Zollernalbkreis

Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“: Was Vereine aus Hechingen und Balingen planen

18.11.2023

Von Jasmin Alber, Von Julia Siedler

Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“: Was Vereine aus Hechingen und Balingen planen

© Kinder brauchen FScreenshot MATI

Einblicke in die Projekte, die mit dem Spendengeld unterstützt werden: Die Bewässerung für einen Schulgarten in Bangladesch (oben links) und Hilfe für die Menschen in Afghanistan, die immer noch unter den Folgen des Erdbebens leiden.

Die Form ist dieses Jahr etwas anders als sonst, das Ziel aber dasselbe: Die Spendengelder, die im Rahmen der Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ von Schwäbisch Media gesammelt werden, kommen einem guten Zweck zugute. Unterstützt werden auch zwei Projekte aus dem Zollernalbkreis. Eine erste Übersicht, für welche Projekte die Verantwortlichen von „Kinder brauchen Frieden“ aus Hechingen und „Brücke Balingen-Bangladesch“ aus Balingen die Spenden einsetzen wollen.

Die Weihnachtsspendenaktion „Helfen bringt Freude“ wurde vor 10 Jahren von Schwäbisch Media, in Person des ehemaligen Chefredakteurs und heutigen Editor at large, Dr. Hendrik Groth, sowie seines Redakteurskollegen Ludger Möllers initiiert. Kooperationspartner ist der Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Im Fokus steht, dass das Geld dafür verwendet wird, Fluchtursachen zu bekämpfen. Wir haben bereits ausführlich über den Einsatzort im Nordirak berichtet. Die Hälfte der Spenden, die jährlich bei „Helfen bringt Freude“ zusammenkommen, ist für regionale, gemeinnützige Vereine bestimmt. Im Verbreitungsgebiet des ZOLLERN-ALB-KURIERs sind dies „Kinder brauchen Frieden“ mit Sitz in Hechingen und „Brücke Balingen-Bangladesch“ aus Balingen.

Balingerin gründet 2011 Förderverein

Der Förderverein Brücke Balingen-Bangladesch (FVBBB) wird seit der Gründung 2011 von Dr. Gisela Swoboda als Vorsitzende geleitet. Sämtliche Projekte wurden seither von ihr in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Partnern vor Ort, den Geldgebern und den jeweils eingebundenen Projektmitarbeitern konzipiert. Bangladesch ist ein Entwicklungsland mit sehr schlechtem Gesundheitszustand. Fast jeder vierte Bangladescher (24,3 Prozent der Bevölkerung) lebt in Armut, und 12,9 Prozent der Bevölkerung leben in extremer Armut.

Ein Herzensprojekt von Dr. Swoboda, einer ehemaligen Medizinerin: Das Gisela-Hospital mit integrierter Augenklinik in Habiganj, das die „Brücke“ und die angegliederte Gisela-Stiftung mit einer privaten Organisation gegründet hat. Dabei geht es zum einen darum, die Prävention und Behandlung von Blindheit auf Grund von Mangelernährung sicherzustellen, zum anderen um die Behandlung und den Aufbau einer medizinischen Infrastruktur, weshalb beispielsweise auch der Aufbau von einer Apotheke unterstützt worden ist.

Partnerorganisation vor Ort

Eine Partnerorganisation des FVBBB vor Ort ist „MATI“, eine unabhängige Nichtregierungsorganisation (NGO), die Anfang 1997 von Lenen Rahaman im Norden

Bangladeschs gegründet worden ist. Die NGO verfolgt die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen für ein menschenwürdiges Leben für alle, vorrangig

Armutsbekämpfung und Bildung, heißt es in deren Selbstverständnis. So betreibt „MATI“ eine Dorfschule für arme und extrem arme Kinder, ein landwirtschaftliches Projekt sowie seit 2017 ein Gesundheitszentrum in Huzurikanda.

Das Geld aus der Weihnachtsspendenaktion „Helfen bringt Freude“ wird beim Förderverein Brücke Balingen-Bangladesch dafür eingesetzt, die Wasserversorgung des Schulgartens in Huzurikanda einzurichten. Ein Antrag auf Fördermittel bei der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit

Baden-Württemberg (SEZ) sei nämlich nicht bewilligt worden, teilt Dr. Gisela Swoboda mit.

Unter den beiden Projekten, die der ZAK für die erstmalige Teilnahme an der Spendenaktion „Helfen bringt Freude“ ausgesucht hat, befindet sich neben dem Balinger Verein „Brücke Balingen - Bangladesh“ auch der gemeinnützige Hechinger Verein „Kinder brauchen Frieden“.

Verein setzt sich in vielen verschiedenen Projekten und Ländern ein

1993 gegründet vom Ehepaar Conny und Michael Bierlmeier aus Hechingen, widmet sich der Verein seit jeher beim direkten Einsatz vor Ort oder mithilfe ausgewählter Kontakte im jeweiligen Zielland verschiedenen Projekten. Dazu gehören Projekte in Ruanda, Bulgarien, Kroatien, Sri Lanka und der Demokratischen Republik Kongo. „In Afghanistan und in der Ukraine sind jetzt Soforthilfen angelaufen,“ die in erster Linie über Kontakte vor Ort funktionierten, erklärt Florian Hofmann, Sprecher des Vereins.

