Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Winterlingen

Wenn aus Gülle Strom wird: „Gläserne Produktion“ bietet Einblick in die Landwirtschaft

04.08.2019

Von Karl-Otto Gauggel

Wenn aus Gülle Strom wird: „Gläserne Produktion“ bietet Einblick in die Landwirtschaft

© Karl-Otto Gauggel

Wellness im Stall: Die Kühe genießen ihre Kratzbürste.

Die Familie Blickle hatte zu einer Betriebsbesichtigung ins Ehmannsfeld nach Winterlingen eingeladen. Bei schönem Wetter waren etwa 35 Besucher zum Milchhof der Blickles gekommen.

Der Infonachmittag, zu dem auch Dr. Jana Kleen und Julia Frei vom Landwirtschaftsamt sowie Alexander Schäfer vom Kreisbauernverband Zollernalb gekommen waren, hatte zwei Schwerpunkte: Zum einen die Milchproduktion und zum andern die Stromerzeugung aus der anfallenden Gülle.

Die Blickles sind ein echter Familienbetrieb

Der Familienbetrieb zwischen Winterlingen und Benzingen wird von Kurt Blickle, seiner Frau Rosemarie sowie von seinen Söhnen Christian und Benjamin geführt, während die beiden anderen Geschwister Stefanie und Sebastian bei Bedarf immer wieder mal aushelfen. Außerdem absolvieren aktuell zwei Azubis ihre Ausbildung auf dem vielseitig ausgerichteten Hof.

Fotostrecke
/
Impressionen von der Führung.

© Karl-Otto Gauggel

Impressionen von der Führung.

© Karl-Otto Gauggel

Impressionen von der Führung.

© Karl-Otto Gauggel

Impressionen von der Führung.

© Karl-Otto Gauggel

Impressionen von der Führung.

© Karl-Otto Gauggel

Impressionen von der Führung.

© Karl-Otto Gauggel

Impressionen von der Führung.

© Karl-Otto Gauggel

220 Kühe geben am Tag rund 6500 Liter Milch

Nach der Begrüßung durch Dr. Jana Kleen übernahmen Christian und sein Bruder Benjamin Blickle die Führung über das weitläufige Hofgelände. Etwa 6500 Liter Milch werden jeden Tag von den 220 Milchkühen der Rasse Holsteiner Schwarzbunte, einer der weltweit bedeutendsten Rinderrassen, gemolken und an die OMIRA-Milchwerke in Ravensburg geliefert. Daneben leben etwa 50 Kälber und 150 Jungrinder in den großzügig gestalteten und gut belüfteten Ställen.

Digitalisierung im Stall: Kühe tragen Chips am Huf

Die Digitalisierung hat, wie zu erfahren war, längst auch die Landwirtschaft erreicht und so können zu jeder Zeit wichtige Daten und Leistungen der Kühe mit Hilfe eines Chips am rechten Vorderfuß beim Melkvorgang abgelesen werden.

Wenn aus Gülle Strom wird: „Gläserne Produktion“ bietet Einblick in die Landwirtschaft

© Karl-Otto Gauggel

Den Besuchern wurden zahlreiche Abläufe im Betrieb vorgestellt.

Das geht sogar so weit, dass das Bewegungsprofil jedes einzelnen Tieres aufgezeichnet und vom PC ausgewertet wird , so dass zum Beispiel auch die Brünstigkeit einer Kuh erkannt werden kann.

Einblicke ins Melkkarussell

Aber auch die Leistungen jedes einzelnen Tieres, die dazu notwendige Fütterung und die Leitwerte für die Milchqualität können so jeden Tag kontrolliert werden. Auch der Standort des Tieres in den verschiedenen Stallgruppen lässt sich dadurch jederzeit ermitteln. Interessant war der Einblick in das Melkkarussell des Milchbetriebes.

