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Zollernalbkreis

Von der Schwierigkeit, die offiziellen Corona-Zahlen richtig einzuordnen

18.04.2020

Von Klaus Irion

Von der Schwierigkeit, die offiziellen Corona-Zahlen richtig einzuordnen

© Hannes Mohr

ZAK-Redaktionsleiter Klaus Irion

Es gibt das geflügelte Wort: „Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“. Was aber, wenn es gar nichts zu Fälschen gibt, weil nicht einmal die wirklichen Zahlen bekannt sind, besser, noch gar nicht bekannt sein können? In dieser Situation befinden wir uns derzeit beim Blick auf die Corona-Statistiken, die in großer Bandbreite Tag für Tag veröffentlicht werden. Auch für den Zollernalbkreis und dessen Kommunen.

Nackte Zahlen können Angst machen, nackte Zahlen können beruhigen, nackte Zahlen können einen aber auch in trügerischer Sicherheit wiegen. Diese Feststellungen sind nicht neu. Gleichwohl sind sie so allgegenwärtig, dass seit Beginn der Coronakrise keiner von uns mehr an ihnen vorbeikommt.

Veröffentlichung offizieller Zahlen

Wie viele Corona-Neuinfektionen hat der Zollernalbkreis pro Tag? Und wie viele davon verlaufen so schwer, dass für den Betroffenen eine stationäre Aufnahme ins Klinikum notwendig wird? Der ZOLLERN-ALB-KURIER veröffentlicht diese Zahlen auf Grundlage der Daten, die wir vom Landkreis erhalten. Auf den ersten Blick eine ganz überschaubare Angelegenheit. Es wird dann aber schnell vergessen, dass diese Zahlen nur abbilden, was zuvor auch nachweisbar beim Gesundheitsamt angekommen ist.

Wahrscheinlich hohe Dunkelziffer

Dabei wird auch gern übersehen, dass das Corona-Virus eine offensichtlich hohe Dunkelziffer an leichten oder gar völlig symptomlosen Covid-19-Krankheitsverläufen produziert. Eine mathematische Größe also, die gar nicht in die offiziellen Statistiken des Zollernalbkreises einfließen kann.

Womit wir im Bereich der gefühlten Wahrheit wären. Eine hohe Dunkelziffer ist in diesem Fall zunächst einmal etwas Positives. Würde sie doch, wenn man sie exakt in die real existierenden Fallzahlen einfließen lassen könnte, den prozentualen Anteil der schweren Covid-19-Verläufe und auch den der Mortalität extrem verkleinern. Experten sprechen von einer angenommenen Dunkelziffer, die bis zu zehnmal höher liegen könnte, als die nachgewiesenen Fälle selbst.

Wohl kein Abbild der Realität

Konkret hieße das, dass im Zollernalbkreis womöglich nicht zwischen 800 und 900 Menschen mit dem Corona-Virus infiziert wären, sondern bereits zwischen 8000 und 9000. Das wiederum wäre ein positives Signal bezüglich der Gesamtimmunität in der Bevölkerung. Wissen können wir es alle nicht. Und deshalb haben wir vom ZAK uns dazu entschlossen, uns bei der täglichen Veröffentlichung auf die uns von offizieller Seite genannten Fallzahlen zu beziehen. Wohlwissend, dass dies mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein reales Abbild der Gesamtsituation im Zollernalbkreis darstellt.

Verzicht auf alle Zahlen?

Dieses Vorgehen hat aber nichts mit dem eingangs erwähnten, geflügelten Wort zu tun. Weder die Verantwortlichen des Landratsamts noch wir vom ZAK haben ein Interesse daran, durch Zahlen Panik zu verbreiten oder unsere Leserschaft andererseits in trügerischer Sicherheit zu wiegen. Und gefälscht wird hier schon mal gar nichts. Was bezüglich Corona-Virus im Zollernalbkreis zahlenmäßig bekannt ist, wird veröffentlicht, alles andere ist Kaffesatzleserei.

Vorgaben des RKI variieren

Ein weiterer Punkt der auch in der Öffentlichkeit im Zollernalbkreis immer wieder für Verwirrung sorgt, ist die Anzahl der Tests, die durchgeführt werden. Man darf sich die Testreihe nicht als gleichbleibend stabil vorstellen. Natürlich wird im Zollernalbkreis aufgrund des zu einem sehr frühen Zeitpunkt installierten Corona-Testzentrums verhältnismäßig viel getestet. Aber eben nicht täglich gleich viel. Wie viel getestet wird und welche Gruppen besonders im Fokus der Tester sind, hängt zum einen davon ab, welche Testkapazität gerade vorhanden ist. Aber nicht zuletzt auch davon, welche Vorgaben das Robert-Koch-Institut jeweils herausgibt.Vielleicht wäre es besser, gänzlich auf Corona-Zahlen zu verzichten. Denn auch die offizielle Zahl der Genesenen im Zollernalbkreis ist wegen der vermutlich hohen Dunkelziffer nicht die Zahl der tatsächlich Genesenen.

Die Menschen nicht vergessen

Bei der Beschäftigung mit all den täglichen Statistiken und Zahlen sollten wir alle eines nie aus dem Blick verlieren: Welch unglaublichen Job die ehrenamtlichen und hauptberuflichen Helfer, Sanitäter, Pflegekräfte und Ärzte in der Balinger Corona-Ambulanz und der benachbarten Corona-Station, in beiden Häusern des Zollernalbklinikums, in der Truchtelfinger Acura-Klinik, in den Arztpraxen und in den vielen Alten- und Pflegeheimen, die vom Corona-Virus ebenfalls besonders betroffen sind, Tag und Nacht leisten. Ihnen gebührt unser aller Dank. Und dies aber bitte auch über die Zeit der Coronakrise hinaus. Denn versorgt, gepflegt, gerettet und verarztet wird auch noch, wenn wir eines Tages sagen werden: Weißt du noch, wie es damals war, während der Coronakrise 2020?

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