In die Ukraine würden viele verschiedene Soforthilfen gebracht, zuletzt ein voll ausgestatteter Rettungswagen nach Cherson, zum „letzten noch funktionierenden Kinderkrankenhaus so nah an der Front“. Mit den Ärzten vor Ort sei der Verein ständig in Kontakt und mindestens einmal im Monat würden Hilfsgüter zusammengestellt: „Dafür ist jeder Euro willkommen!“

Spenden in Afghanistan nach Erdbeben zwingend nötig

Auch in Afghanistan hat der Verein dieses Jahr für je über 1000 Kinder in drei Provinzen medizinische Hilfe auf die Beine gestellt (wir berichteten). Zudem wurden kürzlich zwei weitere Projekte angestoßen: Eine Familie, die seit dem Regime der Taliban keine Einkünfte mehr habe, „kann sich jetzt zuhause eine Schneiderei aufbauen“, wie Hofmann weiß. Beim zweiten Projekt handle es sich um eine kleine Privatklinik in Afghanistan „für Schwangerschaftsvor- und -nachsorge.“ Die dort beschäftigte Hebamme dürfe unter dem Taliban-Regime nicht mehr arbeiten und betreibe in der Privatklinik nun auch Aufklärung für die Menschen im Land. „Kinder brauchen Frieden“ werde das Projekt vorerst über zwei Jahre hinweg unterstützen, so der Sprecher. Weil sich die Lage in Afghanistan zunehmend verschlimmere, „würden wir gerne einen Schwerpunkt auf Afghanistan legen – Afghanistan wird auch sonst von niemandem großartig bedient“, macht auch Andreas Bierlmeier, Bruder des Vereinsgründers, mit Blick auf die zwingend nötigen Spenden deutlich.

„Aus Pakistan werden 1,5 bis 2 Millionen Rückkehrer nach Afghanistan reinströmen, da kann man davon ausgehen, dass die Situation dort diesen Winter mehr als prekär wird“, warnt das Vorstandsmitglied. Die afghanischen Geflüchteten, die aufgrund der pakistanischen Abschiebepläne wieder in die notleidende Heimat zurückkehren müssen, werden auch in die von der Erdbebenserie betroffenen Gebiete heimkehren. Aufgrund der momentanen Situation vor Ort befürchtet das UN-Welternährungsprogramm eine drohende Hungersnot in dem Binnenstaat. „Das wird eine riesige Katastrophe“, so Bierlmaier. „Die Taliban kriegen nix geregelt – und haben auch kein Geld, um etwas zu regeln. Zudem sind die anderen Organisationen weg.“ Nicht so die Hechinger. Bereits fünf Tage, nachdem die Erdbebenserie begann, hängte sich „Kinder brauchen Frieden“ an eine Hilfsaktion der Deutsch-Afghanischen Initiative (DAI) aus Freiburg an. „Die hatten zufällig schon jemanden vor Ort – einen Afghanen, der eigentlich hier in Deutschland wohnt und dort im Urlaub war. So konnten die das wunderbar regeln“ – und der Hechinger Verein zog ebenso aus der Ferne mit.

„Afghanistan ist verloren – die Bürger sind verloren“

„Das Problem ist immer, eine vertraute Person vor Ort zu haben“, so Bierlmeier. Der Verein selbst habe mit dem ZEIT-Journalisten Wolfgang Bauer, einem der erfahrensten Berichterstatter Deutschlands und Waheedullah Masoud, seinem Übersetzer, selbst wertvolle Verbindungen „in Afghanistan hinein“. Gemeinsam hätte man nun auch wieder selbst eine neue Aktion angestoßen: Die Beschaffung von Zelten und Lebensmitteln. Masouds Bruder und seine Freunde seien „bereits dran, sie packen wohl schon Pakete zusammen“, so Bierlmaier. In diesem Projekt „sind jetzt mal 5000 Euro eingesetzt. Mit Blick auf das „wahrscheinlich sich sogar potenzierende Elend ein Tropfen auf den heißen Stein“. Aber auf jeden Fall: „Besser als gar kein Tropfen.“ Aus den genannten Gründen „würden wir dort gerne mehr tun“, erklärt Bierlmeier. Da kommt jede Spende gelegen. Denn: „Afghanistan ist verloren – die Bürger sind verloren“, sagt der Bruder des Vereinsgründers.

Weitere Einblicke in Hilfsprojekte in den kommenden Wochen

In den kommenden Wochen werden wir im ZAK sowohl über das zentrale Hilfsprojektprojekt von Schwäbisch Media im Irak, aber selbstverständlich auch ausführlich über die beiden lokalen Projekte, die der ZAK für die erstmalige Teilnahme an „Helfen bringt Freude“, ausgesucht hat, berichten.

So kann man spenden:

Das Spendenkonto von „Helfen bringt Freude“ lautet:

Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V., Bank für Sozialwirtschaft Stuttgart, IBAN: DE37 3702 0500 0001 7088 00, BIC: BFSWDE33XXX, Stichwort: „Helfen bringt Freude“.

Weitere ausführliche Infos zur Weihnachtsspendenaktion finden Sie auf schwaebische.de/themen/helfenbringtfreude.

Bei Fragen oder Anregungen zur Aktion freuen wir uns über eine Mail an weihnachtsspendenaktion@schwaebische.de.

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