24 Kühe werden gleichzeitig gemolken

Die Kühe werden morgens und abends in das sich drehende Rondell geleitet, in dem 24 Kühe gleichzeitig gemolken werden können. Großer Wert wird auch auf die Versorgung der Kälber gelegt, die in den ersten Tagen nach der Geburt die sogenannte Biestmilch von der eigenen Mutter erhalten, was zum Aufbau des Immunsystems von elementarer Bedeutung sei, wie die Gruppe erfuhr.

Die Tiere brauchen nährstoffreiches Futter

Natürlich können diese Hochleistungsrinder ihre Leistung von über 10.000 Liter pro Jahr nur dann abliefern, wenn sie ein nährstoffreiches Futter erhalten. Auf der 180 Hektar umfassenden Fläche wird von den Blickles ausschließlich Gras für die Silage gewonnen, wozu noch Stroh, Maissilage, und Getreideschrot als Kraftfutter zugekauft werden.

Wellness mit Kratzbürste und Sprinkleranlage

Kratzbürsten zur Fellpflege und eine Sprinkleranlage an der Decke ermöglichen auch an heißen Tagen einen entspannten Aufenthalt der Rinder im Stall. Die Ausscheidungen dieser Tiere in Form von Mist und Gülle führte die Besuchergruppe zu der Biogasanlage direkt neben den Stallungen, die 2012 in Betrieb genommen wurde und seither 75 Kilowatt Strom je Stunde liefert, was inzwischen etwa ein Viertel zum Hofeinkommen beiträgt.

Vom Mist zum Methangas

Die anfallende Gülle wird dazu vom Stall in den Fermenter, einen unterirdischen Großbehälter geleitet, wo daraus zusammen mit dem anfallenden Mist von Bakterien in einem Gärprozess Methangas erzeugt wird.

Durch ein Schauglas konnten die Besucher das in Blasen aufsteigende Gas in der Gülle blubbern sehen. Mit diesem in einer großen Kuppel aufgefangenen Gas wird ein Motor angetrieben, der wiederum mit dem daran angeschlossenen Generator Strom erzeugt, der an die Albstadtwerke verkauft wird.

Die Gär-Wärme heizt drei Wohnhäuser

Mit der dabei zusätzlich anfallenden Wärme wird die Gülle, damit der Gärprozess optimal ablaufen kann, auf die notwendige Temperatur von 47 Grad Celsius erwärmt und zudem werden die drei Wohnhäuser auf dem Grundstück mit Wärme versorgt. Auch das Wasser zur Reinigung der Melkanlage wird von dieser Abwärme aufgeheizt.

Alles kann verwertet werden

Die übriggebliebenen Gärreste werden nach 150 Tagen im gasdichten Bereich auf dem Blicklehof separiert, das heißt die flüssigen und festen Bestandteile der Gülle werden voneinander getrennt. Während die wässrige Gülle als Dünger wieder auf die Wiesen kommt, wird aus dem trockenen, festen Granulat eine ideale Einstreu für die Kühe.

Gänse genießen frische Luft bis zum Martinstag

Und noch ein drittes Standbein des Hofes bekamen die Besucher, die durch Nachfragen immer wieder für interessante Diskussionen sorgten, zu Gesicht. So genießen seit etlichen Jahren etwa 600 Gänse von Pfingsten an bis zum Martinstag am 11. November ganztägig die Weide an der frischen Luft auf den Streuobstwiesen um den Hof. Neben dem Gras erhalten sie lediglich Gerste und Hafer als Zusatzfutter für die Mast.

Zum Schluss gab es Kaffee und Kuchen

Am Ende der informativen Führung war von der Familie Blickle ein Büfett mit Kaffee und Kuchen sowie weiteren selbst gemachten Leckerbissen und Getränken vorbereitet worden.

Wenn aus Gülle Strom wird: „Gläserne Produktion“ bietet Einblick in die Landwirtschaft

© Karl-Otto Gauggel

Zum Schluss gab es Kaffee und Kuchen für alle.

Es bestand auch dabei ausgiebig Gelegenheit, mit den landwirtschaftlichen Profis im Ehmannsfeld ins Gespräch zu kommen.

Diesen Artikel teilen: