keinen Funkenflug riskieren, der möglicherweise Wiese oder Wälder in Brand setzt.

Waldbrandgefahr steigt

Aus gutem Grund: Der Graslandfeuerindex, nach dem die Gefahr von Flächenbränden eingeteilt wird, zeigt im Zollernalbkreis für die nächsten Tage bereits eine hohe Gefahr und erreicht Stufe 4 von 5.

Der Deutsche Wetterdienst gehe zurzeit noch von einer mittleren Waldbrandgefahr aus, informiert das Landratsamt. Da die Wälder im Zollernalbkreis sich größtenteils aus Mischbeständen zusammensetzen, sei die Gefahr, dass sich ein Waldbrand zu einem Flächenbrand entwickelt, etwas herabgesetzt. Halten die hohen Temperaturen bei geringen Niederschlägen jedoch in den nächsten Tagen weiterhin an, steige auch die Waldbrandgefahr. Vor allem untersonnte Nadelholzbestände mit trockener Nadelstreu und trockenem Unterholz seien besonders gefährdet, teilt die Pressestelle des Landratsamtes mit.

Bloß nicht rauchen

Die Behörde warnt vor leichtfertigem Umgang mit offenem Feuer, da die ausgetrocknete Vegetation schnell Feuer fängt. Waldbrände, das lehre die Erfahrung, entstehen in unseren Breitengraden meist aus fahrlässiger Unachtsamkeit oder durch vorsätzliche Brandstiftung. Zu den häufigsten Nachlässigkeiten zählen leichtfertiger Umgang mit offenem Feuer und das Wegwerfen von noch glimmenden Zigarettenkippen. Nicht umsonst besteht in der warmen Jahreszeit in unseren Wäldern Rauchverbot.

Bei Gefahr die 112 wählen

Lager- und Grillfeuer dürfen daher nur an den besonders gekennzeichneten Stellen entzündet werden und müssen vollständig gelöscht oder mit Erde abgedeckt werden. Kommt es trotzdem zu einem Brand, muss unverzüglich die Feuerwehr unter der Notrufnummer 112 verständigt werden. Aktuelle Informationen zur Waldbrandgefahr hält der Deutsche Wetterdienst unter dwd.de parat. Auch Forstminister Peter Hauk warnt in einer aktuellen Pressemitteilung vor Leichtsinn. „Zum Wochenende hin herrscht praktisch im ganzen Land hohe und teilweise sehr hohe Waldbrandgefahr“, teilt er mit.

„Die hochsommerlichen Temperaturen von dieser Woche haben im Wald die Bodenvegetation, Laubreste, Nadelstreu und auf dem Boden liegende Äste und Reisig stark ausgetrocknet. Die Prognosen sagen zum Wochenende hin praktisch für das ganze Land eine hohe und teilweise sehr hohe Waldbrandgefahr voraus.“ Ein umsichtiges Verhalten der Waldbesucher sei die Grundvoraussetzung, um Waldbrände zu verhindern.

Forstleute dürfen einschreiten

Viele Menschen würden das anstehende Wochenende und das schöne Wetter nutzen, um im Wald zu grillen. Dabei könne ein unbeaufsichtigtes Grillfeuer verheerende Folgen haben. Im Zweifelsfall seien die Forstbehörden vor Ort gezwungen, das Grillen im Wald je nach lokaler Gefährdungslage komplett zu verbieten.

Das Feuermachen im Wald sei ohnehin nur an den offiziellen, fest eingerichteten Feuerstellen auf den Grillplätzen erlaubt, heißt es in der Pressemitteilung aus Stuttgart. Ein Feuer muss auch immer beaufsichtigt sein und ist vor dem Verlassen unbedingt vollständig zu löschen. „Das Grillen auf mitgebrachten Grillgeräten ist im Wald tabu“, erklärt Minister Hauk. Auch herrsche von März bis einschließlich Oktober in den Wäldern im Land ein generelles Rauchverbot.

Die Sommer werden trockener

„Nach allem, was wir wissen, werden die Sommer bei uns durch den Klimawandel heißer und trockener werden. Dies erhöht auch langfristig die Waldbrandgefahr. Unsere Antwort darauf sind klimastabile Mischwälder, deren Anlage und Pflege wir weiter vorantreiben werden“, erklärt der Forstminister.

