Balingen

Warum die Frommerner Schützen anfangs durch ein offenes Fenster auf die Zielscheiben schossen

15.11.2023

Von Dennis Breisinger

Warum die Frommerner Schützen anfangs durch ein offenes Fenster auf die Zielscheiben schossen

© Dennis Breisinger

Oberschützenmeister Rudolf Bitzer feuerte vor der kleinen Feierstunde sieben Schüsse – für jedes Jahrzehnt einen – mit der vereinseigenen, historischen Kanone ab.

Mitglieder des Frommerner Schützenvereins blickten am Ort der Gründung – im „Löwen“ – auf die 70-jährige Geschichte zurück. Schon von Beginn an stehen rein sportliche Ziele im Mittelpunkt, ebenso der Zusammenhalt. Im Jahr 1953 betrug die Aufnahmegebühr 4 D-Mark.

Passender hätte mit dem „Löwen“ die Örtlichkeit für die Feierlichkeiten im kleinen Kreis zu 70 Jahre Schützenverein (SV) Frommern am Dienstagabend nicht ausgesucht werden können: Denn exakt vor 70 Jahren wurde dort „an d’r Staig“ der SV Frommern gegründet. „Es ist schon etwas Besonderes, im gleichen Etablissement wie damals bei der Gründung das 70-jährige Jubiläum zu feiern“, meinte der Frommerner Ortsvorsteher Stephan Reuß.

Der Historiker Günther Meinhold, der zudem Ehrenmitglied und Förderer des SV Frommern ist und auch als stellvertetender Ortsvorsteher von Frommern fungiert, gab einen kleinen Einblick in die Gründungshistorie des Vereins, der ausschließlich von Männern gegründet wurde.

Polier und Kaufmann sind erste Vereinschefs

Treibende Kraft sei der junge Kaufmann Helmut Beck gewesen, der vorab betonte, dass diese Gründung nichts mit Militarismus zu tun habe, sondern nur rein sportliche Ziele verfolge. Als erster Vorsitzender wurde der Polier Karl Schuler und als dessen Stellvertreter Beck gewählt. In der Gründungsversammlung wurde laut Meinhold beschlossen, dass eine Aufnahmegebühr von 4 DM zu erheben und der Monatsbeitrag auf 0,50 DM festzusetzen sei, dieser solle vierteljährlich kassiert werden.

Die ersten Ziele lauteten, Luftgewehrstände im „Löwen“ zu errichten, an den sich das bei den Feierlichkeiten anwesende Ehrenmitglied und Vereinsmitglied seit der ersten Stunde, Helmut Diller, noch gut erinnern kann.

Warum die Frommerner Schützen anfangs durch ein offenes Fenster auf die Zielscheiben schossen

© Dennis Breisinger

Helmut Diller (auf der Sitzbank, Zweiter von rechts) ist eines der Gründungsmitglieder und blickte an die Anfänge des Schützenvereins zurück.

„Über meinen damaligen Lehrmeister bei Luippold Textilien bin ich zum SVF gekommen. Damals habe ich noch aktiv mit dem Luftgewehr geschossen und es hat etwas zu den zehn Metern Abstand zu den Scheiben gefehlt, dann haben wir einfach durch die offenen Fenster des ‚Löwen‘ geschossen“, gab der 85 Jahre alte Diller, der stets eine „gute Gemeinschaft“ beim SV Frommern sah und immer noch „zum Einkehren ins Schützenhaus“ kommt, Einblicke in die Anfänge.

Schützenhaus wird im Sommer 1954 eingeweiht

Schnell meldete sich der SV Frommern auch beim Deutschen Schützenbund an und bereits am 14. Dezember 1953 wurde der Baubeschluss zum sofortigen Beginn eines „massiven und dauerhaften Schützenhauses“ durchgeführt. Am 28. und 29. August 1954 fand die Schützenhaus-Einweihung statt. „Früher gab es oben im Schützenhaus einen Tanzboden und wir haben unter den Kirschbäumen zu Musik getanzt“, erinnert sich Diller.

„Die Planungen für die Feierlichkeiten zum 70-jährigen Jubiläum des Schützenhauses sind angelaufen. Es kann gut sein, dass wir ein Schützenfest oder ein allgemeines Schießen für die Bevölkerung veranstalten“, sagt der Oberschützenmeister des SV Frommern, Rudolf Bitzer, der den SV Frommern als kleinen Verein bezeichnet, in dem alles einwandfrei laufen würde und sich die Mitglieder gut einbringen würden.

Lob vom Ortsvorsteher

„Das Schützenhaus von Frommern ist eine Perle der Gemeinde, es ist schon beeindruckend, von unten die Lichter dort oben zu sehen“, findet Ortsvorsteher Reuß. „Wie sich der Verein seit der Entstehung entwickelt hat ist aller Ehren wert.

Warum die Frommerner Schützen anfangs durch ein offenes Fenster auf die Zielscheiben schossen

© Dennis Breisinger

Ortsvorsteher Stephan Reuß (links) würdigte die Arbeit des Vereins und überreichte dem Oberschützenmeister Rudolf Bitzer ein Präsent.

Die Ortsverwaltung ist sehr dankbar, dass wir hier einen so prosperierenden und lebendigen Verein haben, der sich sehr für die Jugendarbeit engagiert, denn die Gemeinschaft lebt von solchen Vereinen“, so Reuß. „Das Konzept, die Schießanlage mit der Jägervereinigung Zollernalbkreis zu betreiben, ging auf und auch ansonsten wurden viele gute Entscheidungen getroffen“, adelt er den Verein, der sein Jubiläum mit sieben genehmigten Kanonenschüssen von Rudolf Bitzer aus der vereinseigenen, historischen Kanone feierte – für jedes Jahrzehnt einen.

Viele Erfolge

Wie bei den meisten anderen Vereinen auch steht auch beim SV Frommern die Gemeinschaft im Vordergrund, aber auch die sportlichen Erfolge kamen in der jüngeren und älteren Historie nicht zu kurz. Günter Bitzer wurde mehrmaliger Europa- und Weltmeister im Vorderlader. Bernd Michelmann ist ein erfolgreicher Bundesligaschütze im Luftgewehr und erfolgreicher Teilnehmer bei den Deutschen Meisterschaften, der zudem amtierender Standrekordhalter in Frommern mit dem Luftgewehr ist. Artur Jetter und Miguel Alvarado holten Deutsche Meisterschaften im Großkaliberverband des Bundes Deutscher Sportschützen. Auch um den Nachwuchs muss den Frommernern nicht bang sein, denn Benjamin Bäsig hat es in den Jugendkader geschafft und an Deutschen Meisterschaften ebenfalls schon teilgenommen.

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