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Balingen

Von wegen Schülermannschaft: So wurde der Kampfgeist bei der TSG Balingen geweckt

07.09.2019

Von Marcel Schlegel

Von wegen Schülermannschaft: So wurde der Kampfgeist bei der TSG Balingen geweckt

© Eibner

Wie ausgewechselt: Die TSG präsentierte sich in Ulm mit neuem Kampfgeist.

War das der Wendepunkt? In Ulm hat die TSG Balingen beim 3:1 (2:1) ihren ersten Saisonsieg gefeiert. Trainer Ralf Volkwein war sichtlich erleichtert.

Ja, da schwang Genugtuung mit bei Ralf Volkwein, als der Trainer der TSG Balingen direkt neben seinem Ulmer Kollegen Holger Bachthaler im engen Presseraum des Donaustadions saß und den sensationellen 3:1 (2:1)-Sieg der Balinger gegen den SSV 1846 erklären sollte. Erklären sollte Volkwein, wieso sich jene Mannschaft, die in der laufenden Saison sieben Spiele lang und insgesamt seit März ohne Sieg, ja in der Regionalliga fast anderthalb Jahre ohne Auswärts-Dreier geblieben war, ausgerechnet beim topp aufgelegten SSV Ulm wie verwandelt präsentierte.

Hat die Berichterstattung in der Ulmer Presse den Balinger Kampfgeist hervorgerufen?

Antworten musste Volkwein geben auf die Frage, wieso jene vormals hochgradig angeschlagene Truppe, die in der Vorwoche gegen Gießen (0:1) ihre vielleicht schwächste Viertliga-Leistung überhaupt abgeliefert hatte, nun wieder als kämpferische Einheit auftrat.

Womöglich, so mutmaßte Volkwein ausgerechnet im Presseraum des SSV 1846, hätte seiner Elf die Berichterstattung der Ulmer Presse im Vorfeld geholfen, seine Spieler gewissermaßen angestachelt. Darin hatte Bachthaler unter anderem gesagt, man solle den Gegner nicht stärker machen als er sei.

„Als wären wir eine Schülermannschaft“

Weitere Sätze hatte Volkwein zudem lesen müssen, die ihm vorgekommen sein mussten, als seien die „Spatzen“ schon längst in Richtung 3. Liga abgehoben. „Über uns wurde geschrieben, als wären wir eine Schülermannschaft“, sagte der 46-Jährige. „Keiner hatte einen Pfifferling auf uns gesetzt. Meine Jungs haben auf dem Feld die Antwort gegeben.“

Volkweins Worte öffneten den stickigen Raum; sie schienen auf den Coach selbst befreiend zu wirken, „nach den schwierigen letzten Spielen „, so Volkwein, der schon in der Trainingswoche bemerkte, wie wichtig im Fußball die psychologische Komponente sein kann. Am Montag hatte es zwischen Mannschaft und Trainer ein klärendes Gespräch gegeben. „Jeder hat sich ausgekotzt“, berichtet der A-Lizenz-Inhaber, im Hauptberuf Lehrer. „Auch ich bin etwas lauter geworden, was sonst nicht meine Art ist.“

Die Botschaft kam bei der Mannschaft an

Die Art kam offenbar an bei der Mannschaft, die Botschaft auch. Kaan Akkaya, am Freitag der vielleicht beste Balinger, erzählte: „Wir haben uns ausgesprochen. Das war wichtig. Wir waren in den letzten Wochen zu negativ untereinander.“ Und weiter: „Heute waren wir die Alten, haben füreinander gekämpft und alles reingeworfen.“ Unbedingter Wille sei das Erfolgsrezept gewesen, ergänzte TSG-Keeper Marcel Binanzer.

Trotz des Sensationssiegs in Ulm müsse man indes auf dem Boden bleiben, meinte Binanzer und erntete das Kopfnicken seines Kollegen Akkaya. „Wir haben nun lediglich vier Punkte aus acht Spielen. Das war der erste Schritt, um aus dem Keller zu kommen.“

So gut trainiert wie selten zuvor

Auch Nils Schuon sah den Grundstein für den Mentalitätswandel bereits unter der Woche gelegt. Die Mannschaft habe selten so gut trainiert. „Und das hat man auf dem Platz gemerkt. Wir waren wacher als sonst, hatten in manchen Situationen etwas Glück, aber haben insgesamt bärenstark gekämpft“, so der TSG-Kapitän. „Wir müssen jetzt so weiter machen und dürfen nicht in alte Muster verfallen. Es ist noch ein weiter Weg.“ Diesen Samstag (14 Uhr) ist die U23 des SC Freiburg zu Gast in der Bizerba-Arena.

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