Im Vergleich zu Ländern, wie beispielsweise Brandenburg sei Baden-Württemberg kein ausgesprochenes Waldbrandland. Dies hänge vor allem mit dem bei uns höheren Anteil an Laub- und Mischwäldern sowie mit der sehr guten Erschließung der Wälder mit Fahrwegen zusammen.

Gleichwohl komme es in Baden-Württemberg auch immer wieder zu eher kleineren Waldbränden. So sei es nach Zahlen des Landesbetriebs ForstBW in 2018 in Baden-Württemberg zu insgesamt 26 Waldbränden mit einer Gesamtfläche von 5,2 Hektar gekommen.

Große Herausforderung für die Straßenbauer

Schon die Arbeit im Büro geht bei diesen Temperaturen langsamer als gewohnt von der Hand. Doch es gibt Arbeitsstellen, da geht es buchstäblich heiß her. „Für uns in der Baubranche stellt die Hitze selbstverständlich eine große Herausforderung dar, unseren Arbeitnehmern wird alles abverlangt“, betont Christoph Stingel von der gleichnamigen Straßenbaufirma mit Sitz in Schwenningen.

Mitarbeiter gehen an Grenzen

„Generell sind wir im Straßenbau und Tiefbau witterungsbedingt in einer Hochphase“, fährt der Geschäftsführer fort. Schon allein durch die Vielzahl der Baustellen und der terminlichen Fristen bestehe eine hohe Drucksituation. Die Hitze sorge nun noch für zusätzlichen Druck, da die Mitarbeiter körperlich an ihre Grenzen gehen müssen. Auch bei den Maschinen müssten die Mitarbeiter überlegt handeln, da diese auch überhitzen können.

Kostenloses Mineralwasser vom Chef

„Wir versuchen, der Hitze mit einigen Maßnahmen entgegenzuwirken. Als erstes beginnen wir unsere Arbeiten früher und beenden diese dementsprechend auch früher, da in den Morgenstunden die Temperaturen erträglicher sind“, informiert Stingel. Darüber hinaus werden jedem Mitarbeiter empfohlen, generell genügend Flüssigkeiten zu sich zu nehmen. Die Firma stelle kostenlos genügend Mineralwasser zur Verfügung. Desweiteren werden mit Kopfbedeckung und Sonnenschutz gearbeitet. Die Vermeidung von direkter Sonneneinstrahlung sei aber nur bedingt möglich. Diese Maßnahmen können der Hitze selbstverständlich nur leicht entgegenwirken. Die Extrembelastung bleibt. Den Mitarbeitern im Straßenbau gebühre daher großer Respekt, dass diese diese Zusatzbelastung wie selbstverständlich auf sich nehmen und großartig bewältigen.

DRK in Sorge um Blutspenden

Der DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen ruft dringend zur Blutspende auf. Anhaltend hohe Temperaturen hätten zu einem deutlichen Rückgang der Blutspenden geführt. Der bevorstehende Beginn der Sommerferien in Hessen stelle das DRK vor zusätzliche Herausforderungen, heißt es in der aktuellen Pressemeldung

Blut ist nur sehr begrenzt haltbar. Blutplättchen, die beispielsweise für die Behandlung bei Krebserkrankungen dringend benötigt werden, sind nur vier Tage haltbar. Daher sei ein ständiger Nachschub frischer Blutspenden überlebenswichtig. Jeden Werktag würden allein in Baden-Württemberg und Hessen rund 2600 Blutspenden zur Versorgung der Patienten benötigt.

Auch bei großer Hitze sind Blutspenden unbedenklich. Vor jeder Blutspende prüfe ein Arzt die Spendefähigkeit.

Jede Blutspende hilft

Vor und nach der Spende empfiehlt das DRK ausreichend, aber alkoholfrei, zu trinken. Längere Aufenthalte in der Sonne und körperliche Anstrengung direkt nach einer Blutspende sollten man vermeiden. „Jede Blutspende hilft Patienten und rettet Leben, in Deutschland täglich bis zu 15.000 Mal“, teilt das DRK mit.

Blutspenden dürfen gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 72 Jahren, Erstspender dürfen jedoch nicht älter als 64 sein. Damit die Blutspende gut vertragen wird, erfolgt vor der Entnahme eine ärztliche Untersuchung.

Die eigentliche Blutspende dauert nur wenige Minuten. Mit Anmeldung, Untersuchung und anschließendem Imbiss sollten Spender eine gute Stunde Zeit einplanen. Ein Personalausweis muss mitgebracht werden. Übrigens: Um keinen Blutspendetermin mehr zu verpassen, bietet das DRK die Möglichkeit, sich per Blutspende-App über E-Mail oder SMS an den Termin erinnern zu lassen. Zudem kann jeder registrierte Blutspender ersehen, wie vielen Patienten er bereits geholfen hat. Alle Infos dazu unter spenderservice.net. Blutspendetermine und weitere Informationen zur Blutspende gibt es Internet unter der Adresse blutspende.de.

Todesfalle Auto

Auch der Landestierschutzverband meldet inmitten der Hundstage zu Wort und weist darauf hin, dass die jetzt herrschende Sommerhitze für Tiere lebensgefährlich werden kann. Der erste Vorsitzende Stefan Hitzler rät dringend dazu, Hunde tagsüber nicht im Auto zurück zu lassen oder in der Hitze auf glühendem Straßenbelag zu Spaziergängen zu zwingen.

Jedes Jahr werden die heißen Sommertage vielen Tieren zum Verhängnis. Auch in diesem Sommer mussten bereits wieder mehrere Hunde aus aufgeheizten Autos befreit werden. Doch manchmal kommt jede Hilfe zu spät, da die Fahrzeuge aktuell binnen Minuten zum Backofen werden.

Hunde können nicht schwitzen

Die wenige Zentimeter geöffneten Fenster „helfen bei diesen Temperaturen nicht“, betont Hitzler und mahnt deshalb eindringlich: „Hunde sollten bei der zur Zeit herrschenden Hitze besser zuhause bleiben. Auch Autos, die im Schatten abgestellt waren, werden schnell zur Todesfalle, wenn die Sonne weiter wandert. Hunde können nicht schwitzen, um ihre Körpertemperatur abzukühlen wie wir Menschen. Umso schneller erleiden sie einen Hitzekollaps, der oftmals tödlich endet.“

Der Landestierschutzverband ermutigt deshalb alle Mitbürger ausdrücklich dazu umgehend die Polizei zu informieren, wenn Hunde in offensichtlich überhitzten Autos zurückgelassen wurden und auf die Schnelle kein Besitzer ausfindig zu machen ist. Vor allem wenn bei den Tieren schon erste Anzeichen eines Wärmestaus erkennbar sind, wie Unruhe, starkes Hecheln oder gar Taumeln. Bei Krämpfen, Atemnot oder gar Bewusstlosigkeit besteht akute Lebensgefahr.

Zeigt ein Tier diese Symptome muss es schnellstmöglich befreit, dann mit nicht zu kaltem Wasser befeuchtet und sofort in eine Tierarztpraxis gebracht werden.

„Wie wir Menschen leiden auch Tiere unter den Folgen extremer Hitze,“ macht Stefan Hitzler noch einmal deutlich: „Da sie oft noch ein dichtes, langes Fell haben und ihre Körpertemperatur fast nur über Hecheln abkühlen können, droht ihnen noch schneller als uns ein Kreislaufzusammenbruch mit manchmal sogar tödlichem Ausgang.“

Auch Pfoten sind empfindlich

Deshalb rät der Landestierschutzverband auch dringend davor ab in der Nachmittagszeit mit Hunden Gassi zu gehen. Der Hundespaziergang sollte im Hochsommer morgens und abends stattfinden, wenn es etwas kühler ist. Gerade bei hohen Temperaturen erhitzen sich Straßen und Gehwege schnell. Sie werden fast so heiß wie Herdplatten. Bei den Spaziergängen heißt es daher vorsichtig sein. Genau wie unsere Füße sind auch Hundepfoten sehr empfindlich. Heißer Asphalt ist für Hunde nicht nur schmerzhaft, sondern kann auch zu schweren Verbrennungen führen.“

Der Tipp der Experten lautet: Mit dem Hund keine langen Strecken auf aufgeheizten Straßen zurücklegen. Lieber laufen die Tiere auf Gras oder erdigen Wegen. Wichtig ist, dass der Hund eine Möglichkeit hat, in den Schatten auszuweichen und immer ausreichend Trinkwasserzugang hat. Der Landestierschutzverband warnt ausdrücklich davor den Hund bei praller Sonneneinstrahlung und Hitze neben dem Fahrrad her laufen zu lassen. Dies kann den Hund schnell überanstrengen. Ebenso gilt: Keine Gehorsamsübungen wie Sitz und Platz auf aufgeheiztem Straßenpflaster, denn auch andere Körperteile des Hundes sind hitzeempfindlich. Infos: landestierschutzverband-bw.de.

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